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Parasitensteckbrief

Rote Vogelmilbe erkennen und behandeln

Die Rote Vogelmilbe kommt weltweit vor und befällt Hausgeflügel, vor allem Hühner, sowie Wildvögel. So erkennen Sie den Ektoparasit - und werden ihn wieder los.

Von Dr. med. vet. Ronald Schmäschke

Morphologie

Die Rote Vogelmilbe ist ein blutsaugender temporärer Ektoparasit, sie gehört zu den mesostigmatischen Milben. Diese besitzen zwischen dem 3. und 4. Beinpaar Stigmenöffnungen mit einem nach vorn verlaufendem Kanal (Peritremalkanal, siehe Abb. 1 in der Bildergalerie). Adulte Milben sind etwa 0,7 x 0,4 mm groß (Männchen etwas kleiner), mit acht gut entwickelten Laufbeinen (siehe Abb. 2 in der Bildergalerie). Die Mundwerkzeuge sind stilettförmig, auf dem Körper befinden sich artspezifische Borsten und stärker chitinisierte Schilde (Sternalschild, Analschild).

Wirte

Rote Vogelmilben sind häufige Ektoparasiten und kommen weltweit vor. Sie befallen sowohl Hausgeflügel (besonders Hühner) als auch Wildvögel.

Lebenszyklus

Vogelmilben verstecken sich tagsüber z. B. in Nestern, Ritzen und Sitzstangen, nachts suchen sie aktiv ihre Wirte auf. Nach jeder Blutmahlzeit legt ein Weibchen fünf bis acht Wochen täglich Eier. Es schlüpft zuerst ein sechsbeiniges Larvenstadium, nach jeweils einer Häutung folgen zwei Nymphenstadien, dann die adulten Milben. Der Entwicklungszyklus dauert bei günstigen Bedingungen (hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit) sieben Tage, es kann sehr schnell eine Milbenplage entstehen. Die Einschleppung erfolgt über befallene Vögel, Wildvögel, Personen oder Gegenstände.

Nachweis

Untersuchung der Schlupfwinkel in der Umgebung, der Nachweis/die Milbenbestimmung erfolgt mikroskopisch. Die Milben werden in einem Tropfen 10 %iger Kalilauge aufgehellt, damit die für die Bestimmung wichtigen Strukturen (Peritremalkanal, Mundwerkzeuge, Analschild, Sternalschild, Körperbeborstung) gut sichtbar werden (siehe Abb. 1, 3 in der Bildergalerie). Differenzialdiagnostisch sind die Nordische Vogelmilbe (Ornithonyssus sylviarum), die Tropische Rattenmilbe (Ornithonyssus bacoti) und freilebende mesostigmatische Milbenarten zu beachten. Die beiden Ornithonyssus-Arten haben ein ovales Analschild, die Rote Vogelmilbe ein trapezförmiges (siehe Abb. 3 in der Bildergalerie).

Klinisches Bild

Vogelmilbenbefall führt zu einer ständigen Beunruhigung der Vögel, morgens sind sie oft schläfrig. Es kommt zu Schwäche, gestörtem Allgemeinbefinden und Leistungsabfall. Die Milben lösen erheblichen Juckreiz aus und die dadurch verstärkte Putzaktivität kann Hautentzündungen, kahle Hautstellen, Federschäden und -ausfall bewirken. Der Blutentzug kann eine Blutarmut (Anämie) verursachen. Bei sehr hohem Befall dringen die Milben auch in den Gehörgang oder andere Körperöffnungen ein. Bei Jungtieren sind Todesfälle durch starken Milbenbefall möglich. Durch ihre Lebensweise spielen Milben auch als Überträger von Krankheitserregern eine Rolle.

Prophylaxe/Behandlung

Gründliche mechanische Reinigung der Ställe und Einrichtungsgegenstände (diese ggf. austauschen) mit Dampfstrahlern, anschließender Einsatz von Akariziden. Für die Kontrolle auf Milbenbefall können Klebefallen eingesetzt werden.

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