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Gesunde Kaninchen im Außengehge
Foto: Foto: Yvonne Eckert
Gesunde Kaninchen im Außengehge

Heimtiere – Gesundheitscheck

Allgemeinuntersuchung beim Kaninchen

Eine gründliche Anamnese und Untersuchung sind die Grundlage für eine tierärztliche Diagnosestellung und anschließende Behandlung oder Beratung. Welche Schritte gehören beim Kaninchen dazu? Wir geben eine Übersicht für den Check-up.

Von Dr. med. vet. Yvonne Eckert

Zu Beginn der klinischen Allgemeinuntersuchung steht die Anamnese (Vorbericht). Durch allgemeine und spezielle Fragen kann sich der Untersuchende einen ersten Eindruck vom Gesamteindruck des Patienten und zum speziellen Krankheitsbild machen.

Die allgemeine Anamnese umfasst zunächst Fragen zur Haltung. Leben die Tiere in Einzel- oder Gruppenhaltung (welche Gruppenkonstellation und gibt es Rangordnungskämpfe?), innen oder außen? Auch Informationen zur Gehegegröße (als Richtwert sollten mindestens 2 Quadratmeter pro Tier für eine artgerechte Haltung eingehalten werden), Ausstattung des Geheges und Bodengrund können wichtige Informationen liefern. Zudem kann es für das jeweilige Krankheitsbild relevant sein, ob die Tiere zusätzlichen Freilauf und gegebenenfalls Zugang zu Wohnungspflanzen etc. haben. Leben im Haushalt weitere Tiere und haben diese Kontakt zu den Kaninchen?

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Ein weiterer wichtiger Aspekt der Anamnese ist die Fütterung. Folgende Fragen können wichtige Hinweise liefern:

  • Bekommen die Tiere Frischfutter und wenn ja, welches und wie viel?
  • Bekommen die Tiere Trockenfutter (mit/ohne Getreideanteil?) und wenn ja, wie viel?
  • Bekommen die Tiere Zusatzfutter, z. B. Vitaminpräparate, Salzlecksteine etc.?
  • Bekommen die Tiere Leckerlies, z. B. Knabberstangen, Joghurtdrops o. Ä.
  • Wurde die Fütterung in der letzten Zeit verändert?
  • Steht den Tieren Heu jederzeit zur freien Verfügung und wie ist die Akzeptanz?
  • In welcher Form erfolgt das Wasserangebot (Nippeltränke oder Wassernapf?), trinkt der Patient übermäßig viel?

Bei verschiedenen Krankheitsbildern spielt die Fütterung eine große Rolle. So können z. B. ein Überangebot an Kalzium eine Urolithiasis (Harnsteine) bedingen oder einzelne Futterbestandteile wie z. B. Sojabohnen oder Johannisbrotkerne zu einem mechanischen Ileus (Darmverschluss) führen.

Zudem sollte in der allgemeinen Anamnese der Impfstatus der Tiere erfragt werden, ob die Tiere regelmäßig entwurmt werden (wie häufig, mit welchem Wirkstoff?) und Angaben über die Herkunft (Züchter, Privat, Zoohandel ...) gemacht werden.

Die spezielle Anamnese beinhaltet Fragen zum aktuellen Krankheitsgeschehen:

  • Welche Symptome sind dem Besitzer aufgefallen?
  • Wann traten erstmals Veränderungen auf?Ist die Futteraufnahme des Tieres gestört? Hier ist es sinnvoll, noch etwas genauer nachzufragen. Wenn das Kaninchen zum Beispiel Interesse am Futter zeigt, jedoch kein Futter aufnimmt oder einzelne Futterbestandteile selektiert, kann eine Zahnerkrankung zugrunde liegen.
  • Sind mehrere Tiere im Bestand betroffen?
  • Besteht bei dem Patienten bereits eine Vorerkrankung?
  • Ist bereits eine Vorbehandlung erfolgt und wenn ja, in welcher Form?

Signalement

Angaben zum Signalement umfassen die Rasse oder den Farbschlag des Patienten (soweit bekannt; siehe Abb. 1 und Abb. 2), das Alter, das Geschlecht (ist das Tier kastriert?) und das Gewicht.

