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Pflanzenheilkunde

Berauschende Wirkung: Was finden Katzen an asiatischem Silberwein?

Nicht nur Katzenminze scheint unwiderstehlich: Katzen lassen sich auch von anderen Pflanzen berauschen. Der Iridoid-Wirkstoff in Silberwein zieht die Tiere ebenfalls an.

Von Lisa-Marie Petersen

  • Silberwein, auch Japanischer Strahlengriffel (Actinidia polygama) genannt, ist eine in Asien beheimatete Kletterpflanze.
  • Einer Studie zufolge zieht diese Pflanze Katzen an, welche zum Beispiel den Kopf an dem Gewächs reiben.
  • Dieses Verhalten dient nicht der Adaption an Umweltreize, sondern scheint durch Botenstoffe wie Pheromone oder Kairomone ausgelöst zu sein.
  • Die in der Pflanze enthaltenen Iridoid-Wirkstoffe scheinen laut einer aktuellen Untersuchung eine abschreckende Wirkung auf Mücken zu haben.
  • Ungeklärt ist, ob sich Katzen diese Moskitobremse zunutze machen oder sich über die Pflanze eventuell auch gegen andere Parasiten schützen wollen.

Katzenbesitzer kennen es vor allem von Echter Katzenminze: Das Gewächs aus der Familie der Lippenblütler löst bei adulten Stubentigern ein kurioses Rauschverhalten aus. Für zehn bis 15 Minuten wird geschmatzt und an der Pflanze geleckt, die Tiere reiben sich den Kopf und rollen über den Boden. Die asiatische Kletterpflanze Silberwein hat eine ganz ähnliche Wirkung, die schon lange bekannt ist: Bereits 1705 beschrieben japanische Botaniker berauschte Feliden in Zusammenhang mit Actinidia polygama. Hierbei handelt es sich nicht um erlernte Verhaltensweisen, sondern um ein in der Katze angelegtes Verhalten, das vermutlich durch pflanzliche Inhaltsstoffe ausgelöst wird.

Pflanzliche Botenstoffe auf dem Prüfstand

Der genaue Nutzen dieses Verhaltens ist noch nicht bekannt. Botaniker wissen jedoch aus zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen, dass die Pflanze die Wirkstoffe Actinidin und Nepetalacton enthält, welche Sexuallockstoffen ähneln, auf die adulte Katzen berauscht reagieren. Ob das Gleiche auch für Silberwein gilt? Eine japanische Studie von der Universität Iwate Universität in Morioka deutetet darauf hin. So zeigten Hauskatzen, aber auch Wildkatzen wie Löwen, beim Schnüffeln an isoliertem Nepetalacton das typische Rausch-Verhalten. Ebenso konnten die Wissenschaftler um Masao Miyazaki erhöhte Plasmalevel von beta-Endorphinen bei Katzen nach dem Nepetalacton-Schnüffler nachweisen. Der Iridoid-Wirkstoff scheint, ähnlich wie Opioide, das Nervensystem der Tiere zu stimulieren.

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Iridoide als Mücken-Schutz

Rausch hin oder her - für das Verhalten der Katzen scheint es auch eine biologische Ursache zu geben. So ist bekannt, dass Katzenminze eine repellente Wirkung auf Insekten hat. Ähnliches konnten die Japaner nun für Silberwein bestätigen: In einer zweiten Versuchsreihe mit Mücken und Katzen landeten weniger Mücken auf den Köpfen der Tiere, die sich am Nepetalacton gerieben hatten. Die Japaner schließen daraus, dass die Reaktion der Katzen auf die Iridoid-Wirkstoffe mit einer chemischen Abwehr gegen Moskitos und möglicherweise anderer Parasiten verknüpft sein könnte. Somit könnte der Wirkstoff nicht nur für Hersteller von Katzenbedarf, sondern auch für die Entwicklung neuartiger Repellentien interessant sein.

Weitere Versuche sollen klären, warum nur Katzen auf diese Pflanzen reagieren. Steckt womöglich ein Gen dahinter?

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Als Tierärztin horcht Lisa-Marie Petersen gern am Ort des Geschehens nach: Was beschäftigt die Tiermedizin derzeit? Interessante Themen verarbeitet die Fachjournalistin dann in redaktionellen Beiträgen für Print- und Onlinemedien.

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