Foto: Margit Rogalla

Hypertonie

Bluthochdruck bei der Katze – eine unterschätzte Gefahr

Feline Hypertension/Hypertonie ist ein weit verbreitetes Problem. In der Praxis wird der Blutdruck bei Katzen trotz leicht zu erlernender Methoden leider zu selten gemessen, oft mit fatalen Folgen.

Inhaltsverzeichnis

Von Dr. med. vet. Gabriele Rummel

Trotz großer Aufklärungskampagnen in den Medien wissen viele Katzenbesitzerinnen und -besitzer gar nicht, dass ihre Katzen genau wie wir Menschen an Bluthochdruck leiden können. Und genau wie beim Menschen ist diese Krankheit tückisch, da sehr lange keine warnenden Anzeichen zu erkennen sind. Die Symptome sind schleichend und anfänglich sehr unspezifisch, doch zu spät erkannt, sind schwere gesundheitliche Schäden für unsere Stubentiger die Folge, die dann in der Regel auch irreversibel sind.

Anfänglich zeigen betroffene Katzen keine oder nur leichte Veränderungen, wie häufiges Miauen, schlechteres Fressen, ab und zu ein Vor-sich-Hinstarren, manchmal Apathie oder ein schnell vorüberziehendes, fast unbemerkt bleibendes unsicheres Laufen, also Veränderungen, welche gar nicht als ungewöhnlich wahrgenommen werden.

Doch bleibt der Bluthochdruck unentdeckt, drohen gefährliche Schäden an Nieren, Herz, Augen und Nervensystem mit dann nicht mehr zu übersehenden Symptomen wie z. B. plötzlicher Sehverlust, Einblutungen ins Auge, Krämpfe, Lähmungen der Beine … Leider werden die meisten Katzen erst in diesem Stadium in der Praxis vorgestellt, viel zu spät – der Bluthochdruck hat inzwischen ganz leise und unbemerkt schwere Schäden an den lebenswichtigen Organen ausgelöst, die irreversibel bleiben. Deswegen wird Bluthochdruck auch häufig als der „stille Killer“ bezeichnet. Traurig ist, dass solche Schäden durch die einfache, regelmäßige Vorsorge der Blutdruckmessung hätten vermieden werden können.

Wann sprechen wir von Bluthochdruck?

Es ist bekannt, dass der Blutdruck keine feste Größe ist, er schwankt von Katze zu Katze und – je nach aktueller Stressbelastung – sogar bei ein und demselben Tier erheblich. Deswegen ist nicht nur das Erfassen von Normwerten im gesunden Zustand der einzelnen Katze von Bedeutung, sondern insbesondere das gesamte Handling in der Praxis.

Im Allgemeinen sprechen wir von Bluthochdruck ab einer Messung von über 140–150 mmHg, sind aber schon therapeutisch gefordert, wenn er regelmäßig höher als bei 160 mmHg liegt. Steigt der Blutdruck über 180 mmHg, so liegt eine starke Hypertonie vor, die schwere Folgen für lebenswichtige Organe nach sich zieht (siehe Tabelle).

Durchführung der Blutdruckmessung

Blutdruckmessen bei Katzen

Die Dopplermessung ist die genauste und effektivste Methode zum Blutdruckmessen bei Katzen.
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Klassifikation der Hypertonie bei Katzen

Man unterscheidet eine primäre (idiopathische) und sekundäre Hypertonie:

  • idiopathisch: Es ist keine andere Erkrankung als Ursache für die Hypertonie erkennbar.
  • sekundär: Es wird als Ursache für die Hypertonie eine zugrunde liegende Krankheit oder ein eingesetztes Medikament angenommen.

Eine idiopathische Hypertonie ist mit 13–20 % aller Fälle recht selten, bisher liegen wenige Forschungsergebnisse dazu vor, was sie auslöst.

In etwa 80 % der Fälle liegt eine sekundäre Hypertonie vor, das heißt, sie zeigt sich als Folge einer anderen Grunderkrankung. Die häufigsten Erkrankungen, die mit Bluthochdruck einhergehen, sind in absteigender Folge:

  • chronische Niereninsuffizienz,
  • Hyperthyreose,
  • Diabetes mellitus,
  • altersbedingte Erkrankungen wie Arthrose, wenn sie mit blutdrucksteigernden Medikamenten wie Cortison oder NSAIDs behandelt werden, oder auch einfach
  • Schmerz – egal welcher Ursache (z. B. Tumore).