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Generell ist es ratsam, dass die Besitzer ihre Kaninchen regelmäßig wiegen. Über den Gewichtsverlauf kann aufgedeckt werden, ob die Tiere schleichend oder plötzlich Gewicht verloren bzw. stark zugenommen haben. Auch beim Tierarzt sollte bei jedem Besuch das aktuelle Körpergewicht erfasst und dokumentiert werden. Dies ist auch bei einer erforderlichen Medikamentenapplikation notwendig, um die exakte Dosierung berechnen zu können.

Auch wenn die meisten der in der tierärztlichen Praxis vorgestellten Kaninchen in Hobbyhaltung gehalten werden, sollte (vor allem bei großen Kaninchenrassen) nach dem Verwendungszweck gefragt werden. Handelt es sich in Ausnahmefällen doch um lebensmittelliefernde Tiere, muss dies bei der medikamentösen Therapie berücksichtigt werden.

Klinische Allgemeinuntersuchung

Die klinische Allgemeinuntersuchung beginnt schon mit einem ersten Blick in die Transportbox. Dieser sollte, vor allem wenn der Patient als Notfall angekündigt wurde, schon vor der Anamnese erfolgen. Sollte sich das Tier in einem lebensbedrohlichen Zustand befinden (z. B. in Seitenlage sein oder starke Atemnot haben), können so unmittelbar Notfallmaßnahmen eingeleitet werden. Die klinische Allgemeinuntersuchung und die Anamnese können dann zu einem späteren Zeitpunkt nach Stabilisierung des Patienten erfolgen.

Körperkerntemperatur: Die Bestimmung der rektalen Körperinnentemperatur gehört zu jeder klinischen Allgemeinuntersuchung. Der physiologische Bereich liegt bei 38,0–39,9 °C. Kranke Kaninchen neigen zu einer Hypothermie (Körperkerntemperatur < 38,0 °C). „Fieber“ kommt nur in seltenen Fällen z. B. beim Hitzschlag oder einer RHD-Infektion vor.

Atmung: Die Atmung des Kaninchens sollte kostoabdominal (Bauch-Flanken-Atmung) und regelmäßig sein. Sie wird von schräg hinten beurteilt und die Frequenz/Minute ausgezählt. Kaninchen sind obligate Nasenatmer. Anzeichen einer Atemnot kann neben Maulatmung unter anderem auch eine vermehrte Flankenatmung sein.

Auskultation der Lunge: Das Lungenfeld ist beim Kaninchen aufgrund des verhältnismäßig kleinen Thorax klein. Die Auskultation erfolgt im Bereich der Rippen und sollte stets beidseits durchgeführt werden (siehe Abb. 3). Zur exakten Lokalisation eines möglichen Geräusches sollte zudem der Nasen- und Kehlbereich auskultiert werden. Physiologisch ist ein beidseitiges bronchovesikuläres Atemgeräusch. Neben rasselnden oder pfeifenden Atemgeräuschen, die in- und/oder exspiratorisch (beim Ein- und/oder Ausatmen) auftreten können, ist auch das Fehlen eines Atemgeräuschs als pathologisch anzusehen. Dies kann zum Beispiel durch eine thorakale Umfangsvermehrung bedingt sein.

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Auskultation des Herzens: Die Auskultation des Herzens sollte von beiden Seiten und von sternal erfolgen. Neben der Frequenz/Minute kann der Herzschlag auf Kraft, Regelmäßigkeit, Abgesetztheit und mögliche Nebengeräusche hin untersucht werden. Ein exaktes Auszählen der Herzfrequenz kann vor allem bei erhöhter Herzfrequenz schwierig sein.

Verhalten: Kaninchen sind Flucht- und Beutetiere. Dies zeigt ein gesundes Tier in der Regel auch in der ungewohnten Umgebung beim Tierarzt. Abweichungen vom normalen Verhalten können ein Anzeichen von Schmerz und Unwohlsein sein. Ein gesundes Kaninchen ist aufmerksam, aber zurückhaltend und erkundet meist vorsichtig die Umgebung. Natürlich sind hierbei individuelle Unterschiede im Verhalten zu berücksichtigen.

