Foto: Tierklinik Ahlen

Soziales Projekt

Anlaufstelle für Tier und Mensch

Unterstützens- und nachahmenswert: Die Tierklinik Ahlen bietet einmal im Monat eine Sprechstunde für die Tiere bedürftiger Halter an.

Von Lisa-Marie Petersen

Sich lokal engagieren, statt an ein entferntes Hilfsprojekt überweisen, das war die Intention von Gereon Viefhues. Der Klinikleiter der Tierklinik Ahlen sah in seinem Alltag viele sozial schwache Familien, die sich die tiermedizinische Versorgung ihrer Vierbeiner nicht leisten konnten. Kein Geld, kein Tier? Nicht so einfach. „Für Menschen in prekären Verhältnissen sind ihre Haustiere häufig die einzige emotionale Stütze“, so Viefhues Erfahrung. Sie sind so etwas wie die Psychotherapie, zu der diese Leute nicht gehen. Ihre Geschichten und Erlebnisse ließen den sozial engagierten Tierarzt nicht kalt. Vom Vater verlassene Familien, chronisch Erkrankte – das Tier als einziger Bezugspunkt. „Ich wollte etwas für Tier UND Mensch tun.“

Nachahmung erwünscht

Um die Idee einer Sozialsprechstunde zu realisieren, trat er auf das Forum gegen Armut zu. Die 2007 gegründete und in Ahlen angesiedelte Freiwilligenorganisation setzt sich für Menschen in Not ein, bietet z. B. eine Kaffeetafel als tägliche Anlaufstelle sowie Hilfe bei der Vermittlung von Wohnungen an. Da die Idee auf Anklang traf, können Mitglieder des Forums seit zwei Jahren an 2,5 Stunden im Monat vor Ort ihre Tiere behandeln lassen. „Bei diesen Besitzern wissen wir, dass sie tatsächlich bedürftig sind“, so der Tierarzt. Er entschied sich bewusst dazu, die Sprechstunde außerhalb der Klinik abzuhalten. „Wir wollten die Schwelle für die Menschen möglichst niedrig halten“, erzählt er. In der Sprechstunde geht es vor allem um Vorsorge: Impfungen, Flohschutz, Wurmkuren. Für größere Eingriffe wie Kastrationen müssen die Tierhalter Gutscheine über das Forum erwerben. Die kosten 5–10 Euro – eine symbolisch erscheinende Summe, die jedoch für Bedürftige ein merkbarer Einschnitt ins monatliche Budget darstellt.

Ähnliche Projekte gibt es bereits in einigen Städten − Nachahmung erwünscht. „Der Bedarf ist groß“, weiß Viefhues. Da die Behandlung unentgeltlich erfolgt, muss eine Genehmigung durch die Tierärztekammer eingeholt werden. Arzneimittel können zum Beispiel durch Spenden finanziert werden. „Halter, die unser Wartezimmer-WLAN nutzen wollen, können dies gegen eine kleine Spende tun“, so Viefhues. Diese fließt dann direkt in das soziale Projekt.

Über die Autorin

Als Tierärztin horcht Lisa-Marie Petersen gern am Ort des Geschehens nach: Was beschäftigt die Tiermedizin derzeit? Interessante Themen verarbeitet die Fachjournalistin dann in redaktionellen Beiträgen für Print- und Onlinemedien.

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