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Wenig Energie und Freude, oft dunkle Gedanken: Tiermedizinstudierende sind belastet.
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Wenig Energie und Freude, oft dunkle Gedanken: Tiermedizinstudierende sind belastet.

Tiermedizinstudierende in Deutschland

Jetzt beginnt die Suche nach Ursachen

Studierende des Faches Tiermedizin haben deutlich häufiger Depressionen und Suizidgedanken als eine Vergleichsgruppe aus der Allgemeinbevölkerung, zeigt eine Studie der Freien Universität Berlin.

Fast die Hälfte – etwa 46 Prozent – der in einer neuen Studie erfassten Tiermedizinstudierenden in Deutschland haben mit Depressionen zu kämpfen. Bei knapp einem Viertel – 24 Prozent – kann sogar davon gesprochen werden, dass ein Suizidrisiko besteht; die Betroffenen haben eigenen Angaben zufolge etwa schon einmal jemandem davon erzählt, dass sie sich vorstellen können, sich das Leben zu nehmen, oder schon einen Suizidversuch unternommen.

Diese Daten veröffentlichten die Tiermedizinerinnen Prof. Dr. Mahtab Bahramsoltani und Nadine Schunter von der Freien Universität Berlin gemeinsam mit Psychologinnen von der Universität Leipzig jetzt im Fachmagazin „Plos One“. Mehr als 900 Studierende aller fünf veterinärmedizinischen Fakultäten in Deutschland füllten noch vor Pandemiebeginn einen Online-Fragebogen aus. Ob bei Teilnehmenden eine Depression vorlag, wurde unter anderem ermittelt durch Fragen nach verminderter Energie und Freude, reduziertem Appetit oder schlechtem Selbstwertgefühl.

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Stark erhöhtes Risiko

Die Daten der Tiermedizinstudierenden, die im Schnitt 23,6 Jahre alt und von denen 91 Prozent Frauen waren, verglich man anschließend mit Daten einer repräsentativen Gruppe ähnlichen Alters aus der deutschen Allgemeinbevölkerung. Dabei ergab sich, dass das Depressionsrisiko für Tiermedizinstudierende gegenüber dem der Allgemeinbevölkerung 22-fach erhöht ist. Das Risiko für Suizidgedanken und die Wahrscheinlichkeit einer erhöhten Suizidgefährdung sind bei den angehenden Tierärzten immerhin vierfach gesteigert. Ob Studienteilnehmende aktuell Suizidgedanken hegen, wurde durch die Frage erfasst, wie oft man in den vergangenen zwei Wochen daran gedacht habe, tot sein oder sich Leid zufügen zu wollen. Ein Fünftel der für Tiermedizin Immatrikulierten, die an der Stunde teilnahmen, räumte solche Gedanken ein.

„Wir hatten schon zuvor eine deutlich erhöhte Depressions- und Suizidneigung bei Tierärzten gegenüber der Allgemeinbevölkerung nachgewiesen und fanden es jetzt interessant, die Fragestellung auch im Hinblick auf Studierende des Faches Tiermedizin zu untersuchen“, erklärt Mahtab Bahramsoltani vom Institut für Veterinär-Anatomie der Freien Universität Berlin. Im Jahr 2020 publizierte ein Team um Bahramsoltani die Ergebnisse zu Tierärzten im „Veterinary Record“.

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Spekulationen sollten vermieden werden

Voraussichtlich im kommenden Jahr wird eine weitere Studie erscheinen, in der die Bedeutung verschiedener Belastungsfaktoren für die hohen Prävalenzen bei Studierenden beleuchtet wird. „Mögliche Stressoren sind beispielsweise das hohe Arbeitspensum im Studium, die kontinuierliche Prüfungslast und die sehr hohe Leistungsbereitschaft dieser jungen Leute, die dann im Tiermedizinstudium mit einer größeren Gruppe ebenso leistungsstarker Studierender zusammentreffen“, erklärt Nadine Schunter, die mögliche Belastungsfaktoren bereits parallel zu den Prävalenzen abfragte. In internationalen Publikationen wurden bisher auch noch weitere Stressoren vermutet, etwa der aus dem Lernpensum sich ergebende chronische Schlafmangel oder die reduzierte Freizeitaktivität von Tiermedizinstudierenden. Schunter weiß, dass das aufsehenerregende Ergebnis der Studie zu Mutmaßungen in alle Richtungen einlädt, und betont: „Im Moment kann man noch nichts Definitives über mögliche Ursachen sagen - das wäre hochspekulativ.“

Wenn Sie von Suizidgedanken betroffen sind, kontaktieren Sie die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten. (Christina Hucklenbroich)

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