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Hundeleben 9. März 2024

Brachyzephale Rassen leben kürzer

Ein direkter Rassenvergleich zeigt deutlich, dass kurzköpfige Hunderassen eine wesentlich geringere Lebenserwartung haben als ihre langnasigen Artgenossen.

Englische und Französische Bulldoggen gehören zu den Verlierern der Lebenslotterie: Jeder zweite Rassevertreter wird keine 10 Jahre alt.
Englische und Französische Bulldoggen gehören zu den Verlierern der Lebenslotterie: Jeder zweite Rassevertreter wird keine 10 Jahre alt.

Bis dass der Tod uns scheidet. Dieser häufig bei Eheversprechen formulierter Satz trifft ebenfalls auf Hunde und ihre Besitzer zu. Die meisten Mensch-Hund-Paare schließen ein Bündnis auf Lebenszeit. Doch wie schnell Hundehalter die meist schmerzhafte „Scheidung“ durch das Versterben des Vierbeiners ereilt, wird maßgeblich von der Rasse des Hundes bestimmt.

Was beeinflusst die Lebenserwartung?

In einer aktuellen Studie wurde die Lebenserwartung von britischen Hunden untersucht. Die Grundlage der umfassenden Untersuchung bildeten die Daten von 584.734 Hunden (davon waren 284.734 verstorben), welche die Forscher von Tierschutzorganisationen, Tierversicherern, aus tiermedizinischen Einrichtungen und aus Zuchtregistern erhielten. Neben der Hunderasse wurden die Körpergröße, das Geschlecht und der Kopfindex (Verhältnis Kopfbreite zu Kopflänge) in die Beurteilung eingeschlossen.

Die durchschnittliche Lebenswartung aller Hunde lag bei 12,5 Jahren – gar nicht mal so übel. Betrachtet man die einzelnen Kennzeichen, die das Alter von Hunden beeinflussen, zeigen sich allerdings Unterschiede in der durchschnittlichen Lebenserwartung auf.

  • Körpergröße: Kleine Hunde leben mit 12,7 Jahren am längsten (mittelgroße Hunde 12,5 Jahre; große Hunde 11,9 Jahre).
  • Geschlecht: Hündinnen werden mit 12,7 Jahren etwas älter als Rüden (12,4 Jahre).
  • Kopfindex: Brachyzephale Rassen haben mit 11,2 Jahren die kürzeste Lebensspanne (mesozephale Rassen 12,8 Jahre; dolichozephale Rassen 12,1 Jahre).
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Popularität von Qualzuchten nimmt stetig zu
Zwei Studien zeigen, wie eng die Beziehung von Besitzern zu ihren brachyzephalen Hunden ist. Ihre Beliebtheit wächst, trotz verbreiteten Wissens über Qualzucht und deren Probleme.

Kurze Nase, kurzes Leben


Top Job:


Kurzköpfige (brachyzephale) Rassen ziehen im Vergleich zu ihren Artgenossen mit mittellangen (mesozephal) oder langen (dolichozephal) Köpfen im wahrsten Sinne den Kürzeren in der Lebenslotterie. Im direkten Rassenvergleich schneiden vor allem Bulldoggen, Mastiffs und Französische Bulldoggen besonders schlecht ab: Von den genannten Rassen verstirbt die Hälfte aller Rassevertreter vor ihrem 10. Geburtstag. Hunderassen mit normal geformten Schädeln, wie der Border Collie oder Labrador Retriever, erreichen im Durchschnitt das 13. Lebensjahr.

Schlechte Zuchtpraktiken verstärken den bereits negativen Effekt

Eine ernüchternde Bilanz, die laut den Autoren wahrscheinlich auf die sprunghaft angestiegene Popularität brachyzephaler Hunderassen zurückzuführen ist. Tatsache ist, dass sich der herausgezüchtete Niedlichkeitsfaktor, der bei kurzköpfigen und plattnasigen Hunden zum Vorschein kommt, einer großen Beliebtheit erfreut. Dem gegenüber stehen die gesundheitlichen Beeinträchtigungen, mit denen die Tiere seit Beginn ihres Lebens umgehen müssen. Von der hohen Nachfrage nach bestimmten Hunderassen profitieren auch unseriöse „Züchter“ mit unangemessenen Zuchtpraktiken (sogenannte Vermehrer). Bei bereits gesundheitlich und körperlich eingeschränkten Rassen kann sich dieser Effekt dadurch noch verstärken – und mit Tierwohl hat das nichts mehr zu tun. Dieser Umstand spiegelt sich unterm Strich in der Lebenserwartung betroffener Rassen wider. (Lydia van Dyck)

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