In der Tiermedizin wird zusätzlich noch das sog. Weißkittelsyndrom (Weißkittelhypertension, White-Coat-Effekt) berücksichtigt, welches durch die Aufregung in der fremden Umgebung der Praxis und durch das Handling durch das Personal ausgelöst wird. Durch diese Stressfaktoren kann es bei Katzen zu einer physiologischen Erhöhung des Blutdrucks auf über 200 mmHg kommen.

An dieser Stelle ist die TFA die wichtigste Unterstützung für die korrekte Diagnose, nur wenn katzenfreundliches Handling beherrscht wird, können die Blutdruckmessungen aussagekräftig sein.

Pathologische Folgen des Bluthochdrucks

Der Blutdruck wird über die Herzaktion von Kontraktion (Systole) und Entspannung (Diastole) und die Spannung in den Gefäßen aufgebaut. Ein gesunder Blutdruck ist verantwortlich für das reibungslose Funktionieren aller Organe – nur mit korrektem Blutdruck werden sie durchspült, mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, erhalten über Botenstoffe, die heran- und weggeschwemmt werden, Arbeitsaufträge, die das Leben und Überleben (Gefahrensituationen) grundsätzlich sichern. Führen wir uns das vor Augen, so erscheint es uns heutzutage nahezu unverständlich, dass die Kontrolle des Blutdrucks nicht schon immer zur allgemeinen Vorsorge gehörte.

Verändert sich der Blutdruck dauerhaft, können die Organe ihre wichtigen Funktionen nicht mehr erfüllen, und je nachdem, wo sich die Schädigung als erstes manifestiert, treten entsprechende Ausfallerscheinungen auf. Die Organe, die am empfindlichsten auf einen veränderten Blutdruck reagieren, sind die Nieren, das Herz, die Augen und das Gehirn.

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Niere

Die häufigste Ursache für Bluthochdruck ist die chronische Niereninsuffizienz (CNI). Die Niere nimmt bei diesem Zusammenspiel eine Sonderfunktion ein, da sie sich mit dem Herzen die Kontrolle des Blutdrucks teilt. Sie ist mitverantwortlich, dass das Blutvolumen, welches durch den Körper zirkuliert, für die Versorgung der Organe ausreicht. Steigt nun der Blutdruck unverhältnismäßig über einen längeren Zeitraum an, so werden die feinen Regulationsstrukturen wie die Nierenglomeruli geschädigt und erfüllen ihre Filtrationsaufgabe nicht mehr – wir sprechen dann von Niereninsuffizienz. Gleichzeitig führt die Zerstörung dieser feinen Arbeitseinheiten der Niere wiederum zum Versagen bei der allgemeinen Aufgabe der Nieren, den Blutdruck konstant zu halten.

Das heißt: Hoher Blutdruck führt zur chronischen Niereninsuffizienz (CNI) und CNI wiederum führt zu hohem Blutdruck.

Herz

Über 70 % der Katzen mit Bluthochdruck leiden an sekundären Veränderungen am Herzen. Bei ständigem Bluthochdruck muss das Herz gegen einen erhöhten Gefäßwiderstand arbeiten, sodass es bei vielen Katzen zu einer Verdickung des linken Herzmuskels kommt (konzentrische Linksherzhypertrophie), dadurch wird das Kammervolumen kleiner, es passt also weniger Blut in die Kammer. Da das Herz dem Kreislauf jedoch ausreichend Blut zur Verfügung stellen muss, versucht es seine Leistung zu steigern. Es schlägt immer schneller (Tachykardie) und gerät dabei immer häufiger aus dem Rhythmus (Arrhythmie). Das führt auf Dauer zu einer immer schwächeren Herzleistung bis hin zum plötzlichen Herzversagen.

Hyperthyreose

Über 20 % der Katzen mit einer Überfunktion der Schilddrüse leiden an Bluthochdruck (siehe hier). Schilddrüsenhormone (vorwiegend T3) beeinflussen die Kontraktionskraft und erhöhen die Schlagfrequenz des Herzens (positiv inotrop und chronotrop, bei hyperthyreoten Katzen finden wir häufig eine Herzfrequenz von > 200 mmHg). Zusätzlich nehmen sie Einfluss auf die Spannung der Gefäße und auf die Viskosität des Blutes, sodass als Folge der Blutdruck ansteigt.

Diabetes mellitus

Nach aktuellen Studien leidet jede zweite Katze mit Blutzucker auch an Bluthochdruck, allerdings fällt dieser Anstieg in der Regel moderat aus. Das ist anders als beim Menschen, hier ist der Diabetes ein anerkannter Risikofaktor. Da Katzen mit Diabetes auch häufig an CNI leiden, ist es hier sehr schwierig, einen direkten Zusammenhang aufzustellen, allerdings leiden Katzen mit Diabetes und Bluthochdruck eher an Augenschäden als ohne Hypertonie.

