Foto: Annemarie Baur-Kaufhold

(K)Eine Kunst

Der perfekte Blutausstrich

Es gibt unterschiedliche Gründe und Fragestellungen, warum man einen Blutausstrich anfertigen und beurteilen sollte. In den meisten Fällen geschieht die Beurteilung zusätzlich zur Geräteanalyse. Wir geben Tipps, damit der Blutausstrich gelingt.

Inhaltsverzeichnis

Moderne Analysegeräte sind auf einem hohen technischen Standard. Es gibt jedoch immer wieder Situationen, in denen sie messtechnischen Einschränkungen unterliegen, die eine mikroskopische Bewertung notwendig machen. Hierzu gehören u. a.:

  • Thrombozytenaggregate
  • Normoblasten (kernhaltige Erythrozytenvorläufer)
  • atypische Zellen (z. B. bei Leukämien, Lymphomen)
  • Agglutination von Erythrozyten (z. B. bei immunmediierten hämolytischen Anämien)
  • Lipämie
  • Hämolyse in vitro („im Probengefäß“)
  • Erythrozytenformveränderungen
  • Verdacht auf Linksverschiebung der Granulozyten

Was benötige ich für einen Blutausstrich?

Neben dem Patientenblut benötigt man Handschuhe, Objektträger, ggf. ein Deckgläschen, einen Bleistift und, wenn möglich, eine Pipette. Wichtig ist, dass das Blut antikoaguliert (gerinnungsgehemmt) ist. Am besten eignet sich EDTA- oder Citratblut; bei sehr geringen Blutmengen oder bei Reptilien kann auch Lithium-Heparinblut (LiHeparinblut) verwendet werden. LiHeparin kann jedoch zu Artefakten im Ausstrich führen, weshalb man möglichst darauf verzichten sollte. Vollblut für Serum oder Reste aus der Entnahmekanüle dürfen nicht verwendet werden, da Gerinnsel die Beurteilung unmöglich machen können.

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Es gibt verschiedene Arten von Objektträgern – mit und ohne mattem Rand. Vorteil bei Mattrand­objektträgern ist, dass sie sich gut beschriften lassen. Allgemein sollten die Objektträger entfettet und gut geschliffen sein. Ein unsauberer, splitternder Schliff stört beim Ausstrich und kann Schlieren hinterlassen, zudem birgt er ein gewisses Verletzungsrisiko.

Eine Pipette ist nicht zwingend nötig. Wenn keine vorhanden ist, geht es auch mit einem Mikro­hämatokritröhrchen oder einer frischen Spritze mit Kanüle. Wichtig ist, dass man das Blut „zärtlich“ aus dem Hämatokritröhrchen oder der Kanüle laufen lässt und nicht durch „herausklopfen“ die Zellen zerstört.

Auch ein Bleistift zum Beschriften ist kein Muss, hat aber den Vorteil, dass er weder wasser- noch alkohollöslich ist. Diese Eigenschaft ist beim Färben mit alkoholhaltigen Lösungen wichtig, da die Beschriftung sonst ganz schnell verschwindet.

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Wie macht man einen Blutausstrich?

Das entnommene Blut sollte möglichst frisch ausgestrichen werden. Das bedeutet im Optimalfall direkt nach der Blutentnahme. Wenn das nicht sofort möglich ist, das Blut im Kühlschrank lagern und vor dem Ausstreichen auf Raumtemperatur aufwärmen (das kann man zum Beispiel in der Hand machen). Wichtig ist, dass das Blut vor dem Ausstreichen mindestens zehnmal geschwenkt (nicht geschüttelt!) und somit gut vermischt wird, denn beim „Stehenlassen“ trennen sich die Blutbestandteile auf (Erythrozyten unten, Leukozyten und Thrombozyten in der Mitte, Plasma ganz oben). Wie es genau weitergeht, lesen Sie in unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung auf den nächsten Seiten.

Tipps und Tricks

Einen guten, auswertbaren Blutausstrich zu machen ist reine Übungssache, ob es (k)eine Kunst ist, liegt im Auge des Betrachters. Hier ein paar Lösungsansätze für häufige Probleme:

Der Blutausstrich sieht nicht wie eine Zunge aus, er ist von vorne bis hinten gleich dick und geht über den Rand hinaus. Wieso?

Vermutlich war der Blutstropfen bzw. das Blutvolumen zu groß. Mit weniger Blut sollte es besser klappen. Wenn der Ausstrich dann zu kurz ist, einfach langsam das Blutvolumen steigern. Bei anämischen Tieren (Blutarmut) mit sehr dünnem Blut ist es sinnvoll, einen kleineren Blutstropfen zu verwenden.

Es kann auch sein, dass der Ausstrichwinkel zu flach (< 45°) ist. Über den Winkel steuert man die Ausstrichlänge. Ein steiler Winkel (> 45°) bewirkt einen eher kurzen, ein flacher Winkel (< 45°) einen langen Ausstrich.

Mein Blutausstrich ist nicht homogen, sondern enthält „Stopps“ zwischen drin. Warum?

Diese „Stopps“ können verschiedene Ursachen haben. Häufig entstehen sie durch sehr langsames Ausstreichen von viel Material. Wichtig ist, beim Ausstreichen nicht abzubremsen. Wenn man einmal mit dem Ausstreichen begonnen hat, sollte man es zügig beenden.

Mein Blutausstrich ist an beiden Seiten unterschiedlich dick und enthält Schlieren. Wieso?

Sehr wahrscheinlich wurde der ausstreichende Objektträger/Deckgläschen nicht plan („eben“) auf den anderen Objektträger aufgesetzt oder die Druckverhältnisse beim Ausstreichen waren nicht gleichmäßig verteilt. Am besten setzt man den ausstreichenden Objektträger/Deckgläschen weit vor dem Blutstropfen auf und bewegt ihn hin und her. Dabei bekommt man ein Gefühl für den Druck und merkt außerdem, ob etwas knirscht. Manchmal ist der Schliff nicht ideal oder es befindet sich Dreck auf dem Objektträger. Diesen kann man versuchen wegzuwischen, oder man verwendet gleich einen Neuen zum Ausstreichen.

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Die Zellen in meinen Blutausstrichen sind kaputt. Warum?

Möglicherweise wurde mit zu viel Druck ausgestrichen. Das kann man üben, indem man mit einem Deckgläschen ausstreicht. Bei zu viel Druck bricht es ganz schnell.
Ab und zu sind aber auch die Blutzellen sehr fragil und gehen schnell kaputt (zum Beispiel bei einer Leukämie, hochgradigen Entzündung oder Anämien).

Mein Blutausstrich ist viel zu dick und zu kurz. Woran liegt das?

Es kann sein, dass der Objektträger zu steil gehalten wird. Ein flacherer Winkel führt zu einem längeren Ausstrich.

Kann ich mir irgendwo anschauen, wie man einen Ausstrich macht?

Ja. In den nächsten Wochen finden hier eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Auf YouTube gibt es außerdem einen Kurzfilm dazu: „Laboklin – Blutausstriche“:

Über die Autorin

Annemarie Baur-Kaufhold ist klinische Pathologin. Sie ist leitende Hämatologin im veterinärmedizinischen Diagnostiklabor Laboklin in Bad Kissingen.

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