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Fledermausschutz

Hilfe für Fledermäuse

Die Jäger der Nacht gehören zu den gefährdeten Arten und kämpfen mit vielen Gefahren. Was tun, wenn ein Tier in die Praxis gebracht wird?

Inhaltsverzeichnis

Von Dr. med. vet. Simone Bellair

Fledermäuse sind unauffällige Nachbarn. Erst nach Einbruch der Dämmerung werden sie aktiv und verlassen ihre Quartiere in Fassadenverkleidungen, Dachböden, Baumspalten oder Höhlen. Oft bemerkt man die Tiere erst, wenn tags ein krankes oder geschwächtes Tier gefunden wird.

Wie man Fundtiere richtig versorgt, weiß Renate Keil. Die promovierte Tierärztin widmet sich ehrenamtlich dem Schutz von Fledermäusen und leitet das Fledermauszentrum des Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Hannover. Schwer verletzte Tiere behandelt Renate Keil zunächst zu Hause. Meist versorgt sie zwischen 70 und 100 Tiere zeitgleich – ab Juni auch bis zu 40 Babys, die anfangs alle drei Stunden gefüttert werden müssen. Da Experten rar sind, werden ihr oft Fundtiere aus ganz Deutschland gebracht. Sobald es den Patienten besser geht, kommen sie ins Fledermauszentrum. In den Räumen dieses ehemaligen Bunkers werden die Tiere in sechs großen Volieren gepflegt, erhalten Flugtraining und werden auf die spätere Auswilderung vorbereitet. Versorgt werden sie dabei von ehrenamtlichen Helfern, häufig Studenten.

Praxistipps

Bei der Rettung verletzter Fledermäuse kommt es oft auf jede Minute an! Sie sollten die Tiere keinesfalls am Fundort hängen lassen oder eine Ferndiagnose stellen und niemals sofort einschläfern, sondern immer den Rat eines Fledermausspezialisten einholen. Wichtig sind eine rasche tierärztliche Versorgung und anschließend ein qualifizierter Pflegeplatz. Dann heilen selbst großflächige Verletzungen der Flughaut meist sehr gut und auch Knochenbrüche können oft geschient oder genagelt werden.

Fledermauskästen helfen

Zusätzlich helfen Fledermausquartiere an Bäumen oder Hauswänden. Die Kästen müssen dabei in drei bis vier Metern Höhe vor Räubern geschützt und nicht direkt über Türen, Fenstern oder Terrassen platziert werden. Wichtig sind eine freie Anflugmöglichkeit sowie eine möglichst licht- und windgeschützte Ausrichtung.

Spaltenkästen eignen sich beispielsweise sehr gut als Quartiere. Sie können gekauft oder nach Schritt-für-Schritt-Anleitung selbst gebaut werden: svg.to/fledermauskasten

Gefahren für Fledermäuse

Im Frühjahr und Sommer sind es oft Babys und Jungtiere, im Herbst und Winter eher verletzte oder geschwächte erwachsene Tiere, die Hilfe benötigen. Hier ein Überblick über die häufigsten Gefahrenquellen:

Windkraftanlagen verursachen durch den Unterdruck der Rotorblätter bei mindestens 250.000 Tieren pro Jahr Schlagverletzungen oder Barotraumata. Meist sind neben Zwergfledermäusen migrierende Arten wie Kleine und Große Abendsegler, Rauhhaut- und Zweifarbfledermaus betroffen, die auf dem Weg zu ihren Winterquartieren oft weite Strecken bis 1.000 km zurücklegen.

Baumfällungen zerstören Tag- und Winterquartiere – das betrifft oft sogar ganze Kolonien.

Freilaufende Katzen verletzen Fledermäuse beim Jagdspiel oft tödlich, fressen diese jedoch meist nicht.

Die Sanierung und Versiegelung von Dachböden, Fassaden und Kellern vernichtet adäquate Tag- und Winterquartiere. Abhilfe bieten in Außenwänden verbaute Steinkästen oder Fledermaus-Dachziegel verschiedener Hersteller. Diese schaffen den Tieren Unterschlüpfe, ohne dass Abstriche bei der Wärmeisolierung gemacht werden müssen.

Auch Störungen während des Winterschlafes sind fatal. Sobald keine Insekten als Nahrung mehr zur Verfügung stehen, ziehen sich Fledermäuse für den Winterschlaf zurück. Die Tiere sind dabei auf ruhige, geschützte und frostfreie Unterschlüpfe angewiesen. Schon eine kurze Störung kann den Erschöpfungstod bedeuten, da die Fledermäuse beim Aufwachen ihren Stoffwechsel aktivieren und so wertvolle Energiereserven verbrauchen.

Erste Hilfe bei Fledermäusen

  • Zum Transport in die Praxis die Fledermaus mit Handschuhen oder einem Tuch in einen Karton mit sehr kleinen Luftlöchern setzen (Achtung: Fledermäuse können durch kleinfingergroße Löcher entwischen).

  • Erwachsenen Tieren Wasser oder Traubenzuckerlösung mit einer Spritze oder Pipette anbieten. Bei starker Exsikkose eine kleine Menge Ringer-Laktat-Lösung unter die Rückenhaut injizieren (ca. 0,5 ml), bei Bedarf wiederholen.

  • Jungtiere alle drei Stunden mit hochwertiger Welpenaufzuchtmilch für Hunde versorgen (keine Kuhmilch). Gut geeignet dafür ist der gekürzte Schlauch einer Braunüle. Kleinste Mengen reichen – je nach Alter zunächst 2–3 Tropfen! Bei der Fütterung die Tiere bäuchlings auf dem Daumen platzieren und mit den restlichen Fingern sanft fixieren. Cave: Unbedingt ein saugfähiges Tuch unterlegen – wird das Fell mit Milch verschmiert, fallen die Haare aus.

  • Falls vorhanden: Tiere für einige Minuten (bis zu 30 Minuten) in ein pulsierendes Magnetfeld setzen. Oft verbessert sich das Allgemeinbefinden dadurch deutlich.

  • Fledermäuse sind sehr soziale und reviertreue Tiere. Sie müssen zur Auswilderung an ihren Fundort zurückgebracht werden, daher immer die Funddaten aufnehmen!

Weitere Infos und Ansprechpartner

Hier finden Sie weitere Informationen:

  • Fledermausnotruf Dr. Renate Keil:
    0157 30910222 (täglich 14:00–24:00 Uhr, in Notfällen 24 Std.); www.bund-fledermauszentrum-hannover.de

  • Bundesweite Fledermaus-Hotline des NABU:
    030 2849845000 (wochentags von 10:00–16:00 Uhr); www.fledermausschutz.de/ansprechpartner/

  • Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) hat Studien zum Fledermausschutz veröffentlicht und veranstaltet im März 2019 eine Tagung zum „Evidenzbasierten Fledermausschutz bei Windkraftvorhaben“. Programm und Anmeldedaten unter: svg.to/fledermaustagung

Über die Autorin

  • Als Fachjournalistin recherchiert und schreibt Simone Bellair über aktuelle Themen rund um die Tiermedizin. Die promovierte Tierärztin betreut außerdem die Fachbeiträge in unserer Zeitschrift Der Praktische Tierarzt.

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