Foto: Clara Wiechers

Schulprojekt

Blacklight Box selber bauen

Laut WHO gilt die Händedesinfektion als wichtigste Maßnahme der Basishygiene. Eine DIY UV-Schwarzlichtbox macht Benetzungslücken sichtbar.

Inhaltsverzeichnis

Von Sandra Schubert

Therapieassoziierte Infektionen mit multiresistenten Bakterien nehmen auch in der Tiermedizin zu. Gefährdet sind dabei nicht nur die Patienten selbst, sondern auch Tierbesitzer und das medizinische Personal. TFA und Tierarzt sind zudem einem höheren Risiko ausgesetzt, sich mit zoonotischen Krankheitserregern zu infizieren.

Unsicherheit darüber, wann und wie genau die Händedesinfektion zu erfolgen hat, besteht im Praxis­alltag gerade bei Berufsanfängern. Um diese Fragen zu klären, entwickelten 15 angehende Tiermedizinische Fachangestellte der Berufsbildenden Schule Wirtschaft Bad Kreuznach im 1. Ausbildungsjahr in einem vierwöchigen Projektunterricht gemeinsam mit ihrer Lehrkraft, Studienrätin und Tierärztin Sandra Schubert, ein eigenes komplettes Schulungssystem. Die Ergebnisse der eigenen Händedesinfektion werden hierbei visualisiert und dokumentiert, die Methode ist äußerst effizient und kostengünstig.

Auf einen Blick: das Prinzip und die Materialien

Die Schülerinnen und Schüler konstruierten eine UV-Schwarzlichtbox aus Sperrholzplatten (6 mm Dicke), die eine Überprüfung der Effizienz der eigenen Einreibemethode mithilfe eines fluoreszierenden Handdesinfektionsmittels ermöglicht. Die so sichtbaren Benetzungslücken werden auf einem Diagnosebogen dokumentiert. Fehlende Schritte in der Einreibemethode werden im letzten Schritt mittels Piktogrammen zu einer vollständigen individuellen Bewegungsabfolge ergänzt und somit gleichzeitig visualisiert. Für den Einsatz der Blackbox zu Schulungszwecken wird folgendes Material benötigt:

  • Blacklight Box
  • gebrauchsfertiges, handelsübliches Handdesinfektionsmittel auf alkoholischer Basis, VAH-gelistet (Verbund für Angewandte Hygiene e. V.; www.vah-online.de)
  • fluoreszierendes Testkonzentrat zum Nachweis von Benetzungslücken, z. B. Visirub® conc.
  • Diagnosebogen
  • Piktogramme zum Ausschneiden

So funktioniert’s

Die Holzplatten und Kanthölzer kann man sich im Baumarkt zuschneiden lassen, danach müssen die Kanten abgeschmirgelt werden.

  1. Anschließend werden die Holzplatten auf den Innenseiten mit schwarzem Lack gestrichen und nach Herstellerangaben trocknen gelassen.
  2. Die Kanthölzer werden mit Holzleim an den Platten befestigt, anschließend fixiert man sie zum Trocknen ggf. mit einer Schraubzwinge: Auf der Bodenplatte (E) werden an drei Seiten Kanthölzer (2-mal G + 1-mal H), an zwei Seiten des Deckels (F) je 1-mal Kanthölzer (G) angebracht (siehe Bildergalerie).
  3. Danach werden die Seitenwände (A + B) mit Holzleim am Boden (E) befestigt, C 2 an dem unteren Rand der Front angebracht, C 1 am Deckel (F) fixiert und D mittig an der Frontseite fixiert.
  4. Zum Schluss wird das UV-LED-Band (selbstklebend) spiralförmig im Inneren der Box fixiert und im letzten Schritt noch die Außen­seiten der Box mit schwarzem Lack bemalt. Sobald alles trocken ist, ist die Box einsatzbereit.

Infektionsrisiken und Resistenzen nehmen stetig zu

Hygienemanagement und Infektionskontrolle gewinnen in der Tiermedizin zunehmend Bedeutung und sind wesentlicher Bestandteile der guten veterinärmedizinischen Praxis (GVP).

Der weit überwiegende Teil aller Infektionserreger wird nicht über die Luft übertragen, sondern durch direkten oder indirekten Kontakt über Hände oder Gegenstände. Die korrekt durchgeführte hygienische Händedesinfektion soll eine Übertragung von potenziell pathogenen Infektionserregern verhindern, indem die zeitweilige, hautfremde Flora (transiente Flora) durch ein alkoholisches Händedesinfektionsmittel gemäß VAH-Liste effektiv reduziert bzw. abgetötet wird.

