Impfungen bei der Katze

Nicht nur für Freigänger

Katzen sollten schon als Welpe gegen lebensbedrohliche Infektionskrankheiten geimpft werden. Eine Behandlung erkrankter Katzen ist schwierig und oft aussichtslos.

Inhaltsverzeichnis

Von Dr. med. vet. Gabriele Schanen

Es ist kaum möglich, selbst eine gepflegte und gut gehaltene Katze ohne Schutzimpfung vor gefährlichen Viruskrankheiten zu schützen. Zusätzlich kann auch gegen einige bakterielle Erkrankungen und Hautpilzerkrankungen geimpft werden. Auch wenn die Impfung selbst immer dem Tierarzt obliegt, kann die TFA helfen, den Besitzer gut aufzuklären und individuelle Empfehlungen zu geben.

Impfstoff-Komponenten

Zu impfende Komponenten werden in Core-Komponenten (Pflichtimpfung) und Non-Core-Komponenten (Wahlimpfung) unterteilt. Core-Komponenten sind Impfstoff-Komponenten, die jedes Tier gegen lebensbedrohliche Virusinfektionen schützen und zu jedem Zeitpunkt eine Infektion verhindern können. Non-Core-Komponenten sind Impfstoff-Komponenten, deren Impfung nicht zwangsläufig erforderlich ist. Sie richten sich nach dem individuellen Infektionsdruck und dem möglichen Erregerkontakt des Tieres.

Core- und Non-Core-Komponenten

Zu den Core-Komponenten (Pflichtimpfungen) zählen bei der Katze die Impfungen gegen:

  • Katzenschnupfenkomplex (Felines Rhinotracheitis-/Herpesvirus, Felines Calicivirus),

  • Panleukopenie (Felines Parvovirus),

  • Tollwut (Rabiesvirus).

Deutschland ist seit 2008 frei von klassischer Tollwut. Die Impfung ist nach wie vor sinnvoll, da gegen Tollwut geimpfte Tiere nach der Tollwutverordnung bei Kontakt mit seuchenverdächtigen Tieren bessergestellt sind.

Zu den Non-Core-Komponenten (Wahlimpfungen) zählen bei der Katze die Impfungen gegen:

  • Feline Leukose (Felines Leukämievirus, FeLV),

  • Chlamydiose (Chlamydophila felis),

  • Bordetella (Bordetella bronchiseptica),

  • Feline infektiöse Peritonitis (Felines Coronavirus),

  • sowie die Impfung zur Reduktion von Hautpilzerkrankungen (Trichophyton-, Microsporum-Pilzstämme; Impfung ab einem Lebensalter von zehn Wochen in stark befallenen Katzenbeständen möglich).

Tabellarische Übersichten über Erkrankungen, gegen die eine Impfung mit Core-Komponentensowie mit Non-Core-Komponenten schützen kann, finden Sie im Anhang (01, 02).

Was ist bei den Non-Core-Komponenten zu beachten?

Chlamydia felis

Bei der Impfung gegen Chlamydiose sollte beachtet werden, dass alle Katzen im gleichen Haushalt mit einem Chlamydien-Impfstoff geimpft werden, denn je nach Immunitätslage können geimpfte und latent infizierte Katzen zu Ausscheidern werden. Lebendimpfstoffe können eine Infektion bei nicht-geimpften, immungeschwächten Tieren auslösen! Chlamydien können auch beim Menschen in ganz seltenen Fällen eine Lungen- oder Bindehautentzündungen bedingen bzw. Ursache für eine ausbleibende Schwangerschaft sein.

Bordetella bronchiseptica

Das gram-negative Bakterium wird durch Tröpfcheninfektion übertragen und kann zu Schnupfen und milder Lungenentzündung führen. Die Impfung erfolgt in ein Nasenloch, um die örtliche Immunität zu erhöhen. Das Mindestimpfstoffalter liegt bei vier Wochen. Die Impfung wird empfohlen bei hohem Infektionsdruck sowie bei Aufenthalten in Ausstellungen oder Tierpensionen. Sie sollte mindestens eine Woche vor dem zu erwartenden Kontakt erfolgen. Die Dauer der Immunität beträgt ein Jahr. Zeitgleich darf kein Antibiotikum verabreicht werden, da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt. Das Antibiotikum würde die Wirkung der Impfung aufheben.

