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Tierschutz

Kastenstand: ein langsamer Ausstieg

Nach vielen Diskussionen hat der Bundesrat Anfang Juli entschieden: Das Verbot der Kastenstandhaltung im Deckzentrum kommt – mit einer Übergangsfrist von acht Jahren.

Ein Rückblick: Bereits 2016 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht das sogenannte Magdeburger Urteil: Schweine müssen jederzeit die Möglichkeit haben, sich ungehindert hinzulegen und in Seitenlage die Gliedmaßen auszustrecken. Dazu sind Kastenstände meist nicht breit genug, dennoch werden sie in der Praxis weiter genutzt. 2019 wurde dann ein Entwurf zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vorgelegt, der diese Praxis legalisiert hätte. Er sah vor, die Kastenstandhaltung „im unvermeidlichen Maß“ zu erlauben. Durch die aktuelle Entscheidung wird ein Verbot zumindest absehbar. Der Kastenstand bleibt aber noch für viele Jahre Realität in der Sauenhaltung.

Umstrittene Entscheidung

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e. V. begrüßt zwar die Planungssicherheit, fürchtet aber ohne weitgehende finanzielle Unterstützung ein Ende der Ferkelerzeugung in Deutschland. Tierschützer hätten sich hingegen ein sofortiges (schrittweises) Aus für den Kastenstand gewünscht. So weist die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz darauf hin, dass praxisreife alternative Haltungssysteme längst zur Verfügung stünden. Auch breitere Stände oder kürzere Aufenthalte im Kastenstand seien daher nicht akzeptabel. In Skandinavien sind die Gruppenhaltung von Sauen und die freie Abferkelung ohne Fixierung der Sau schon gesetzlich vorgeschrieben.

Strukturwandel tut Not

Die aktuelle Entscheidung steht aus dieser Sicht im Widerspruch zur Forderung nach einer tiefgreifenden Reform der Nutztierhaltung, die in der Gesellschaft immer lauter wird. Im Februar forderte die Borchert-Kommission einen grundsätzlichen Umbau der Tierhaltung. Der Deutsche Ethikrat nahm im Juni zur Achtung des Tierwohls in der Nutztierhaltung Stellung. Er schildert auch das rechtliche Hin und Her um den Kastenstand und zieht unter anderem daraus den Schluss: „Offenkundig garantiert das bestehende Tierschutzrecht nur ein Mindestmaß an Schutz; es lässt darüber hinaus viel Raum für die Interpretation des Tierwohls.“

(VM)

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