Im weiteren Training sollte die Tür immer offenstehen, damit die Katze jederzeit wieder aussteigen kann.

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Symptome bei Bluthochdruck

Das häufigste Symptom, mit dem an Bluthochdruck leidende Katzen in der Praxis vorgestellt werden, ist plötzliche Blindheit. Das Auge reagiert am empfindlichsten auf Bluthochdruck. Schon bei einem Druck ab 160 mmHg kommt es zu Schäden am Auge. Wir beobachten Einblutungen (Hyphäma, siehe Bildergalerie), Pupillenerweiterung (Mydriasis) oder unterschiedliche Pupillenweiten (Anisokrie). Im Augenhintergrund finden wir gespannte Gefäße, Netzhautödeme oder gar Netzhautablösungen. Zum Glück sind nicht alle Schäden irreversibel, durch die sofortige Einleitung einer blutdrucksenkenden Therapie kann das Auge sich erholen.

Jede zweite Katze zeigt durch den hohen Blutdruck Schäden am zentralen Nervensystem (Encephalopathie). Ist der Blutdruck länger stark erhöht, kann dies zu Hirnödemen oder Hirnblutungen mit entsprechenden Ausfallerscheinungen wie unsicherem Gang (Ataxie), Zittern (Tremor), Krampfanfällen (Epilepsie), Erbrechen, Wesensveränderung (Zurückziehen, Aggressivität), Schmerz (Kopfpressen) bis hin zum plötzlichen Tod führen.

Im Notfall wird die Katze stationär aufgenommen, der Blutdruck alle vier Stunden gemessen und die Therapie so ausgerichtet, dass der Blutdruck ausreichend sinkt.

Blutdruckmessung

Eine Blutdruckmessung sollte in die normale jährliche Vorsorgeuntersuchung integriert sein. Sehr vorteilhaft ist, dass die Blutdruckmessung mit einiger Übung sehr einfach und schnell eigenständig von der TFA durchgeführt werden kann.

Zuverlässig und praxistauglich ist die Messung des systolischen Blutdrucks mittels Doppler (Doppler-Flowmeter) oder Oszillometrie (HDO = High Definition Oscillometry). Beide Techniken werden mit einer Sonde durchgeführt, die am Schwanz oder an der Vordergliedmaße angelegt werden kann, wobei sich die Vordergliedmaße tendenziell besser für die Doppler-Methode eignet und die Schwanzbasis eher für die HDO-Messung.

HDO

Die HDO-Messung erscheint Anfängern als die einfachere Methode, da hier nur eine Manschette angelegt werden muss und das Gerät auf Knopfdruck mittels einer komplizierten Technik den Blutdruck aufzeichnet und die Werte und Kurven dann auf dem PC erscheinen.

Doppler

Mit einiger Übung ist die Doppler-Methode genauso leicht, hierbei erfolgt die Messung nicht über das Gerät allein, sondern mit einer Sonde und Kopfhörern direkt durch die untersuchende Person. In unserer Praxis wenden wir die Doppler-Methode an und sind damit sehr zufrieden.

Positionierung der Katze und der Manschette

So wie wir es in einer katzenfreundlichen Praxis gewohnt sind, heißt es gerade bei der Blutdruckmessung, dass wir uns ganz nach den Wünschen der Katze richten, denn jede Aufregung kann den Blutdruck in die Höhe treiben (> 200 mmHg).

Der Blutdruck sollte genau wie beim Menschen auf Herzhöhe gemessen werden. Diese ist bei der auf der Seite liegenden Katze immer gegeben, egal ob wir die Manschette an der Vordergliedmaße anlegen oder am Schwanz. Nicht alle Katzen lieben die Seitenlage, aber wir können gleichwertig auch bei der sitzenden oder stehenden Katze den Blutdruck messen.

Die Lokalisation an der Schwanzwurzel ist bei ängstlicheren Katzen vorzuziehen, da wir nicht so dicht am Kopf manipulieren, routinierte Katzen reichen aber auch gerne das Vorderbein und nehmen die Messung sehr gelassen auf. Wichtig ist, dass wir die Beinchen sehr behutsam manipulieren, da gerade ältere Katzen häufig an Gelenkschmerzen leiden. Die aufpumpbare Manschette wird mit einem Klettverschluss über der Arterie gut fixiert, darf aber auf keinen Fall den Blutfluss abschnüren.

