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Wellensittiche sind wie Agaporniden und Kanarienvögel anfällig für die Macrorhabdiose, eine Hefepilz-Infektion.

Infektionskrankheit

Macrorhabdiose in der Praxis diagnostizieren

Bei der Macrorhabdiose handelt es sich um eine chronische Infektion des Vogelmagens mit Hefepilzen. Die Prognose ist stets vorsichtig zu bewerten und eine frühe Diagnosestellung unabdingbar.

Von Dr. med. vet. Christian Schiffmann

Die früher unter dem Begriff Megabakteriose bekannte Infektion mit dem Hefepilz Macrorhabdus ornithogaster wurde bei zahlreichen Vogelgattungen nachgewiesen. Davon betroffen sind auch Arten, welche häufig als Ziervögel gehalten und in der Kleintierpraxis vorgestellt werden. Es handelt sich stets um eine chronische Infektion, deren Symptomatik stark von zusätzlichen Erkrankungen und weiteren Stressfaktoren abhängig zu sein scheint.

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Ebenso ist bekannt, dass die ursächlichen Mikroorganismen von Vogel zu Vogel übertragen werden. Dies geschieht vermutlich auf fäkal-oralem Wege. Obwohl verschiedene Therapieansätze mit Antimykotika beschrieben wurden, scheint eine vollständige Eliminierung des Erregers nicht möglich und die Prognose gilt als vorsichtig bis schlecht. Umso bedeutungsvoller ist für den Kleintierpraktiker die frühzeitige Diagnosesicherung. Mit welcher Methode Letztere am ehesten gelingt, hat eine australische Forschergruppe kürzlich untersucht.

Macrorhabdus ornithogaster diagnostizieren: mikroskopischer Erregernachweis in Kotproben

Die Wissenschaftler untersuchten fünf verschiedene Ansätze zum mikroskopischen Erregernachweis in frischen Kotproben. Die untersuchten Proben stammten aus einem Wellensittichbestand, in welchem Fälle von Macrorhabdiose aufgetreten waren. Von allen angewandten Ansätzen ermöglichte die sogenannte Makrosuspensionstechnik die klarste Identifizierung der Hefepilze und resultierte im höchsten Nachweis an einzelnen Organismen. Dies dürfte unter anderem an der reduzierten Hintergrundverunreinigung bei dieser Probenaufbereitungsart liegen. Letztere besteht aus der Bildung einer Suspension der Kotprobe mit physiologischer Kochsalzlösung und dem darauffolgenden Abpipettieren des scheibenförmigen Überstandes. Dieser kann mikroskopisch auf die Erreger untersucht werden.

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Empfehlenswert: Kotuntersuchung mittels Makrosuspensionstechnik

Angesichts des geringen materiellen Aufwands und der schnellen Durchführbarkeit erscheint die Makrosuspensionstechnik als durchaus praxistauglich. Die hohe Nachweisbar- und Identifizierbarkeit des Erregers auf diesem Wege lassen auf eine gute Chance zur Diagnosesicherung in Verdachtsfällen hoffen. Dies dürfte insbesondere zum Monitoring im Rahmen der Bestandsbetreuung beitragen und dazu ein kostengünstiges Mittel sein. Inwieweit die Testempfindlichkeit der Makrosuspensionstechnik an die Ergebnisse von PCR-Verfahren heranzureichen vermag, bedarf weiterer Untersuchungen.

Hier finden Sie die Originalpublikation.

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