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Durch Umweltgifte stark bedroht: der Rotmilan (Milvus milvus)

Umweltgifte

Greifvogel-Bestände im Sinkflug

Pflanzenschutzmittel, Human- und Veterinärarzneimittel sowie Nagetiergifte (Rodentizide) führen zu toxischen Effekten bei Wildtieren. Davon betroffen sind auch heimische Greifvögel wie Rotmilan, Habicht und Seeadler.

Durch fortschreitende Verstädterung, zunehmende Intensivierung der Agrarlandschaft, massiven Rückgang der Insektenpopulationen sowie den Eintrag von Stoffen in die Umwelt gehen die Vogelbestände in Europa massiv zurück. „Es ist bekannt, dass Greifvögel besonders empfindlich auf Schadstoffe reagieren, die sich in den Körpern akkumulieren“, sagt Dr. Oliver Krone, Greifvogelspezialist vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Abteilung für Wildtierkrankheiten. Gemeinsam mit Alexander Badry vom Leibniz-IZW und den Kollegen Dr. Detlef Schenke vom Julius-Kühn-Institut und Gabriele Treu vom des Umweltbundesamt analysierte er, welche Substanzen in verstorbenen Rotmilanen (Milvus milvus), Habichten (Accipiter gentilis), Sperbern (Accipiter nisus), Seeadlern (Haliaeetus albicilla) und Fischadlern (Pandion haliaetus) nachweisbar sind.

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Aasfresser besonders gefährdet

Greifvögel mit Aas als Bestandteil ihres Nahrungsspektrums haben ein hohes Risiko, mit Nagetiergiften in Kontakt zu kommen. Der Einsatz von Rodentiziden ist allerdings keineswegs nur auf die landwirtschaftliche Anwendung in Ställen oder zur Feldmausbekämpfung beschränkt. Sowohl in forstwirtschaftlichen Nutzflächen als auch in Städten und Kanalisationen werden häufig Rodentizide zur Bekämpfung von Nagetierpopulationen eingesetzt. Die Akkumulation der Giftstoffe erfolgt langsam und erstreckt sich häufig über das gesamte Leben eines Individuums, weshalb erwachsene Vögel öfter nachweisbare Mengen der Substanzen in der Leber aufweisen als Jungvögel.

„Wir fanden Rodentizid-Rückstände im Lebergewebe von mehr als 80 Prozent der untersuchten Habichte und Rotmilane“, sagt Alexander Badry. Traurige Bilanz: Insgesamt überschritten 18 Prozent der Habichte und 14 Prozent der Rotmilane den Schwellenwert von 200 ng/g Körpergewicht für akute Vergiftungen, was vermutlich zu sinkenden Überlebensraten von Rotmilanen in Deutschland beiträgt. „Bei Seeadlern fanden wir in fast 40 Prozent unserer Proben Rodentizide in niedrigeren Konzentrationen, während die Akkumulation bei Sperbern und Fischadlern gering oder gleich null war.“ Insgesamt wiesen mehr als 50 Prozent der Vögel Rodentizide in ihrem Lebergewebe auf, in etwa 30 Prozent fanden die Wissenschaftler mehr als eines der insgesamt sechs nachgewiesenen Rodentizide.

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Rückstände von Arzneimitteln und Pestiziden

Neben Rodentiziden wiesen die Wissenschaftler auch Arzneistoffe wie Ibuprofen (14,3 %) oder Fluorchinolon-Antibiotika (2,3 %) in tot aufgefundenen Vögeln, insbesondere Seeadlern und Habichten, nach. Auch hier wurden die Substanzen, die sich zunächst im Abwasser ansammelten, wohl über Beutetiere wie Fische aufgenommen. Unter den Pflanzenschutzmitteln konnte in zwei Rotmilanen das bis 2019 zugelassene Insektizid Dimethoat und dessen Metabolit Omethoat nachgewiesen werden, in zwei weiteren Rotmilanen das bis 2021 zugelassene Neonicotinoid Thiacloprid.

Rodentizide in der Nahrungskette

Die Analysen zeigen deutlich, dass insbesondere Rodentizide und vorsätzliche Vergiftungen eine Bedrohung für Greifvögel darstellen. Dies gilt sowohl für Aasfresser als auch für Greifvögel, die in oder in der Nähe von städtischen Lebensräumen leben. Die Ergebnisse zeigen außerdem: Der Weg der Rodentizide über die Nahrungskette und deren Toxizität für Greifvögel muss neu bewertet werden. Darüber hinaus erfordern die bei Seeadlern nachgewiesenen Konzentrationen von Nagetiergiften weitere Untersuchungen zu den Quellen und Verteilungsmechanismen dieser Substanzen in der Umwelt, denn Nagetiere gehören nicht zum klassischen Nahrungsspektrum des Seeadlers. (RED)

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