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Beim Dopplersystem wird nun mit der Sonde und dem Kopfhörer der Blutfluss = Puls detektiert. Dafür ist ein guter Kontakt zwischen Haut und Sonde erforderlich. Da Katzen sensibel auf Alkohol reagieren, verzichten wir darauf vollkommen und tragen ausschließlich sehr viel Kontaktgel auf – so ist es auch in der Regel nicht nötig, die Messstelle zu scheren, was bei den Katzenbesitzerinnen und -besitzern immer sehr unbeliebt ist.

Die Leitlinien der IFSM (International Society of Feline Medicine) empfehlen ausdrücklich Kopfhörer, damit die Katzen durch die Geräusche des Messgerätes nicht verstört werden. Erfahrungsgemäß wird mit einiger Übung der pulsatile Blutfluss sehr schnell gefunden. Wichtig ist es, die Sonde ohne Druck auf das Gefäß zu legen, da sonst der Blutfluss unterdrückt wird und nicht mehr zu hören ist. Zu Beginn ist es ratsam, die Blutdruckmessung an Katzen zu üben, die operationsbedingt in Narkose liegen.

Vermeidung des White-Coat-Effekts – die katzenfreundliche Praxis

Wir gehen davon aus, dass Katzenbesitzerinnen und –besitzer durch Aufklärung bei vorherigen Besuchen wissen, wie eine Katze zuhause ohne Stress in den adäquaten Transportkorb zu setzen ist (gezieltes Training von klein auf, siehe Tipps dazu auch unter dem Stichwort „Katzenkorbtraining“ auf tfa-wissen.de) und wie der Transport im Auto so angenehm wie möglich zu gestalten ist: mit einer mit Pheromonen (z. B. Feliway®) besprühten Decke zum Einkuscheln im Korb (keine Katze reist gerne auf nacktem Boden) und einer Decke zum Abdecken des Korbs, um Geborgenheit zu vermitteln. Und wir setzen auch voraus, dass die Praxis katzenfreundlich ausgestattet und organisiert ist. Trotzdem bleibt der Besuch in der Praxis für unsere Samtpfoten ein Abenteuer und so müssen wir uns in der Behandlungssituation extrem bemühen, keinen Stress aufkommen zu lassen. So kann die Anwesenheit der Besitzerin oder des Besitzers für manche Katzen sehr beruhigend wirken und die erfahrene, geschulte TFA sorgt mit ihrem besonnenen, sanften Verhalten dafür, dass die Katze mit uns kooperiert.

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Auch sollte den Katzen ausreichend Zeit gegeben werden, sich mit der Umgebung und den Anwesenden vertraut zu machen – manche inspizieren gerne den Raum, andere beobachten die Situation erst aus dem sicheren Korb heraus, bevor sie sich entscheiden, herauszukommen und zu uns Kontakt aufzunehmen.

Wird die Katze in der katzenfreundlichen Transportbox mit abnehmbarem Oberteil gebracht, so darf sie auch gerne im Bodenteil sitzen bleiben und die Blutdruckmessung wird sicher am Schwanz durchgeführt.

Es ist von entscheidender Bedeutung, die Katze so wenig wie möglich zu fixieren. Sollte sie doch unruhig werden, so unterbrechen wir den Messvorgang so lange, bis die Katze wieder zur Ruhe gekommen ist. Es ist immer wieder erstaunlich, wie gut unsere Katzen auf sanftes Zureden und Streicheln positiv reagieren. Wir arbeiten nie mit Zwangsmaßnahmen! Ist die Katze entspannt und reicht uns vertrauensvoll die Pfote, so sind die Messungen schnell vollzogen und aussagekräftig.

Vor der eigentlichen Messung sollte die Manschette einige Male aufgepumpt und abgelassen werden, damit die Katze sich an das Druckgefühl gewöhnt. Die erste Messung wird in der Regel verworfen, dann werden idealerweise 5–7 Messungen durchgeführt und aufgezeichnet. Diese Messwerte sollten eine Schwankungsbreite von unter 20 % aufweisen. Aus diesen Messwerten wird der Mittelwert errechnet, der als verbindlicher Wert für den Blutdruck gilt. Wichtig ist, dass jede nachfolgende Kontrolluntersuchung unter gleichen Bedingungen durchgeführt wird. Deswegen ist die Dokumentation des Messortes (Pfote oder Schwanz) auch sehr wichtig, da nachgewiesen wurde, dass je nach Ort der Messung unterschiedliche Drücke gemessen werden.