Körperhaltung: Die Körperhaltung sollte der Tierart entsprechen. Auffälligkeiten sind beispielsweise die Schonung einer einzelnen Gliedmaße oder ein aufgekrümmter Rücken.

Ernährungszustand: Neben dem grammgenauen Körpergewicht kann der Ernährungszustand über die Einstufung in sogenannte „Body condition scores“ (z. B. 1 schlecht – 5 sehr gut) erfasst werden. Es erfolgt eine Beurteilung einzelner Knochenpunkte (z. B. im Bereich der Wirbelsäule, des Beckens und der Rippen) mittels Palpation. Für einen guten Ernährungszustand (BCS 3/5) sollten diese leicht fühlbar sein, jedoch nicht prominent hervortreten. Die Tatsache, dass Kaninchen dazu neigen, auch intraabdominal Fett einzulagern (dies lässt sich zum Beispiel auf einem Röntgenbild erkennen), erschwert die Beurteilung des Ernährungszustandes.

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Pflegezustand: Das Fell des Kaninchens sollte eng anliegen, glatt und glänzend sein. Natürlich kann es bei individuellen Fellvariationen (z. B. Rex- oder Angorakaninchen) zu Abweichungen kommen. Auch ein übermäßiger Krallenwuchs oder eine verklebte Anogenitalregion können auf Defizite im Pflegezustand hindeuten.

Hautturgor: Durch das Aufziehen einer Hautfalte (im Rücken oder Rippenbereich) kann der Hydrierungsgrad des Kaninchens bestimmt werden. Die Falte sollte sofort verstreichen. Ist dies verzögert, besteht eine verminderte Hautelastizität und damit eine Dehydrierung.

Puls: Die Erfassung des Pulses ist beim Kaninchen an der Arteria auricularis sowie der Femoralarterie möglich. Neben der Frequenz/Minute kann erfasst werden, ob der Puls regelmäßig und kräftig ist und die Arterie gut gefüllt ist.

Kapilläre Füllungszeit: Die kapilläre Füllungszeit sollte unter zwei Sekunden sein. Sie kann durch kurzen Druck auf die Maulschleimhaut beurteilt werden.

Periphere Lymphknoten: Die Lymphknoten beim gesunden Kaninchen sollten nicht zu fühlen sein. Der Bereich der Lnn. mandibulares, Lnn, axillares, Lnn inguinales, und Lnn. poplitei wird palpiert. Vor allem im Achselbereich lagern Kaninchen häufig Fett ein. Dies kann die Palpation der Lymphknoten erschweren.

Augen: Die Konjunktiven sollten blassrosa sein und das Auge selber ohne Veränderungen und Verletzungen (siehe Abb. 4). Weiterführend können die Sklera, Kornea, vordere Augenkammer, Pupille und Iris beurteilt werden. Es erfolgt zudem eine Untersuchung der Lider und der Tränenpunkte. Einseitiger Augenausfluss kann z. B. auf eine Verlegung des Tränennasenkanals (Dacryozystitis), bedingt durch eine Zahnerkrankung, hindeuten Die Bulbusgröße und -postition sollten seitenvergleichend betrachtet werden. Ein einseitiger Exophthalmus (hervortreten eines Augapfels) kann auf einen retrobulbären Abszess (häufig zahnbedingter Abszess hinter dem Auge) hindeuten. Ein beidseitiger Exophthalmus kann zum Beispiel ein Symptom einer thorakalen Umfangsvermehrung (z. B. eines Thymoms) sein.

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Ohren: Neben der Betrachtung des äußeren Ohres erfolgt eine Untersuchung des äußeren Gehörgangs mittels Otoskop. Bei gesunden Stehohrkaninchen sollte das Trommelfell als bläulich schimmernder Spiegel in der Tiefe erkennbar sein. Geringgradige Ablagerungen von Zerumen (Ohrenschmalz) sind natürlich. Jedoch ist eine sichere Unterscheidung zwischen Eiter und Zerumen nur im Ausstrich unter dem Mikroskop möglich. Vor allem Widderkaninchen sind prädisponiert für Ohrerkrankungen. Zu jeder Ohruntersuchung gehört die Palpation des Ohrgrundes. Im Zusammenhang mit einer Otitis (Ohrentzündung), kann sich hier eine eitergefüllte Aussackung bilden.

