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Die kontaktlose Temperaturmessung ist nicht ausreichend zuverlässig.
Foto: hedgehog94 - stock.adobe.com
Die kontaktlose Temperaturmessung ist nicht ausreichend zuverlässig.

Richtig Fiebermessen beim Kleintier

Kontaktloses Fiebermessen – unzuverlässig bei Hund und Katze

Obwohl in der Humanmedizin routinemäßig angewandt, stellt die kontaktlose Messung der Körpertemperatur beim Kleintier bislang keine verbreitete Methode dar. Ob diese verlässlich und vielleicht sogar vorteilhaft sein könnte, untersuchte eine aktuelle Studie.

Ein Forscherteam aus England und Italien setzte sich zum Ziel, die Korrelation zwischen der per Infrarot gemessenen Oberflächentemperatur an der Innenseite der Ohrmuschel und der Rektaltemperatur zu prüfen. Letztere gilt als aussagekräftige Ableitung der Körperkerntemperatur. Jedoch bedeutet die rektale Temperaturmessung durch den Kontakt immer eine gewisse Stressbelastung für das Kleintier und ist bei unkooperativen Patienten unter Umständen nicht durchführbar. Angesichts dessen wäre eine kontaktlose Messmethode durchaus wünschenswert. In der Humanmedizin hat sich eine derartige Messung per Infrarot bereits seit Längerem etabliert und wurde insbesondere im Rahmen der COVID-Pandemie verbreitet eingesetzt. Ob die Methode beim Kleintier verlässliche Ergebnisse zu liefern vermag, konnte bisher nicht gezeigt werden.

Oberflächen- und Rektaltemperatur liegen weit auseinander

Im Bestreben darum dokumentierten die Wissenschaftler die Oberflächentemperatur an der Innenseite der Ohrmuschel sowie die Rektaltemperatur von über 160 Hunden und mehr als 60 Katzen. Die Tiere wurden aus ganz unterschiedlichen Gründen in der Klinik vorstellig. Entgegen den Erwartungen der Forscher zeigte die Datenauswertung keine stabil statistisch signifikante Korrelation zwischen den beiden gemessenen Körpertemperaturparametern. Tendenziell lagen die Werte bei der Katze weiter auseinander als beim Hund.

Mögliche Hindernisse sind vielfältig

Aus ihren Ergebnissen schließen die Studienautoren, dass die kontaktlose Fiebermessung bei Hund und Katze keine verlässliche Alternative zur Messung der Rektaltemperatur darstellt. Sie erachten es für möglich, dass dies an der gewählten Körperstelle, der Hautpigmentierung oder anderen Einflussgrößen liegt. Ob Messungen in der Maulhöhle oder anderen Lokalisationen der Körperoberfläche zu abweichenden Resultaten führen würden, müssten weitere Studien zeigen. Bis dahin ist dem Kleintierpraktiker zu empfehlen, auf ein möglichst schonendes Vorgehen bei der rektalen Temperaturmessung zu achten und sich auf diesen Wert zu stützen. (Christian Schiffmann)

Hier finden Sie die Originalpublikation.

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