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Eine hohe Insektenbelastung ist nicht nur lästig, sie birgt auch ein Gesundheitsrisiko.
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Eine hohe Insektenbelastung ist nicht nur lästig, sie birgt auch ein Gesundheitsrisiko.

Studie

Insektenabwehr bei Pferden: Gebäude als Witterungsschutz bevorzugt

Ein Witterungsschutz ist bei der Freilandhaltung ein Muss, aber reicht es im Sommer aus, wenn dieser natürlich ist?

Eine Forschungsgruppe der Aarhus University in Tjele (Dänemark) untersuchte in zwei Studien die Nutzung von Unterständen durch Pferde einerseits im Zusammenhang mit insektenabwehrendem Verhalten der Tiere und andererseits mit den Wetterbedingungen und dem daraus resultierenden Insektenaufkommen.

Studienaufbau

In der ersten Studie wurde in den Monaten Juni bis August einmal wöchentlich über acht Wochen das Verhalten von 39 Pferden untersucht, welche zu dieser Zeit ausschließlich auf der Weide gehalten wurden. 21 Pferde (fünf Gruppen) hatten Zugang zu Gebäuden, 18 Pferden (vier Gruppen) stand kein Gebäudezugang zur Verfügung. Bei den Gebäuden handelte es sich um Scheunen oder kleine Gebäude mit einem oder mehreren Zugängen. Natürlicher Witterungsschutz war für alle Gruppen vorhanden. Untersucht wurden u. a. der Standort der Pferde (im Gebäude, im natürlichen Witterungsschutz, auf der Weidefläche, am Wasser), insektenabwehrendes Verhalten und Insektenprävalenz. Zur Ermittlung der Stressbelastung  wurden 24 Stunden nach Datenerhebung Kotproben zur Bestimmung von Kortisolmetaboliten gesammelt.

In der zweiten Studie wurde die Nutzung von Unterständen rund um die Uhr mittels Infrarot-Wildtierkameras von 42 Pferden während der Sommermonate analysiert. In zehn Gruppen eingeteilt standen den Pferden unterschiedliche künstliche Witterungsschutztypen zur Verfügung.

In beiden Studien wurden über diesen Zeitraum täglich die Wetterbedingungen wie die maximale Tagestemperatur, die Anzahl an Sonnenstunden, durchschnittliche Windgeschwindigkeit und Luftfeuchtigkeit dokumentiert. Über unterschiedliche Insektenfallen wurden vor allem Bremsen, Mücken und Gnitzen eingefangen und im 24-Stunden-Rhythmus ausgezählt.

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Ergebnisse

Anhand der Wetterdaten und der quantitativen Auswertung der Insektenfallen stellte sich eine Korrelation von erhöhtem Insektenaufkommen (Bremsen stellten die dominierende Insektenpopulation dar) mit hoher Tagesdurchschnittstemperatur und geringer Windgeschwindigkeit heraus.

In der ersten Studie standen das Verhalten der Pferde und ihre Lokalisation auf dem Haltungsareal im Fokus. Neben insektenabwehrenden Reaktionen wie das Schlagen mit dem Schweif, lokale Hautzuckungen, Kopf- und Beinbewegungen wurden Sozialverhalten und Fressgewohnheiten aufgezeichnet. In allen Gruppen nahmen die insektenabwehrenden Verhaltensweisen mit der Anzahl der täglich ausgezählten Bremsen zu. Jedoch zeigten die Pferde der Vergleichsgruppe dieses Verhalten häufiger und intensiver. Pferde, die Zugang zu Gebäuden hatten, nutzten diese an Tagen mit hohem Insektenaufkommen mehr (69 % der Pferde) als an Tagen mit geringer Insektenfangrate (14 % der Pferde). Im Vergleich standen die Pferde ohne Möglichkeit zum Hineinstellen zunehmend nah beieinander (unter 1 m Distanz), um von den Abwehrbewegungen der anderen zu profitieren. Die Kortisolmetaboliten aus dem Kot zeigten keine Unterschiede zwischen den insektenreichen und insektenarmen Tagen. In einer Folgestudie (n = 13 Pferde, 6 mit Gebäudezugang, 7 ohne) wurde an vier Beobachtungstagen Kortisol im Speichel gemessen. Höhere Kortisolkonzentration konnte an Tagen mit hoher Insektenprävalenz bei Pferden ohne Gebäudezugang gemessen werden.

Aus der zweiten Studie geht ein vermehrtes Aufsuchen der Gebäude tagsüber und an warmen Tagen hervor, obwohl ausreichend vegetativer Witterungsschutz auf der Weide zur Verfügung stand. Nachts hingegen unterschied sich die Gebäudenutzung über den gesamten Zeitraum nicht.

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Schatten alleine reicht nicht aus

Beide Studien berücksichtigen im Zusammenhang mit dem Aufsuchen des künstlichen Witterungsschutzes weder die Verträglichkeit in der Gruppe noch Art und Größe des Schutzbereichs. Kleine Flächen, wenige Fluchtmöglichkeiten und Blockieren der Eingänge durch ranghöhere Tiere wirken sich negativ auf die Nutzung des Schutzraumes aus. Trotzdem konnte gezeigt werden, dass die Pferde bei hohem Insektenaufkommen an warmen Tagen vermehrt ein Gebäude aufsuchen. Dies taten sie, obwohl es keinen deutlichen Temperaturunterschied zwischen Gebäude und Weide gab und ausreichend natürliche Schattenplätze verfügbar waren. Blut saugende Insekten werden initial durch olfaktorische und beim Näherkommen durch visuelle Reize angezogen. Ein optisches Verschwimmen der Pferde im Inneren der Gebäude könnte eine Erklärung für ihr erschwertes Auffinden sein. Eine reine Überdachung ohne Wände dürfte ähnlich dem natürlichen Witterungsschutz im Sommer keinen ausreichend Schutz vor der Belastung durch Insekten bieten. (Lydia van Dyck)

Die Originalpublikationen finden Sie hier:

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