Feline infektiöse Peritonitis

Der Erfolg der FIP-Impfung (Primucell® FIP; lebendes abgeschwächtes FIP-Virus) wird kontrovers diskutiert: Nach intranasaler Applikation in beide Nasenlöcher soll sich eine örtliche Schleimhautimmunität im Nasen-Rachen-Raum ausbilden und die Abwehr gegen eine Infektion erhöhen. Das Impfvirus kann sich nur im Nasen-Rachen-Raum (bei 31 °C) vermehren, nicht aber im restlichen Körper (bei 38–39 °C). Die Erstimpfung erfolgt im Alter von 16 Lebenswochen, eine weitere Impfung im Abstand von drei Wochen.

Geimpft werden dürfen nur Katzen, die noch keinen Kontakt mit dem felinen Coronavirus hatten und somit im Blut negativ getestet wurden, was im Alter von 16 Lebenswochen jedoch selten der Fall ist.

Die FIP-Erkrankung selbst beruht auf einer Mutation (Kopierfehler im Genom) des felinen Coronavirus: Das harmlose Coronavirus schädigt nur die Darmzellen und kann je nach Infektionslast Durchfall verursachen. Bei erhöhtem Infektionsdruck und häufiger Reinfektion steigt die Wahrscheinlichkeit der Mutation des harmlosen Coronavirus zum tödlichen FIP-Virus.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Impfung

Gesundheit und Entwurmung

Geimpft werden können grundsätzlich nur gesunde Katzen, um Impfreaktionen zu vermeiden. Erkrankte Katzen bzw. mit Ekto- oder Endoparasiten befallene Tiere sollten vorerst therapiert und der Impftermin auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Allgemein empfohlen wird eine Entwurmung der Katze mindestens zehn Tage vor dem geplanten Impftermin, da Wurmbefall die Ausbildung eines ausreichenden Impftiters negativ beeinflussen kann.

Ausschluss einer FeLV-Infektion

Bei Jungkatzen und Katzen mit unklarem Felinem-Leukämievirus-Status kann ein FeLV-Antigentest nach Blutentnahme durchgeführt werden, da eine Leukose-Impfung bei infizierten Katzen unwirksam ist.

Ausschluss einer FIV-Infektion

Gegen das Feline Immundefizienz-Virus (FIV, Katzen-AIDS) gibt es in Deutschland keine Impfung. Der FIV-Test basiert auf dem Nachweis von Antikörpern im Blut. Der FIV-Test kann bei Katzenwelpen bis zum fünften Lebensmonat positiv ausfallen, ohne dass der Welpe Träger des Virus ist. Durch noch vorhandene maternale Antikörper im Blut kann der Test falsch positiv ausfallen. Eine sichere Aussagekraft hinsichtlich des Infektionsstatus hat dieser ELISA-Test also erst ab einem Lebensalter von sechs Monaten.

Wenn die Katze mit FeLV infiziert ist

Die Folge einer FeLV-Infektion ist die Immunsuppression, die schwerwiegender ist als bei FIV-infizierten Katzen. Daher sollte eine FeLV-infizierte Katze gegen andere Infektionen geimpft werden. Es sollten jedoch Totimpfstoffe eingesetzt werden, da Lebendimpfstoffe bei immungeschwächten Tieren eventuell zum Ausbruch der Krankheit führen könnten. Da der Impfschutz einer FeLV-infizierten Katze nicht mit dem einer gesunden Katze vergleichbar ist, sollte – insbesondere bei Freilauf – alle sechs Monate geimpft werden.

Wenn die Katze mit FIV infiziert ist

FIV-infizierte Katzen sind empfänglicher für Sekundärinfektionen, sodass eine Impfung gegen andere Infektionen angezeigt scheint. FIV-infizierte Katzen sind in der Lage, nach Impfungen Antikörper zu bilden; jedoch kann eine Impfung zu einem Fortschreiten der FIV-Infektion führen. Daher sollten nur solche Katzen geimpft werden, die einem hohen Infektionsrisiko (Freigänger, mehrere Tiere und andere Tiere im Haushalt) ausgesetzt sind. Die Impfung sollte hier mit einem Totimpfstoff erfolgen.

Eine Interprationshilfe für den FeLV-Antigentest finden Sie unten zum kostenlosen Download.

Impfintervalle

Die Gedächtniszellen im Blut produzieren nach einer Impfung ständig Antikörper nach. Antikörper, die mit der Zeit abgebaut werden, werden somit durch neue Antikörper ersetzt: Diese sogenannten Antikörper-Impftiter können Impfantigene bei nachfolgenden Impfungen neutralisieren, daher wurde das Impfintervall für bestimmte Impfantigene inzwischen verlängert.