Nase: Die Nasenlöcher und Nasenumgebung des Kaninchens sollten frei von Auflagerungen und Ausfluss sein. Kaninchen mit Nasenausfluss benutzen ihre Vordergliedmaße häufig als „Taschentücher“. Deshalb sollten die Innenseiten der Vordergliedmaßen ebenfalls auf Sekretablagerungen untersucht werden.  Palpation des Kiefers: Eine seitenvergleichende Palpation des Ober- und Unterkiefers kann helfen, retrograde Zahnveränderungen (Knochenzubildungen [Exostosen] bis zu Kieferabszessen) aufzudecken, die sich als einzelne oder multiple Umfangsvermehrungen zeigen.

Maulhöhle: Zahnerkrankungen sind ein häufiges Krankheitsbild beim Kaninchen. Die Untersuchung der Zähne gehört zu jeder klinischen Allgemeinuntersuchung.

Die Inzisvi können durch vorsichtiges Anheben der Lippen beurteilt werden. Kaninchen haben sechs Schneidezähne. Hinter den Schneidezähnen im Oberkiefer befinden sich kleine Inzisvi, die Stiftzähne. Die Schneidezähne im Oberkiefer weisen Längsrillen auf. Querrillen sind pathologisch. Das Verhältnis der Schneidezähne zueinander sollte 1 : 1 sein (siehe Abb. 5 und Abb. 6). Die Zähne sollten symmetrisch und vollständig vorhanden sein.

Die Untersuchung der Molaren erfolgt mittels Trichterotoskop, Spekulum oder Endoskop. Durch den Speichelfluss, die Kau- und Abwehrbewegungen des Tieres kann die Untersuchung der Backenzähne oft erschwert werden. Mit ein bisschen Übung gelingt es dem Untersucher aber oft gut, Zahnspitzen, Verletzungen, Achsenabweichungen oder Ähnliches aufzudecken.

Kehlkopf und Husten: Die Halsregion des Kaninchens sollte auf Umfangsvermehrungen palpiert werden. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass vor allem weibliche Kaninchen zu Fetteinlagerungen in der Wamme neigen. Durch Palpation des Kehlkopfes kann bei Vorliegen einer Rachenentzündung rezidivierend Husten ausgelöst werden. Dies ist beim Kaninchen nach eigenen Erfahrungen eher selten.

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Palpation des Abdomens: Für die Palpation des Abdomens sollte der Patient auf eine rutschfeste Unterlage (z. B. ein Handtuch) gesetzt und mit einer Hand am Brustkorb gestützt werden. Der Oberkörper wird angehoben und die Hintergliedmaßen verbleiben auf der Unterlage. Mit der anderen Hand erfolgt die Palpation des Bauches (siehe Abb. 7). Hierbei sollte zunächst ohne viel Druck vorgegangen werden, dieser wird dann vorsichtig gesteigert. Die Bauchdeckenspannung und weitere Anzeichen für Schmerz (z. B. Zähneknirschen) werden registriert. Es bleibt zu berücksichtigen, dass eine leichte Abwehrhaltung bis zu einem gewissen Grad als normal angesehen werden kann.

Folgende Organe können bei der Palpation beurteilt werden:

  • Der Magen kann je nach Füllungszustand im linken oberen Bauchraum in unterschiedlicher Größe palpiert werden. Die Konsistenz sollte weich sein. Ein teigiger, fester, harter, gasiger oder praller Magen ist als pathologisch zu bewerten und kann z. B. Anzeichen eines Ileus sein. Bei der Palpation eines stark vergrößerten Magens ist Vorsicht geboten, da dieser auch durch den manuellen Druck rupturieren (zerreißen) kann.
  • Die Nieren sind von retroperitonealem Fettgewebe umgeben und können nur in Einzelfällen (vor allem bei Tieren mit mäßigem Ernährungszustand und dann meist die linke weiter kaudal liegende Niere) palpiert werden. Die Oberfläche ist glatt und die Niere bohnenförmig.
  • Die Harnblase kann je nach Füllungszustand im kaudalen Abdomen ertastet werden. Es kann palpatorisch zwischen einer weichen, harten oder prallen Konsistenz unterschieden und ein möglicher Palpationsschmerz beurteilt werden.
  • Die Gebärmutter (Uterus und Ovarien) ist beim gesunden unkastrierten Kaninchen nicht tastbar. Liegen Pathologien der Gebärmutter vor, können diese häufig im kaudalen Abdomen als Umfangsvermehrung palpiert werden.