Nosokomiale Infektionen (griechisch „Nosokomeion“: Krankenhaus) sind laut Infektionsschutzgesetzes (IfSG, § 2) definiert als „Eine Infektion mit lokalen oder systemischen Infektionszeichen als Reaktion auf das Vorhandensein von Erregern oder ihrer Toxine, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer stationären oder einer ambulanten medizinischen Maßnahme steht, soweit die Infektion nicht bereits vorher bestand.“ In der Veterinärmedizin werden nosokomiale Infektionen bei Hund, Katze und Pferd häufig im Zusammenhang mit postoperativen und anderen Wundinfektionen, Zentralvenenkatheter-Infektionen und Katheter-assoziierten Harnwegsinfekten beschrieben.

Auch werden zunehmend bakterielle Resistenzen beobachtet. Hierbei werden vor allem bei Kleintieren und Pferden gehäuft multiresistente Erreger im Rahmen von Wund- bzw. Hautinfektionen (MRSA = Methicillin-resistente Staphylococcus aureus und MRSP = Methicillin resistente Staphylococcus pseudintermedius, ESBL = Extended-Spectrum Beta-Lactamase bildende Enterobakterien) nachgewiesen.

Einfache und effektive Infektionsprävention

Der wissenschaftliche Beirat der „AKTION Saubere Hände“ empfiehlt in seinem Positionspapier ausdrücklich die Schulung der Mitarbeiter in der Technik der Händedesinfektion mittels Schwarzlichtlampe. Weiterhin wird darauf hingewiesen, dass es sich bei der häufig praktizierten „Einreibemethode nach DIN EN 1500“ lediglich um eine standardisierte Methode zur Prüfung von Händedesinfektionsmitteln (HDM) handelt und die Vorgabe einer Bewegungsabfolge keine Vorteile in der Vermeidung von Benetzungslücken gegenüber einer „eigenverantwortlichen Applikation von HDM“ hat.

Die kostengünstige selbst gebaute Blacklight Box bietet eine einfache Möglichkeit, im Rahmen des Berufsschulunterrichts die eigene Einreibemethode zu optimieren und somit wichtige Standards in der Infektionsprävention zu setzen. Ein wirklich praxisnahes Projekt, das allen Schülerinnen und Schülern sehr viel Spaß bereitet hat.

Das brauchen Sie zum Bau der eigenen Blacklight Box

  • 390–405 nm UV-LED-Band
  • Holz
    Rückwand (A) 1-mal: 25 cm  x  43,4 cm
    Seitenwand (B) 2-mal: 28,4 cm  x  43,4 cm/Front: C 1 = 25 cm  x  4,2 cm/C 2 = 25 cm  x  4,2 cm → li. unten Loch für Kabel des LED-Bands/D = 25 cm  x  10 cm)
    Boden (E)/Deckel (F) 2-mal: 30 cm  x  25 cm
    Kanthölzer zum Stützen der Wände: (G) 4-mal in einer Länge von 19,8 cm/(H) 1-mal in einer Länge von  28,8 cm
  • schwarzer Holzlack für
    die Innenwände, Pinsel
  • Holzleim
  • Zollstock, Säge
  • praxisübliches Handdesinfektionsmittel, fluoreszierender Zusatz (bspw. Visirub®)

Händedesinfektion: wann und wie?

  • vor jedem Patientenkontakt/Arbeitsbeginn
  • vor Tätigkeiten, die aseptisch erfolgen müssen (Infusion, Infektion, Punktion)
  • nach Kontakt mit kontaminiertem Material
  • nach jedem Patientenkontakt
  • nach Verlassen der (unmittelbaren) Patientenumgebung
  • Händewaschen vor Arbeitsbeginn, nach Toilettenbenutzung und ansonsten nur bei sichtbarer Verschmutzung (Kontamination).
  • Während der Einwirkzeit müssen die Hände gleichmäßig nass sein.
  • besonders zu beachten: Daumen, Fingerkuppen, Nagelfalz, Interdigitalfalten, äußere Handballen, Handgelenke
  • kein Schmuck, kurze, unlackierte Fingernägel
  • 30 Sekunden Einwirkzeit des Händedesinfektionsmittels (bzw. nach Herstellerangaben)

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