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Ahornblatt: Samen und Keimlinge des Bergahorns enthalten Hypoglycin A.

Toxin

Gift in der Kuhmilch durch Ahorn

Samen und Keimlinge des Bergahorns enthalten ein Gift, das Mensch und Tier gefährlich werden kann. Bei Pferden führt Hypoglycin A zur Atypischen Weidemyopathie. Bei Kühen lässt es sich in der Rohmilch nachweisen.

Von Dr. med. vet. Viola Melchers

Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und des Leibniz-Instituts für Pflanzenbiochemie (IPB) haben Hypoglycin A in der Milch von Kühen nachgewiesen, die auf einer Weide mit Bergahorn grasten.

Das Gift kommt in unreifen Akee- und Litschi-Früchten vor und ist in den Samen und einblättrigen Keimlingen einiger Ahorn-Bäume enthalten. Dazu gehört der in Europa weit verbreitete Bergahorn. Von Oktober bis März ist das Risiko für Weidetiere am größten: im Herbst findet sich das Toxin in den Samen, im frühen Frühjahr in den jungen Keimlingen.

Neuer Therapieansatz bei Vergiftungspatienten

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Atypische Weidemyopathie beim Pferd

Vom Pferden ist bekannt, dass sie Keimlinge und Samen von Ahornbäumen fressen. Erst 2013 wurde nachgewiesen, dass das Ahorn-Gift für die bis dato rätselhafte Atypische Myopahtie bei Weidepferden verantwortlich ist. Vergiftete Pferde können innerhalb von 72 Stunden versterben. Erste Anzeichen einer Hypoglycin-A-Vergiftung beim Pferd sind Zittern, Schwitzen, steifer Gang, kolikähnliche Schmerzen, Atembeschwerden und verfärbter Urin. Dann ist eine schnelle Therapie mit kreislauf- und elektrolytstabilisierenden Infusionen, Aktivkohle und harntreibenden Mitteln entscheidend.

Fälle von Atypischer Myopathie beim Pferd können hier europaweit der Atypical Myopathy Alert Group gemeldet werden.

Hypoglycin-A-Vergiftung: schwere Erkrankungen beim Menschen

In Indien war Hypoglycin A für den plötzlichen Tod mehrerer Hundert Kinder verantwortlich, die zuvor viele Litschis gegessen hatten. "Die Substanz stört den Energiestoffwechsel im Körper. Ein typisches Symptom beim Menschen ist ein sehr niedriger Blutzuckerspiegel", sagt Prof. Dr. Annette Zeyner vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der MLU.

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Auf der Weide können auch Kühe Ahornsamen und -keimlinge aufnehmen.

Hypoglycin A in der Kuhmilch

Zeyner hatte den Verdacht, dass Kühe in Weidehaltung ähnlich wie Pferde Ahornsamen und -keimlinge aufnehmen. Daher untersuchten die Forscher Milchproben von Kühen in Norddeutschland mittels Massenspektrometrie auf Hypoglycin A. Analysiert wurden Sammelproben aus Milchtanks und Abfüllstationen.

Das Ergebnis: "Wir haben Hypoglycin A nur in den Rohmilchproben des Betriebs gefunden, auf dessen Weide ein Ahornbaum stand", so Zeyner. Die Konzentration der Substanz lag bei 17 und 69 Mikrogramm pro Liter Milch. "Das sind geringe und sehr unterschiedliche Konzentrationen. Wenn man aber bedenkt, dass auf der Weide nur ein einziger Baum stand und die Proben aus einem Sammeltank stammten, war es für uns überraschend, überhaupt etwas nachweisen zu können", erläutert Zeyner. In den anderen Proben ließ sich das Gift dagegen nicht nachweisen.

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Noch ist unklar, wieviel Gift Kühe aufnehmen müssen, damit nachweisbare Konzentrationen in die Milch gelangen. Auch ob die Substanz bei der standardmäßigen Bearbeitung der Milch zerstört wird und ob die geringe Konzentration überhaupt Grund zur Besorgnis gibt, muss in Folgestudien noch untersucht werden.

Über die Autorin

Als Fachjournalistin arbeitet Dr. med. vet. Viola Melchers vor allem für die Fachzeitschrift Der Praktische Tierarzt und das Portal Vetline.de. Die promovierte Tierärztin schreibt über Spannendes aus der veterinärmedizinischen Praxis und Wissenschaft.

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