Der Beginn der Immunität sowie die Dauer der Immunität müssen den Herstellerangaben (Beipackzettel) für die jeweiligen Impfstoffe entnommen werden.

Panleukopenie- und Tollwut-Komponenten gewährleisten eine Immunität von drei Jahren, d. h. sie müssen nach erfolgter Grundimmunisierung nur alle drei Jahre wiederholt geimpft werden.

Rhinotracheitis- und Calicivirus-Komponenten können bei fehlendem Infektionsdruck (z. B. reine Wohnungskatzen) im Abstand von zwei Jahren verabreicht werden. Empfohlen wird jedoch die jährliche Wiederholungsimpfung.

Die Leukose-Impfung sollte bei Freigängern vier Wochen nach der Erstimpfung auf jeden Fall nachgeimpft werden. Die Gefahr der Infektion mit dem Felinen Leukämievirus nimmt mit dem Lebensalter der Katzen ab. Längere Impfintervalle von zwei bis drei Jahren sind jedoch frühestens bei Katzen angezeigt, die älter als drei bis vier Jahre sind.

Impfschemata aktive Immunisierung

Bis zur achten Lebenswoche sind Katzenwelpen über die Muttermilch durch maternale Antikörper geschützt, erst danach ist eine Grundimmunisierung sinnvoll. Sie erfolgt in der Regel aktiv mit Lebend- und Totimpfstoff nach einem festen Schema. Die Impfung erfolgt mit einem sogenannten RCP-Impfstoff (Dreifachimpfung). Er richtet sich gegen das Rhinotracheitis- und Calicivirus (Erreger des Katzenschnupfens) sowie das Parvovirus (Erreger der Katzenseuche). Für Katzen ab einem Jahr reicht nach der Erstimpfung eine Booster-Impfung (Auffrischung) nach drei bis vier Wochen. Eine Übersicht für die Grundimmunisierung von Katzenwelpen sowie für Katzen ab einem Alter von einem Jahr finden Sie unten kostenfrei zum Herunterladen.

Impfstoff mit Totimpfstoff

Die Vorteile eines komplett inaktivierten Totimpfstoffs liegen darin, dass ein Einschleppen von lebenden Viren in erregerfreie Katzenbestände minimiert wird und ein Aufblühen einer latenten Infektion nach der Impfung vermieden werden kann. Es findet zudem keine Vermehrung des Impfstamms im geimpften Tier statt. Der Impfstoff ist somit sicher in der Anwendung bei Katzen, die subklinisch andere Krankheitserreger in sich tragen.

Impfstoffe mit komplett inaktiviertem Virus sollten bei größeren Katzenbeständen (mehr als sechs Katzen im Bestand), evtl. Katzen aus Zuchtbeständen mit erhöhtem Infektionsdruck, Tierheimkatzen, Findlingskatzen, FIV-positiven Katzen und FeLV-positiven Katzen eingesetzt werden. FeLV-infizierte Katzen sollten alle sechs Monate geimpft werden.

Bei Injektion von Totimpfstoff während einer Inkubationsphase oder Verabreichung an immunsupprimierte Katzen, kann es zu Fieber und Anorexie über zwei bis drei Tage kommen, was als Zeichen des reagierenden Immunsystems gewertet wird. Sollte eine solche Reaktion auftreten, ist eine Wiederholungsimpfung erforderlich, da man davon ausgehen kann, dass es beim ersten Mal zu keiner ausreichenden Antikörperbildung gekommen ist.

Passive Immunisierung

Erkrankte Tiere können prophylaktisch und therapeutisch mit einem Hyperimmunserum (Feliserin® Plus) behandelt werden. Es enthält Antikörper gegen das Feline Calicivirus, das Feline Herpesvirus-1 (FHV-1) und das Feline Panleukopenievirus. Es wird subkutan verabreicht und kann örtlich auf die viralen Eintrittspforten (Augen, Nasenlöcher, Maulschleimhaut) aufgetragen werden, um die lokale Abwehr zu stärken.

Die Serumgewinnung erfolgt in Pferden und es können nach Injektion Antikörper gegen das Pferdeserum gebildet werden: Wegen möglicher anaphylaktischer Schockreaktionen sollte das Immunserum nicht länger als max. fünf bis sieben Tage gegeben werden bzw. nicht im Abstand von einer Woche wiederholt werden.

Über die Autorin

Dr. med. vet. Gabriele Schanen ist Fachtierärztin für Kleintiere an der Tierärztlichen Klinik für Kleintiere Trier.

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