Routinemäßige Behandlung der Hypertonie

Wie schon zu Beginn ausgeführt, ist die feline Hypertonie in der Regel sekundärer Natur und es ist grundsätzlich immer die zugrunde liegende Grunderkrankung (CNI, Hyperthyreose ...) zu ermitteln und zu behandeln.

Zusätzlich ist jedoch immer die Behandlung des Bluthochdrucks erforderlich, um weitere Organschäden zu vermeiden und den Gesundheitszustand der Katze zu verbessern. Ziel ist es, bei Erst-Hochdruckpatienten zumindest einen Blutdruck unter 160 mmHg zu erreichen. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei einem Blutdruck unter 150 mmHg die  wenigsten Folge-Organschäden zu erwarten sind (siehe Tabelle). Deswegen ist die Therapie darauf auszurichten, langfristig diesen Wert zu erreichen und zu halten. Der Wert bei der gesunden Katze liegt zwischen 120 bis max. 140 mmHg.

Der Wirkstoff der Wahl zur Behandlung der Hypertonie ist aktuell der Kalziumkanalblocker Amlodipin(besilat), der für Katzen zugelassen ist (Amodip®). Mit diesem Wirkstoff wird eine Senkung von 30–70 mmHg erreicht und bei 60–100 % der Katzen reicht er als Monotherapie aus. Bei einer durchgängigen Überwachung des Blutdrucks treten keine Komplikationen auf.


Kann die Behandlung mit Amlodipin allein den Blutdruck nicht ausreichend absenken, so müssen weitere Medikamente – je nach vorliegender Begleit- oder Grunderkrankung – eingesetzt werden (z. B. ACE-Hemmer, Beta-Blocker, Spironolacton …). Diese Wirkstoffe werden üblicherweise in Kombination mit Amlodipin bis zum Wirkungseintritt titrierend eingesetzt.

Merke!

Bei niedrigem Blutdruck reagiert der Körper sehr schnell, einfaches Beispiel ist die spürbare Leistungsschwäche und Müdigkeit oder der Kollaps. Bei zu hohem Blutdruck reagiert der Körper sehr verzögert, d. h. dementsprechend wird er erst erkannt, wenn die Schäden nicht mehr zu übersehen sind.

Merke!

  • Blutdruckmessung gehört mit zur jährlichen Vorsorgeuntersuchung.
  • Blutdruckmessung ist einfach und kann leicht von der Tiermedizinischen Fachangestellten durchgeführt werden.
  • Hypertonie ist vermeidbar und gut behandelbar.
  • Die hypertone Katze ist engmaschig zu kontrollieren, auch wenn sich nach medikamentöser Therapie der Blutdruck wieder im Normbereich bewegt.

Blutdruckmessung – wann und wie oft?

  • Experten empfehlen, bei Katzen schon ab einem Alter von 3–6 Jahren regelmäßig den Blutdruck alle zwölf Monate zu kontrollieren. Das ermöglicht, die individuellen Normalwerte zu erfassen und stellt ein gutes Training für die Zukunft dar.
  • Bei gesunden älteren Katzen von 7–10 Jahren können jährliche Kontrollen ausreichend sein.
  • Bei geriatrischen Katzen älter als zehn Jahre sind allerdings Messungen alle sechs Monate sicherer. Ähnlich wie beim Menschen wurde erforscht, dass mit zunehmendem Alter der Blutdruck pro Jahr um 2 mmHg steigt. Deswegen bewegt sich der Blutdruck bei älteren Katzen auch immer eher im höheren Normbereich.
  • Da Tiere in kürzeren Zeitdimensionen viel stärker körperlich altern als wir, werden auch die empfohlenen kürzeren Abstände von sechs Monaten zwischen den Kontrollen verständlich.
  • Das wichtigste Argument, ältere Katzen engmaschig zu kontrollieren ist, dass sie sehr häufig an Erkrankungen leiden, die Bluthochdruck auslösen (wie z. B. sekundäre Hypertonie aufgrund von chronischer Niereninsuffizienz). Bei den Katzen mit diesen Risikofaktoren kann es durchaus notwendig sein, alle drei Monate zu kontrollieren, um weitere Organschäden einzudämmen.

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Über die Autorin

Dr. med. vet. Gabriele Rummel ist Tierärztin in eigener Praxis in Nidderau. Ihr besonderes Interesse gilt den Erkrankungen der Katze. Sie ist Gründungs- und Vorstandsmitglied der Arbeitsgruppe Katzenmedizin der DGK-DVG und der Deutschen Gruppe Katzenmedizin sowie Mitglied der International Society of Feline Medicine (ISFM). Ihre Praxis ist als „cat friendly practice“ durch die ISFM zertifiziert.

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