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Es ist wichtig eine gute Fehlerkultur in der Tierarztpraxis zu haben: es geht nicht immer darum einen Schuldigen zu finden, sondern zukünftige Fehler zu vermeiden.

Sicherheit im OP

Fehler im OP erkennen und vermeiden

Falsches Medikament aufgezogen? Verdampfer vor der Narkose nicht neu befüllt? Fehler passieren. Sie sollten keine Schuldzuweisungen auslösen, sondern eine Suche nach der Wurzel des Problems.

Von Dr. Viola Melchers

Menschen machen Fehler. Doch in der Medizin, speziell am OP-Tisch, kann bereits ein kleines Versehen schwere Konsequenzen haben. Wie kann eine gute Fehlerkultur dabei helfen, Tiermedizin sicherer zu machen? Darüber sprach Professor Sabine Kästner in ihrem Vortrag zu Fehlerprävention in der Anästhesie auf dem DVG Vet-Congress 2020.

Jeder Fehler hat eine Vorgeschichte

Ein Fehler ist mehr als das Versagen eines Einzelnen. Er bietet die Chance, etwas zu lernen. Doch dazu müssen wir weg von der Shame-and-blame-Kultur, in der ein Schuldiger gesucht und für sein Versagen bestraft wird. Die Aufarbeitung eines kritischen Vorfalls darf sich nicht auf die Suche nach einem Schuldigen beschränken. Betroffene machen sich häufig ohnehin massive Selbstvorwürfe.

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„Fehler entstehen selten aus dem Nichts“, meint Kästner. Oftmals stecken organisatorische Probleme dahinter wie durch zu lange Arbeitszeiten erschöpfte Mitarbeiter, eine mangelhafte Einarbeitung oder schlechte Kommunikation im Team. Deshalb sollten kritische Vorfälle systematisch aufgearbeitet werden, um in der Zukunft Fehler zu vermeiden.

Häufige Fehler im OP

Diese Fehler passieren rund um eine Operation:

  • Medikation (falsche Dosis, falsches Präparat, komplett vergessen)
  • unvollständige Information (Allergie nicht bekannt)
  • fehlende Kommunikation (falsches Bein vorbereitet oder operiert)
  • mangelhafte Überprüfung oder Vorbereitung des Anästhesiegeräts (Ventile defekt, Atemkreis undicht)
  • mangelhafte Vorbereitung und fehlendes Training bei Zwischenfällen und Wiederbelebung

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Was kann ich selbst tun, um seltener Fehler zu machen?

Das modische Schlagwort ist Achtsamkeit. Auch im Stress dürfen Grundbedürfnisse wie Essen und Schlafen nicht zu kurz kommen. Wer sich selbst gut kennt, weiß, dass er zum Beispiel ohne Mittagessen am Nachmittag nicht konzentriert arbeiten kann. Darüber hinaus sollte jeder die Arbeitsumgebung und die eigenen Aufgaben gut kennen sowie sich auf eine Anästhesie angemessen vorbereiten. Grundsätzlich gilt: immer nachfragen, wenn man etwas nicht weiß.

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Unerfahrene Kollegen brauchen Unterstützung

Eine gute Ausbildung und Schulung von Mitarbeitern sind essenziell für die Fehlerprävention. Neue Team-Mitglieder oder Berufsanfänger brauchen Supervision. „Einen Fehler kann man nie allein einem unerfahrenen Kollegen anlasten“, sagt Kästner.

Kommunikation auf Augenhöhe

Im OP eine vermeintlich dumme Frage zu stellen oder gar auf einen Fehler aufmerksam zu machen, verlangt Mut und Vertrauen in das eigene Team. Kästner berichtet, dass es in der Luftfahrt Fälle gab, in denen eine Stewardess zwar früh Rauch gesehen hatte, sich aber nicht traute, den Pilot zu alarmieren. „In einem sicherheitsrelevanten Team müssen alle gleichwertig auf Fehler aufmerksam machen dürfen“, betont sie. Die Gefahr, dass die Kommunikation nicht klappt, besteht vor allem, wenn die Hierarchien steil sind oder sich in großen Kliniken die Team-Mitglieder nicht gut kennen.

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Surgical Time-out

Kästner empfiehlt einen Surgical Time-out in Anlehnung an die WHO Surgical Safety Check List. Unmittelbar bevor die Operation startet, sprechen alle Team-Mitglieder einmal laut miteinander. Als Minimum werden die Identität des Patienten, das Operationsgebiet und die Art des Eingriffs bestätigt. Spätestens jetzt müssen die Aufgaben im Team klar verteilt werden. 

Über die Autorin

Als Fachjournalistin arbeitet Dr. med. vet. Viola Melchers vor allem für die Fachzeitschrift Der Praktische Tierarzt und das Portal Vetline.de. Die promovierte Tierärztin schreibt über Spannendes aus der veterinärmedizinischen Praxis und Wissenschaft.

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