Einzelne Darmabschnitte, die Leber und die Milz sind im gesunden Zustand beim Kaninchen in der Regel nicht palpierbar.

Mammae: Weibliche Kaninchen haben sechs bis zwölf asymmetrisch verteilte Zitzenpaare. Diese sind auf Zubildungen und Sekretion zu untersuchen.

Ballen: Die Ballen sollten von einer dicken Fellschicht verdeckt sein (siehe Abb. 8). Haarlose Bereiche sind neben Verletzungen und Krusten als pathologisch einzustufen.

Krallen: Die Krallen sind auf Anzahl, Form, Länge, Achsenabweichungen und mögliche Zubildungen hin zu untersuchen. An den Vordergliedmaßen besitzen Kaninchen entsprechend der Anzahl an Zehen fünf und an den Hintergliedmaßen vier Krallen.

Anogenitalregion: Die Anogenitalregion sollte frei von Auflagerungen, Verunreinigungen und Zubildungen sein. Beim weiblichen Kaninchen sind der Ausgang von Harn- und Geschlechtstrakt verbunden und es besteht nur eine Öffnung. Der Penis des männlichen Kaninchens lässt sich ausschachten. Weibliche Kaninchen haben eine eher schlitzförmige Öffnung der Vulva/Harnröhre, beim männlichen Kaninchen ist die Öffnung im Bereich der Penisspitze eher rund (siehe Abb. 9, Abb. 10).

Die Hoden befinden sich beim Rammler rechts und links der Anogenitalregion und sind in zwei Skrotalsäcken fühlbar. Kaninchen können ihre Hoden in die Bauchhöhle zurückziehen. Bei Nichtauffinden der Hoden, z. B. bei einem unkastrierten Jungtier, lassen sie sich häufig durch vorsichtigen Druck im Beckenbereich von kranial nach kaudal ins Skrotum streichen.

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An beiden Seiten der Anogenitalregion befinden sich die Parainguinaldrüsen des Kaninchens (siehe Abb. 9). Sie können mit geringen Mengen eines süßlich riechenden Sekrets gefüllt sein und dienen der Reviermarkierung.

Zusammenfassung

Eine vollständige Anamnese und eine gründliche klinische Allgemeinuntersuchung helfen, eine erste Verdachtsdiagnose zu stellen und erleichtern die Entscheidung, welche weiterführende Diagnostik individuell indiziert ist.

Achtung

Die Untersuchung der Backenzähne am wachen Tier darf niemals mit Maulspreizern erfolgen. Schwerwiegende Verletzungen wie Zahnfrakturen, Kieferfrakturen oder -luxation können die Folge sein!

Infektionskrankheiten

  • Kaninchen in Innen- und Außenhaltung müssen gegen die Infektionskrankheiten RHD 1 und 2 (Rabbit Hamorrhagic Disease [Chinaseuche]) und Myxomatose geimpft werden.
  • Auf dem Markt stehen verschiedene Impfstoffe, die als Einzel- oder Kombinationspräparate gegen eine oder mehrere Krankheiten schützen, zur Verfügung. Je nach Impfstoff müssen sie geboostert (= Wiederholung der Erstimpfung nach einer gewissen Zeit) und die Impfung halb- bzw. jährlich wiederholt werden.
  • Die Tiere sollten zum Zeitpunkt der Impfung klinisch gesund sein. Eine Kotuntersuchung und Entwurmung bei Bedarf vor der Impfung ist sinnvoll, um einen vollständigen Impfschutz zu gewährleisten.

