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Kommunikation

(K)ein Leben ohne Smartphone?!

Mobiltelefone lösen Desktop-Computer ab: Auch Tierärzte müssen sich der „Generation Selfie“ stellen. Kaum ein Patientenbesitzer ist heute noch ohne Smartphone unterwegs.

Inhaltsverzeichnis

Von Lisa-Marie Petersen

Ob im Wartezimmer beim Arzt, auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn oder gar beim Essengehen – es ist stets das gleiche Bild: Die Blicke der Patienten, Bahnfahrer oder Paare sind starr nach unten gerichtet. In ihren Händen liegen Smartphones. Schnell die Mails checken, den Newsfeed durchscrollen, ein kurzer Ausflug zu Instagram. Und wie hieß diese App noch gleich?

Ein Leben ohne die Computer im Miniaturformat scheint kaum noch vorstellbar. Vor allem bei der jungen Generation zeigt sich ein Trend in Richtung „Smartphone only“. Dies bedeutet, dass Telefone Desktop-Computer in Zukunft immer mehr ablösen werden. Auch Tierärzte in praxi müssen sich der „Generation Selfie“ stellen, die jede Krankheit und zugehörige Behandlung noch auf dem Weg aus der Tür nachgooglet oder eine Bewertung verfasst. Den Praktiker stellt dies vor neue Herausforderungen.

Alles für die Fans: Behandlung auf Band

Tendenziell muss davon ausgegangen werden, dass Tierhalter zu jeder Gelegenheit ihr Smartphone zücken, um zu fotografieren oder zu filmen – auch während der Behandlung. Nicht selten haben Hunde und Katzen inzwischen eigene Seiten bei Facebook oder Instagram, auf denen die Community zum Teil auch um Spenden für teure Therapien gebeten wird. Im Gegenzug dazu versorgen Social-Media-begeisterte Tierbesitzer ihre großzügige Fangemeinde mit Postings à la „dank der Bluttransfusion geht es unserer tapferen Dora schon viel besser“. Dazu ein Foto oder eine Videosequenz. Auch Bewertungen sind aus einer Emotion heraus schnell geschrieben.

Nicht jedem Tierarzt ist es recht, bei der Behandlung gefilmt zu werden. Praktiker, die dem ablehnend gegenüberstehen, können sich laut Rechtsanwalt Michael Panek auf das Hausrecht berufen, das ein jeder Inhaber und eine jede Inhaberin einer tierärztlichen Praxis besitzt. Dieses kann ohne Weiteres beinhalten, Foto- oder Videoaufnahmen zu unterbinden.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, vom Tierhalter erstelltes Videomaterial gezielt für die Diagnostik zu nutzen. Dies bietet sich insbesondere bei Tieren an, die sich beim Tierarzt stets „zusammenreißen“ oder nur vorübergehend symptomatisch auffällig werden (z. B. neurologische Patienten wie Epileptiker). Wenn Sie sich etwas von erstellten Videos versprechen, können Sie den Besitzer bitten, entsprechende Krankheitssequenzen, Anfälle oder Symptome während des Auftretens per Handy aufzuzeichnen, sodass Sie sich diese in der Praxis ansehen können.

What´s up WhatsApp?

Die meisten Smartphone-User kennen die amerikanische Facebooktochter als Messenger-Service und nutzen ihn auch privat. Besonders bei jungen Erwachsenen ist die App mit dem grünen Sprechblasenlogo beliebt: Laut statista kommunizieren 89 Prozent der 17- bis 19-Jährigen über Whatsapp.

Wer ein Diensthandy hat bzw. ein entsprechendes Vertrauensverhältnis zum Patientenbesitzer pflegt, kann sich per WhatsApp auch Bilder und Videosequenzen zuschicken lassen, wobei nicht der Eindruck entstehen sollte, dass Ferndiagnosen möglich sind. Auch größere Praxen und Kliniken tauschen sich häufig in Gruppenchats (die stumm geschaltet werden können) über Arbeitsabläufe und Organisatorisches aus.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, einen sogenannten WhatsApp-Newsletter einzurichten, wobei stets die aktuellen Datenschutzverordnungen im Auge behalten werden sollten. So müssen Kunden mit der Übermittlung von Patienteninformationen per WhatsApp einverstanden sein und es muss sichergestellt werden, dass die Daten der einzelnen Empfänger nicht an andere Kunden gelangen. Zudem muss es immer eine Abmelde-Funktion geben.

Nützliche Spielereien: Apps & Co

Einige Tierärzte bieten bereits eigene Praxisapps an, die über das Team, neue Leistungen sowie aktuelle Aktionen informieren und über den App- bzw. Play-Store heruntergeladen werden können. Die kostenfreie App Vetfinder bietet Nutzern die Möglichkeit, weltweit Tierärzte in der Umgebung zu suchen und deren Leistungsspektrum einzusehen. Darüber hinaus können User auch einen Steckbrief ihres Tieres erstellen sowie eine Liste ihrer Tierarzt-Favoriten anlegen. Um mit Ihrer Praxis gelistet zu werden, können Sie sich auf der Seite https://vetfinder.mobi/ownpraxis registrieren. Falls Kunden Sie vorschlagen, veröffentlicht der Anbieter ihre Daten erst, wenn Sie diese bestätigt haben.

Für Besitzer herzkranker Patienten hat sich der kostenlose „Atemfrequenz-Messer für Hunde“ mit integrierter Stoppuhr bewährt. Die simpel gestaltete App erinnert Besitzer an notwendige Tablettengaben und hilft ihnen, die Atemfrequenz zu kontrollieren. Entsprechende Daten können abgespeichert und dem Tierarzt per E-Mail zur Verfügung gestellt werden.

No-Go non responsive

Bei der Einrichtung der eigenen Praxishomepage ist unbedingt darauf zu achten, dass ein sogenanntes responsive Theme genutzt wird. Dieses sorgt dafür, dass die Betrachtung der Website auf dem kleinformatigeren Smartphone und Tablet gewährleistet ist. Stellt sich die Praxishomepage hingegen als unleserlich heraus, macht das nicht nur einen unprofessionellen Eindruck, sondern kann auch Kunden vergraulen.

Falls Sie sich dafür interessieren, wie viele Kunden Ihre Homepage über das Smartphone ansteuern, kann dies in Google-Analytics unter dem Reiter Zielgruppe-mobil-Übersicht nachgesehen werden.

Über die Autorin

Als Tierärztin horcht Lisa-Marie Petersen gern am Ort des Geschehens nach: Was beschäftigt die Tiermedizin derzeit? Interessante Themen verarbeitet die Fachjournalistin dann in redaktionellen Beiträgen für Print- und Onlinemedien.

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