Foto: Vétérinaires sans Frontiers Germany

One Health

Milzbrandbekämpfung in Äthiopien

In der Region South Omo ist die Zoonose Anthrax endemisch. Gerade in Dürrezeiten, die Hirten und ihre Familien besonders herausfordern, kommt es vermehrt zu Milzbrandausbrüchen.

Von Lisa-Marie Petersen

South Omo gehört zu den am schwächs- ten entwickelten Regionen Äthiopiens. 90 Prozent der Bevölkerung leben dort von der Wanderviehhaltung. Die von Paarhufern und Pflanzenfressern übertragene Zoonose Milzbrand stellt vor Ort ein ernstes Problem dar. Tiere infizieren sich häufig in Dürreperioden, wenn sie das verbliebene Grün bis zur Grasnarbe abfressen und so infektiöse Sporen aus dem Boden aufnehmen.

Im Rahmen eines ganzheitlichen One-Health-Ansatzes führt Tierärzte ohne Grenzen Deutschland vor Ort Impfprogramme durch, bildet Tiergesundheitshelfer aus und leistet Aufklärungsarbeit, wie Schulungen in der Heuwirtschaft, damit Bauern für Dürrezeiten besser gewappnet sind und ihre Tiere zufüttern können. Die für den Verein tätige Pastoralismus-Expertin und Tierärztin Antonia Braus war bis vor Kurzem vor Ort, um mit Erkrankten zu sprechen. Zwei Fragen:

Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Milzbrandbekämpfung?

Braus: Zum einen ist es sehr schwierig, die zu impfenden Herden zu erreichen.
Hirten und ihre Tiere verweilen nie lange an einem Ort und die Region ist wegen schwacher Infrastruktur schwer zugänglich. Oft müssen die letzten Meter zu Fuß oder mit dem Motorrad zurückgelegt werden. Eine intakte Kühlkette für den Lebendimpfstoff stellt auf diesem Weg eine große Herausforderung dar.

Zudem ist der momentane Impfstoff­engpass ein großes Problem. In der entwicklungsschwachen Region arbeiten
nur wenige Tierärzte, weswegen Community Animal Health Workers essenziell bei der Durchführung von Impfkampagnen sind.

Diese werden von der Gemeinschaft vorgeschlagen und dürfen nach dreiwöchiger Ausbildung und regelmäßigen Auffrischungstrainings impfen und erkrankte Tiere behandeln. Sie melden den Impfstatus der Herden an die Behörden und können Humaninfektionen erkennen.

Steht die Bevölkerung der Aufklärungsarbeit offen gegenüber?

Braus: Oft wird das Prinzip der Impfprophylaxe nicht sofort verstanden. Das muss vor den Impfungen gut erklärt werden, um auch im nächsten Jahr Akzeptanz zu gewährleisten.

In Dürrezeiten, in denen Nahrung und Einkommen knapp sind, möchte niemand infizierte tierische Produkte verbrennen, um die infektiösen Sporen abzutöten. Da müssen unsere Mitarbeiter lange Gespräche führen, um die Hirten zu solchen Schritten zu bewegen und sie so vor Infektionen zu schützen. Schließlich gibt es vor Ort auch keine Tierseuchenkasse, die den Familien ihren Verlust erstattet. Was sehr gut angekommen ist, ist die Vermittlung von Heuwirtschaftskenntnissen. Ein echter Selbstläufer, da das Wissen über Dörfer hinweg
weiter gegeben wird.

Übertragungswege von Milzbrand

Das Blut mit Milzbrand infizierter Tiere weist eine hohe Bakterienlast auf. Kommt Blut bei der Schlachtung in Kontakt mit Sauerstoff, versporen die Bakterien sofort. Einmal im Boden, bleiben die Bakterien jahrzehntelang infektiös. In Dürrezeiten fressen die Tiere nahe an der Grasnarbe und nehmen vermehrt Erde und damit Milzbrandsporen auf. Menschen infizieren sich über den Verzehr von Fleisch und Milch sowie über Tierhäute (z. B. bei der Verarbeitung).

Über die Autorin

Als Tierärztin horcht Lisa-Marie Petersen gern am Ort des Geschehens nach: Was beschäftigt die Tiermedizin derzeit? Interessante Themen verarbeitet die Fachjournalistin dann in redaktionellen Beiträgen für Print- und Onlinemedien.

Impfungen beim Kaninchen

RHDV-2: eine tödliche Seuche

„Impfen rettet Leben!“ Diese Aussage wird oft kontrovers diskutiert. Bei der extrem aggressiven „China-Seuche“ der Kaninchen trifft sie jedoch zu.

Vektorübertragene Krankheiten

Was sticht denn da?

Leishmaniose, kardiovaskuläre und kutane Dirofilariose gehören zu den vektorübertragenen Krankheiten bei Hunden. Wir geben Ihnen Tipps zur Beratung von Patientenbesitzern.

Auslandsreisen

Mit dem Heimtier unterwegs

Eine Verordnung des Europäischen Parlaments regelt die Bestimmungen für das Reisen mit Heimtieren innerhalb der Mitgliedsländer.

Impfungen bei der Katze

Nicht nur für Freigänger

Katzen sollten schon als Welpe gegen lebensbedrohliche Infektionskrankheiten geimpft werden. Eine Behandlung erkrankter Katzen ist schwierig und oft aussichtslos.