Foto: Kempf

Vogelpatienten

Applikationstechniken beim Vogelpatienten

Eine Therapie von Vögeln über das Trinkwasser ist in den wenigsten Fällen praktikabel und zielführend. Wer die Basis-Applikationen beim Vogel kennt, kann sicher assistieren und die wichtigsten Proben entnehmen.

Inhaltsverzeichnis

Von Hermann Kempf

Die orale Applikation per Kropfsonde ist technisch der Entnahme eines Kropftupfers sehr nahe. Ähnlich verhält es sich mit der intravenösen Applikation und der Blutentnahme. Die wichtigsten Applikationstechniken möchten wir Ihnen hier vorstellen.

Intramuskuläre Applikation

Intramuskuläre Applikationen werden in der Regel am Brustmuskel durchgeführt. Es handelt sich dabei um tiefe Applikationen am Übergang vom ersten zum zweiten Brustdrittel. Um diesen Punkt zu finden, wird der Mittelfinger am kranialen Ende des Brustbeins angelegt und der Daumen am kaudalen Ende. Dort wo jetzt die Spitze des Zeigefingers das Brustbein berührt, ist der ideale Applikationsort. Die Spritze wird dabei von kaudal nach kranial im 45°-Winkel parallel und sehr nah zum Brustbein angesetzt und die Applikation mit einer geeigneten Nadel in den tiefen Brustmuskel durchgeführt.

Subkutane Applikation

Für kleinere Vögel eignet sich für die Fixierung der Scherengriff. Um den Applikationspunkt besser darzustellen, hat es sich bewährt, die Federn mit einer kleinen Menge Alkohol zu scheiteln. Die Applikation erfolgt in die Kniefalte. Dazu wird das Bein maximal gestreckt und von kranial direkt in die Kniefalte appliziert. Dabei sollte sich eine kleine Quaddel bilden.

Falls nicht, besteht die Gefahr, dass zu tief eingestochen wurde, man landet dann sehr schnell im Luftsack. Es sollte sofort abgebrochen werden, wenn sich keine Quaddel bildet. In der Regel äußert sich eine Luftsackapplikation durch ein feuchtes Atemgeräusch. Dann sollte man den Vogel sofort ab- und ruhig hinsetzen. Wenn die applizierte Menge nicht zu groß war, resorbiert der Patient dies problemlos, andernfalls kann dieser Fehler durchaus tödlich enden.

Zu flache Applikationen landen intradermal. Dann lässt sich das zu applizierende Volumen nur sehr schwer verabreichen und die sich bildende Quaddel erscheint weißlich. Auch hier sollte man die Applikation sofort beenden und erneut ansetzen, da ansonsten in den folgenden Tagen durchaus flächige Nekrosen auftreten können.

Intravenöse Applikation/Blutentnahme

Bei den meisten Vögeln befindet sich an der rechten Halsseite eine kleine physiologisch kahle Stelle, die mithilfe eines Tropfens Alkohols gut sichtbar wird. Unmittelbar unter dieser Stelle verläuft die Vena jugularis (Drosselvene), die man darstellen kann, indem man mit dem Daumen zwischen Wirbelsäule und Luftröhre drückt und mit dem Zeigefinger die Haut nach kranial strafft. Bei besonders dicken Amazonen kann dies durchaus eine Herausforderung sein.

Bei Wassergeflügel befindet sich an der Halsseite keine kahle Stelle, aber mit etwas Routine kann man durchaus an der Halsvene Blut abnehmen. Taubenvögel haben hier ein komplexes Venengeflecht, sodass eine Blutentnahme am Hals nicht möglich ist.

Alternativ steht bei allen Vögeln die Vena basilica (Oberarmvene) auf der Flügelunterseite zur Verfügung. Das Gefäß ist deutlich kleiner und minimale Abwehrbewegungen mit dem Flügel vereiteln den Entnahmeversuch unter Umständen sehr schnell. Zudem können hier Hämatome nach der Blutentnahme den Flug für einige Tage beeinflussen und Nachblutungen können ein unschönes Bild hinterlassen.

Gerade bei Hühnern und Entenvögeln kann auch die Vene medial am Metatarsus verwendet werden. Nachblutungen können hier leicht mit einem kleinen Pflaster unterbunden werden.

Orale Applikation, Kropftupferentnahme

Kleine Mengen (z. B. ein Tröpfchen Enrofloxazin beim Wellensittich) können mittels Kappengriff direkt in den Schnabel eingegeben werden. Größere Mengen (insbesondere im Rahmen der Zwangsfütterung) müssen direkt in den Kropf (falls vorhanden) appliziert werden. Dazu geht man mit einer geeigneten Sonde im linken Schnabelwinkel ein, schiebt sie über der Zunge und unter dem Gaumensegel durch und stellt die Sonde dann steil, um sie leicht diagonal auf die rechte Halsseite zu schieben. Achtung: Dies muss alles ohne größeren Kraftaufwand erfolgen, da sonst die Gefahr der Perforation besteht!

Befindet sich die Knopfkanüle im Kropf, lässt sie sich durch die Haut palpieren. Zur Sicherheit wird auch noch die Trachea ertastet. So kann man überprüfen, ob die Kanüle zuverlässig im Kropf angekommen ist. Anschließend kann das Medikament bzw. der Futterbrei appliziert werden.

In ähnlicher Weise geht man vor, wenn man einen Kropfabstrich nimmt. Dabei wird ein trockener Wattetupfer vergleichbar einer Futtersonde eingeführt. Anschließend gibt man von außen mit dem Daumen leichten Gegendruck und führt mit dem Wattetupfer gegen den Daumen minimal drehende Abstrichbewegungen aus.

Untersuchung

Den Spatz in der Hand … Handling von Vogelpatienten

Der Respekt vor dem Handling kleiner und großer Vogelpatienten ist groß. Das muss nicht sein, wenn man die geeigneten Grifftechniken anwendet.

Studie

Ein Nasenspray unterbricht epileptische Anfälle

Um dauerhafte Schäden am Gehirn zu verhindern, muss beim Status epilepticus sofort eingegriffen werden. Eine aktuelle Studie hat die intranasale Applikation von Midazolam untersucht.

Achtung, Krampf!

Schnelles Handeln ist gefragt

Ein systemischer Krampfanfall kann akut lebensbedrohlich sein. Im Notfallmanagement muss zwischen einfachen Anfällen und Status epilepticus unterschieden werden.

Multimodaler Therapieansatz

Kälte und Wärme in der Schmerztherapie

Kälte- und Wärmetherapie sind Teil des multimodalen Therapieansatzes und in der Regel nicht als alleinige Anwendungen gedacht. Wir stellen verschiedene Einsatzmöglichkeiten vor.