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Studie

Ein Nasenspray unterbricht epileptische Anfälle

Um dauerhafte Schäden am Gehirn zu verhindern, muss beim Status epilepticus sofort eingegriffen werden. Eine aktuelle Studie hat die intranasale Applikation von Midazolam untersucht.

Von Dr. med. vet. Viola Melchers

Ein effektives Notfall-Management kann einem Hund im Status epilepticus das Leben retten. Sowohl beim Menschen als auch beim Hund werden Benzodiazepine wie Diazepam und Midazolam genutzt, um einen akuten Anfall zu unterbrechen. Schnell und effektiv ist die intravenöse Gabe von Diazepam.

Ist kein Venenzugang erreichbar, ist beim Hund die rektale Applikation von Diazepam üblich, die im Notfall auch zu Hause vom Besitzer durchgeführt werden kann.

In der Humanmedizin konnten inzwischen verschiedene Studien nachweisen, dass auch die intranasale Applikation von Midazolam effektiv und sicher ist. Eine aktuelle Studie hat diese Möglichkeit nun bei 20 Hunden erprobt und die Ergebnisse mit denen einer Kontrollgruppe mit 15 Hunden verglichen, denen Diazepam rektal verabreicht wurde.

So kommt der Wirkstoff in die Nase

Die Hunde erhielten 0,2 mg/kg einer 5 mg/ml Midazolam-Lösung. Für die Applikation wurde ein spezieller Zerstäuber verwendet, der auf eine 1- oder 3-ml-Spritze gesteckt wird und das Midazolam als feinen Nebel versprüht. Die Spitze ist weich, um Verletzungen zu vermeiden. Der Wirkstoff-Nebel wird schnell von der gut durchbluteten Nasenschleimhaut absorbiert und kann nicht wie flüssige Tropfen wieder aus der Nase fließen.

Während die Applikation des Nasensprays beim Menschen in 90 Prozent der Fälle problemlos funktioniert, gab es jedoch bei fast der Hälfte der Hunde leichte Probleme – zum Beispiel bei sehr kleinen Nasenlöchern oder einem kurzen Niesen. Das könnte potenziell zu einem Wirkstoffverlust führen, war in der Versuchsgruppe aber nicht problematisch.

Die vielleicht bessere Alternative

Das Nasenspray konnte den Anfall in 70 Prozent der Fälle innerhalb von fünf Minuten beenden. Mit rektalem Diazepam gelang dies nur bei 20 Prozent. Trotz der geringen Anzahl getesteter Hunde war das Midazolam-Nasenspray dem rektal applizierten Diazepam signifikant überlegen. Sedation und Ataxie traten bei allen behandelten Hunden auf, Probleme mit Herz oder Atmung wurden aber nicht beobachtet. Die Ergebnisse sollten noch durch eine größere Studie verifiziert werden, dennoch scheint es für den akuten Status epilepticus eine neue, effektivere Notfallmedikation zu geben. 

Über die Autorin

Als Fachjournalistin arbeitet Dr. med. vet. Viola Melchers vor allem für die Fachzeitschrift Der Praktische Tierarzt und das Portal vetline.de. Die promovierte Tierärztin schreibt über Spannendes aus der veterinärmedizinischen Praxis und Wissenschaft.

Hier finden Sie die Originalpublikation: Charalambous M et al. (2017): Intranasal Midazolam versus Rectal Diazepam for the Management of Canine Status Epilepticus: A Multicenter Randomized Parallel-Group Clinical Trial. J Vet Intern Med 31: 1149–1158.

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