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Arbeiten im Team

Chef und TFA als Führungsteam

Wie kann die Tiermedizin den strukturellen Anschluss halten und sich behaupten? Eine Lösung besteht in der engen Zusammenarbeit von Tierarzt und Führungskraft. Hier liegt Ihre Chance.

Inhaltsverzeichnis

Von Constantin Wenning

Die Menge an zu bewältigenden Aufgaben in einer tiermedizinischen Einrichtung ist hoch und wird immer noch unterschätzt. Um einen gewissen Qualitätsstandard zu erreichen und zu halten, ist ein Delegieren von Tätigkeiten unabdingbar.

Hier kommt die TFA ins Spiel: Sie kennen die Abläufe und können durch Zusatzqualifikationen als Schnittstellen-Expertin agieren. Sie können die assistierenden Tätigkeiten aus medizinischer Sicht mit Personalfragen (z. B. Ausbildung und Anleitung) und Wirtschaftlichkeit (z. B. Buchführung und Apotheke) verbinden. IHK-Zusatzqualifikationen, Zertifikate, Studien an Fernuniversitäten oder Online Kurse helfen, entsprechendes Expertenwissen aufzubauen.

Angst vor Kompetenzverlust

Studien haben gezeigt, dass Unternehmer in Deutschland sich scheuen, den mittleren Führungsschichten zu viele Kompetenzen zuzusprechen. Gründe hierfür sind unter anderem Angst vor Kompetenzverlust sowie vor klarer Kommunikation. Die Unternehmenskultur, und damit auch die Dynamik des Teams, sind hiervon unangetastet.

Inzwischen ist ein struktureller Wandel in der Branche zu verzeichnen: Kluge Inhaber stellen ihre Praxis oder Klinik strategisch auf und verteilen die Führungsaufgaben. Wo ist Ihre Chance, wie können Sie am Wandel teilhaben?

Häufig hört man von Unternehmern in der Tiermedizin, Führung und Management erledige sich „nebenbei“. Führung ist jedoch keine Nebentätigkeit, neben der „eigentlichen Arbeit“, der tiermedizinischen Fachtätigkeit. Das wird vielen Chefinnen und Chefs jedoch erst klar, wenn der Supergau eingetreten ist – und engagierte Mitarbeiterinnen die Praxis verlassen. Dabei hätten durch kompetentes Führen – zum Beispiel durch Mitarbeitermotivation – soziale und wirtschaftliche Ziele erreicht werden können.

Tipp: Nutzen Sie Ihre Vorbildfunktion. Zeigen Sie, dass Sie andere Mitarbeiter mit ins Boot holen können und so dem Chef zuarbeiten. So unterstreichen Sie Ihre Loyalität und bringen Unternehmenskultur ins Team.

Wertigkeit von Mitarbeiterführung

Führung sollte durch den Praxisinhaber als eigenes Thema berücksichtigt werden – und die gleiche Wertigkeit erhalten wie Chirurgie oder Buchhaltung. Folgende Fragen sollten sich Unternehmer stellen und bestenfalls beantworten:

  • Wie funktioniert im Jahr 2020 das Zusammenspiel zwischen Angestellten und Chef?
  • Was ist Organisationskultur? Wie tickt mein Laden?
  • Wer unterstützt mich in Führungsfragen? Was und wer treibt den Betrieb an?
  • Wo beziehe ich Fachwissen her?

Tipp: Sprechen Sie Ihren Chef aktiv auf Missstände an – natürlich in einem angemessenen Rahmen. Geben Sie ihm Hinweise, wo Dinge im Team nicht gut angekommen sind. Steuern Sie als Führungskraft mit hochwertigen Fortbildungen Wissen bei.

Rollen klar definieren

Führung ist die psychologische und soziale Fähigkeit einer Person im Umgang mit anderen Menschen. Diese Skills haben nicht alle Unternehmer in die Wiege gelegt bekommen. Vielleicht besitzen Sie die notwendige Empathie und können Kolleginnen und Kollegen mitreißen?

Auch andere Rollen müssen mit der entsprechenden Befähigung von „oben“ zum Wohle der Praxis erledigt werden. Neben Typen wie Moderator, Integrator und Schiedsrichter ist es der Navigator und obendrein der Entscheider, der das Schicksal eines Betriebs oder einer Praxis festlegt.

Tipp: Es gibt Firmen, die im Bereich Teamarchitektur Lösungen anbieten – zum Teil sogar digital. So können Lebensmotive von Menschen verstanden werden und Personen an den richtigen Stellen im Unternehmen eingesetzt werden.

Instrumente sinnvoll nutzen

In Sachen Unternehmensführung gibt es kein Allheilmittel. Jede Praxis ist anders und niemand kann einen „Standard“ aus dem Methodenkoffer zaubern. Vielmehr gilt es, gewisse Themen in den Alltag aufzunehmen.

Richtig kommunizieren: Egal, ob kleiner oder großer Betrieb – der größte Fehlerfaktor ist der Mensch. Sei es die Unfähigkeit in der angebrachten und benötigten Art und Weise zu kommunizieren, oder das richtige Medium zu wählen. So ist z. B. eine Textnachricht problematisch, da der Sachinhalt mit der entsprechenden Emotion verknüpft sein muss, um seine gewünschte Wirkung zu erzielen. Auch gilt es zu filtern, welche Informationen wichtig für das Gegenüber sind und welche nicht, um Teammitglieder nicht mit Informationen zuzuschütten.

Richtig entscheiden: Angenommen, ein Betrieb hat die benötigte Hierarchie und Ordnung. Egal ob Chef oder Führungskraft – wie entscheiden wir richtig? Welche Informationen benötige ich für meine Entscheidung? Und in welchem Rahmen darf und kann ich entscheiden? Hier gilt es von vornherein die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Um eine Entscheidung adäquat fällen zu können, braucht es Daten und Fakten, keine Emotionen.

Sich selbst auf den Prüfstand stellen: Die regelmäßige Überprüfung der eigenen Leistungen und Qualität ist unabdingbar. Sei es der Einzelne, die Abteilung oder die gesamte Praxis. Wichtig sind messbare Zahlen: Feedback vom Kunden, Zahlen über Wundkomplikationen und natürlich Umsatz. Nur anhand von logisch erarbeiteter Reflexion kann ich mich und mein Umfeld weiterentwickeln.

Die Zeit managen: Immer wieder ist die allgemein vorgeschobene Entschuldigung zur Erklärung von Versäumnissen aller Art zu hören: „Dafür war keine Zeit.“ Durch Übersichten über die Vorgänge in der Praxis, der offenen Aufgaben und deren Priorität schaffen Sie sich Zeit!

Die Frage lautet eher, ob Sie sich selbst kennen, akzeptieren und führen können. Und ob Sie sich für gewisse Dinge Zeit nehmen möchten.

Mehr Infos: Sie möchten wissen, wie Sie sich in der Praxis oder Klinik positionieren können? Dann nehmen Sie Kontakt zum Autor auf. Dort erhalten Sie kostenlosen Input.

Über den Autor

Constantin Wenning unterrichtet als erfahrener Klinikmanager in Seminaren und Fortbildungen Tierärzte und Tiermedizinische Fachangestellte.

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