Vitalparameter

  • Die physiologische Atemfrequenz beim Kaninchen beträgt 30–60 Atemzüge/Minute.
  • Die physiologische Herzfrequenz beim Kaninchen beträgt 150–300 Schläge/Minute.

Literatur

Müller K, Schall H (2015): Kaninchen. In: Fehr M, Sassenburg L, Zwart P (Hrsg.): Krankheiten der Heimtiere. 8. Aufl. Schlütersche, Hannover, 1–56.

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Abb. 1: Chinchillafarbenes Stehohrkaninchen
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Abb. 1: Chinchillafarbenes Stehohrkaninchen
Abb. 2: Löwenkopfkaninchen
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Abb. 2: Löwenkopfkaninchen
Abb. 3: Auskultation der Lunge bei einem Kaninchen
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Abb. 3: Auskultation der Lunge bei einem Kaninchen
Abb. 4: Adspektion der Konjunktiven bei einem Kaninchen. Diese stellen sich blassrosa dar.
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Abb. 4: Adspektion der Konjunktiven bei einem Kaninchen. Diese stellen sich blassrosa dar.
Abb. 5: Kaninchen mit angehobenen Lippen: Die Inzisivi wurden aufgrund einer Brachygnathie extrahiert. Ein verbliebener Stiftzahn ragt nach rostral.
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Abb. 5: Kaninchen mit angehobenen Lippen: Die Inzisivi wurden aufgrund einer Brachygnathie extrahiert. Ein verbliebener Stiftzahn ragt nach rostral.
Abb. 6: Kaninchen mit angehobenen Lippen: Die Inzisivi im Oberkiefer haben physiologische Längsrillen. Das Verhältnis zwischen Ober- und Unterkieferinzisivi ist 1 : 1.
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Abb. 6: Kaninchen mit angehobenen Lippen: Die Inzisivi im Oberkiefer haben physiologische Längsrillen. Das Verhältnis zwischen Ober- und Unterkieferinzisivi ist 1 : 1.
Abb. 7: Abdomenpalpation beim Kaninchen. Die Hintergliedmaßen sind auf der Unterlage. Der angehobene Oberkörper wird im Bereich des Brustkorbs gestützt und mit der anderen Hand das Abdomen palpiert.
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Abb. 7: Abdomenpalpation beim Kaninchen. Die Hintergliedmaßen sind auf der Unterlage. Der angehobene Oberkörper wird im Bereich des Brustkorbs gestützt und mit der anderen Hand das Abdomen palpiert.
Abb. 8: Durch Fell geschützte Ballen eines gesunden Kaninchens.
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Abb. 8: Durch Fell geschützte Ballen eines gesunden Kaninchens.
Abb. 9: Anogenitalregion bei einem männlich kastrierten Kaninchen. Der Penis ist leicht ausgeschachtet. Die Harnröhrenöffnung stellt sich rund dar. Links und rechts sind die Parainguinaldrüsen erkennbar.
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Abb. 9: Anogenitalregion bei einem männlich kastrierten Kaninchen. Der Penis ist leicht ausgeschachtet. Die Harnröhrenöffnung stellt sich rund dar. Links und rechts sind die Parainguinaldrüsen erkennbar.
Abb. 10: Anogenitalregion bei einem weiblich kastrierten Kaninchen. Die Vulva stellt sich schlitzförmig dar.
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Abb. 10: Anogenitalregion bei einem weiblich kastrierten Kaninchen. Die Vulva stellt sich schlitzförmig dar.
Yvonne Eckert ist Fachtierärztin für Heimtiere/Kleinsäuger und hat an der Tierärztlichen Hochschule Hannover studiert und promoviert. Seit 2014 ist sie in der Heimtierabteilung der Klinik für Heimtiere, Reptilien und Vögel der Tierärztlichen Hochschule Hannover tätig.
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Yvonne Eckert ist Fachtierärztin für Heimtiere/Kleinsäuger und hat an der Tierärztlichen Hochschule Hannover studiert und promoviert. Seit 2014 ist sie in der Heimtierabteilung der Klinik für Heimtiere, Reptilien und Vögel der Tierärztlichen Hochschule Hannover tätig.
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