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Hundecoaching

„Hunde geben ungeschminktes Feedback“

Persönlichkeitsentwicklung: Was sagt die Reaktion von Hunden über meine Kommunikation und Selbstwahrnehmung aus?

Inhaltsverzeichnis

Von Lisa-Marie Petersen

Tiermedizinische Fachangestellte und Tierärzte kennen das: Häufig sind die Besitzer im Behandlungszimmer nervöser als ihre Hunde. Unsicherheit, Angst und zitternde Hände: All diese Emotionen übertragen sich dann prompt auf das Tier. Hundetrainerin Verena Helfrich sieht Ähnliches auch beim Training in der Hundeschule: Wenn Hunde an der Leine pöbeln, kann das die Ängste von Tierbesitzern befeuern und das unerwünschte Verhalten nicht besser, sondern eher schlimmer machen – ein Teufelskreis. Doch sind die Reaktion von Hunden und die Beobachtung ihrer Körpersprache wertvoll, wenn es um das bessere Verständnis der eigenen Persönlichkeit geht. So nutzt Helfrich, die auch Diplom-Pädagogin ist, das „ungefilterte Feedback“ der Vierbeiner in der Zusammenarbeit mit Menschen, die ihre Persönlichkeit in einem Coaching weiterentwickeln wollen. Ziele ihrer meist „neugierigen und reflektierten“ Kunden sind zum Beispiel die berufliche Neuorientierung oder eine Verbesserung von Führungs- bzw. Kommunikationskompetenz. „Meinen Coaching-Weg begann ich im Business-Bereich. Dort machte ich jedoch die Erfahrung, dass oft Leute von ihren Chefs geschickt werden, die gar keine Lust darauf haben.“ Heute bietet sie daher lieber Sitzungen für Privatpersonen an. Zusätzlich hat Helfrich auch einen Online-Kurs und eine Ausbildung zum Thema „Persönlichkeitsentwicklung mit Hund“ entwickelt.

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Persönlichkeitsentwicklung: Was heißt das?

Wer den Begriff Persönlichkeitsentwicklung nachschlägt, wird als Erklärung das einfache Wort „Wachstum“ finden. Dabei geht es darum, die eigene Persönlichkeit zu reflektieren und zu verstehen, um daraus ein besseres Selbstverständnis, Selbstvertrauen und Lebenszufriedenheit ziehen zu können. Dies kann berufliche und persönliche Beziehungen verbessern, Mut für neue Ideen liefern oder Halt geben. Hunde, die sich für niemanden verbiegen, können gute Impulsgeber sein, prüfen den Menschen auf Authentizität und helfen bei der Beantwortung vieler Fragen. Zum Beispiel: „Wie wirke ich auf andere? Kommuniziere ich klar und deutlich? Kann ich Grenzen setzen? „Im Coaching setze ich zwei meiner vier Hunde für Übungen mit den Klienten ein“, so Helfrich. Diese sollen den Hunden dann z. B. Grenzen setzen oder sie an der Leine führen. Ihre Coaching-erfahrenen Greyhounds nehmen das cool: Bei ihnen wisse sie, dass sie sich gut abgrenzen und die Emotionen des Klienten wegstecken können. Doch nicht jeder Hund sei geeignet. „Manche Tiere haben schon genug mit sich selbst zu tun“, sagt sie.

Den vierbeinigen Coach im Blick zu behalten, ist der Expertin, die auch als Gutachterin für die Auswahl von Hunden in tiergestützter Pädagogik tätig ist, ganz wichtig. „Bisher kann jeder seinen Hund nehmen und ihn Therapiehund nennen“, so Helfrich. „Hier sollten wie in Österreich strengere Regularien gelten.“ So sei auch das Coaching mit dem eigenen Hund für Klienten zwar aufschlussreich, aber nicht immer einfach. „Das ist, als würde man eine innerfamiliäre Therapie machen“, sagt sie.

Schlecht geführt

Wichtig ist Verena Helfrich auch, dass Coaching keine Therapie ersetzt und dass die Erwartungen an die Sitzungen stimmten. Psychisch belastete Klienten bräuchten einen Psychologen; ebenso sei es unrealistisch, nach drei Sitzungen ein neuer Mensch zu sein. „Für die Umsetzung von Veränderungen bedarf es Eigenverantwortung, die einem weder der Hund noch der Coach abnehmen kann“, so Helfrich.

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Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht jedoch, dass einfache Übungen mit dem Tier durchaus zu Perspektivwechseln führen können: So hatte die Hundeexpertin mal eine unzufriedene Chefin im Coaching, deren Mitarbeiter einfach nicht das machten, was sie sich wünschte. „Ich gab ihr dann einen blinden Hund an die Hand und ließ die beiden durch einen Parcours laufen.“ Die Klientin marschierte los, der Hund stieß prompt an ein Hindernis. Schnell dämmerte es der Führungskraft, dass sie nicht auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter einging, sondern einfach ihre Marschrichtung verfolgte. „Meine Aufgabe ist es dann, das Feedback der Hunde so zu übersetzten, dass es meine Klienten verstehen“, so Helfrich.

Coaching mit Hund

Ja!

  • Neubeginn/Umorientierung
  • Ziele finden
  • Kommunikations­training
  • Eigen-/Fremdwahrnehmung überprüfen

Nein!

  • Therapie-Ersatz
  • Abgabe von Eigenverantwortung
  • Zaubermittel fürs neuer Mensch werden

Persönlichkeitsentwicklung mit Hund

Ausbildung

Die Ausbildung, welche zehn Präsenztage umfasst, richtet sich an Menschen, die ihren eigenen Hund in ihrem arbeitsfeldspezifischen Umfeld gezielt bei hundegestützten Interventionen in Bezug auf die Persönlichkeitsentwicklung des Menschen einsetzen wollen und können.

Arbeitsfelder sind u. a. Beratung & Coaching, Personalentwicklung, Hundetraining, Jugendhilfe & Therapie.

Ziel

Entwicklung eines professionellen Konzeptes für die Einbindung des Hundes in die jeweilige Profession.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Über die Autorin

Als Tierärztin horcht Lisa-Marie Petersen gern am Ort des Geschehens nach: Was beschäftigt die Tiermedizin derzeit? Interessante Themen verarbeitet die Fachjournalistin dann in redaktionellen Beiträgen für Print- und Onlinemedien.

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