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Kleintierernährung

Schluss mit den Ernährungsmythen

Immer mehr Besitzer wollen ihre Tiere artgerecht und ausgewogen füttern. Doch welche Informationen sind richtig, welche falsch? Wir entlarven Märchen und klären Fakten.

Inhaltsverzeichnis

Von Lisa-Marie Petersen

Um die Ernährung von Hund und Katze geistern zahlreiche Behauptungen und Mythen: Getreide soll Allergieauslöser Nummer eins sein, Trockenfutter zu viel Zucker enthalten und für Katzen vollkommen ungeeignet sein.

Die Unsicherheit unter Tierbesitzern ist groß. Grund genug, den größten Ernährungsmythen auf den Grund zu gehen.

Fleisch ist die beste Nahrung für Hund und Katze - sein Anteil bestimmt die Qualität des Futters

Falsch. Was stimmt ist, dass Hunde und Katzen zu den Fleischfressern zählen. Ihr Verdauungstrakt ist so gestaltet, dass sie die Hauptbestandteile von Fleisch - Eiweiß und Fett - sehr gut verdauen können. In freier Natur fressen sie allerdings kein Fleisch, sondern erlegte Beutetiere, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes „mit Haut und Haar“. Nur durch die Aufnahme des ganzen Tieres inklusive Knochen, Blut, Organen, Darminhalt mit darin enthaltenen Faserstoffen sowie Körperfett können sie ihren kompletten Nährstoffbedarf decken.

Faserstoffe sind zum Beispiel wichtig, da sie unter anderem die Darmbewegung und damit die Verdauung anregen. Hunde haben ihre Ernährung im Zuge der Domestikation mehr und mehr dem Nahrungsspektrum des Menschen angepasst, in dem die Kohlenhydrate eine große Rolle spielen.

Fest steht: Eine Ration, die nur aus Fleisch besteht, ist nicht vollwertig. Im Gegenteil: Sie führt zu Mangelerscheinungen. Fleisch liefert zwar hochwertiges Protein, für die Gesunderhaltung bedarf es aber zahlreicher weiterer Nährstoffe wie Vitamine, Spuren- und Mengenelemente.

Ist das ideale Futter für Juckreizpatienten getreidefrei?

Juckreiz hat viele Gesichter, nicht immer steckt eine Allergie gegen Futterkomponenten dahinter. Häufig sind auch Parasiten, hormonelle Imbalancen, bakterielle Infektionen oder Umweltantigene der Auslöser. Getreide an sich enthält keine „Juckstoffe“, Tiere können aber auf das enthaltene Protein einer Getreidesorte allergisch reagieren.

Eine Allergie richtet sich jedoch nicht pauschal gegen jedes Getreide oder Getreideprodukt. Manche Tiere vertragen zum Beispiel Weizen, aber keinen Mais. Studien konnten zeigen, dass Getreideeiweiße nicht häufiger allergen sind, als tierische Eiweiße.

Ob ein Tier von einer Futtermittelallergie betroffen ist, kann der Tierarzt mit einer sogenannten Ausschlussdiät herausfinden. Bestätigt diese den Allergieverdacht, muss geklärt werden, welche Futterkomponente der Vierbeiner nicht verträgt. Eine Getreideallergie per se gibt es nicht, ein Tier kann empfindlich auf das Eiweiß einer bestimmten Getreidesorte reagieren.

Ist Getreide nur ein billiger Füllstoff?

Getreide ist ein richtiges Kraftpaket: Es liefert Hund und Katze gut verfügbare Energie in Form von Kohlenhydraten. Diese sind in der Ernährung der Tiere zwar kein Muss, sie schaden ihnen aber auch nicht. Bei kommerzieller Tiernahrung wird die Stärke im Verarbeitungsprozess mithilfe von Druck und Wärme so aufgeschlossen, dass sie für die Tiere gut verdaulich ist.

Untersuchungen haben ergeben, dass sich die Gene des Hundes im Zuge seiner Domestikation zum Haushund so verändert haben, dass er Stärke besser verdauen kann, als sein Vorfahr, der Wolf. Bei einer kohlenhydratfreien Fütterung muss der Energiebedarf ausschließlich über Eiweiß und Fett gedeckt werden − dies kann den Stoffwechsel belasten. Für Tiere mit Leber- oder Nierenerkrankungen sowie säugende Hündinnen sind Kohlenhydrate als Energieträger unverzichtbar. Lediglich bei Diabetikern sollte ihr Gehalt reduziert werden.

Lässt zu viel Protein einen Welpen zu schnell wachsen?

Nein. Wie schnell ein Welpe in die Höhe schießt, hängt nicht mit dem Eiweißgehalt der Nahrung, sondern mit der aufgenommenen Gesamtenergie zusammen. Fett liefert zum Beispiel mehr Energie als Eiweiß oder Kohlenhydrate. Je größer die Portionen, desto mehr Kalorien enthalten sie. Je energiereicher ein Hund frisst, desto schneller nimmt er zu und erreicht seine Endgröße. Diese ist im Übrigen genetisch festgelegt und nicht durch die Fütterung beeinflussbar.

Um ein zu schnelles Wachstum und die daraus resultierende Skelettbelastung durch ein zu hohes Körpergewicht zu vermeiden, sollte die Futtermenge so kalkuliert werden, dass Energie-und Nährstoffbedarf optimal gedeckt sind, ohne dass eine energetische Überversorgung entsteht. Demnach ist ein freier Zugang zum Futter nicht anzuraten.

Gerade in den ersten Lebensmonaten ist es sinnvoll, Wachstum und Gewichtsentwicklung konsequent zu überwachen: Der Jungspund sollte regelmäßig gewogen und das Gewicht in eine Wachstumskurve eingetragen werden. Wächst der Hund zu schnell, muss die Energiezufuhr gedrosselt werden.

Zerstört die industrielle Herstellung wichtige Nährstoffe?

Um eine ausreichende Keimabtötung zu garantieren, müssen tierische Inhaltsstoffe im Futter immer auf Temperaturen von 130 Grad erhitzt werden. Bei der Herstellung von Trockennahrung wird meist das sogenannte Extrusionsverfahren eingesetzt: Unter Einsatz von Druck und Wärme wird die Futtermischung durch eine Düse in verschiedene Formen gepresst und anschließend getrocknet.

Eine weitere Methode ist die Kaltpressung. Bei dieser Herstellungsform werden Temperaturen von 60 Grad verwendet, wobei tierische Komponenten in einem Pre-Processing-Schritt auf 130 Grad erhitzt werden müssen. Feuchtnahrung erhält ihre Haltbarkeit mittels Hitzesterilisation im sogenannten Autoklaven.

Druck und Hitze können unterschiedliche Auswirkungen haben: Durch die Veränderung der chemischen Struktur wird im Falle von Stärke eine bessere Verdaulichkeit erreicht. Vitamine, vor allem B-Vitamine und Folsäure, leiden hingegen unter den hohen Temperaturen. Aus diesem Grund werden vor dem Herstellungsprozess vitaminreiche Futterkomponente wie Leber sowie Vitamine zugesetzt. Dies garantiert, dass der Bedarf der Tiere über die gesamte Haltbarkeitsdauer gedeckt ist.

Über die Autorin

Als Tierärztin horcht Lisa-Marie Petersen gern am Ort des Geschehens nach: Was beschäftigt die Tiermedizin derzeit? Interessante Themen verarbeitet die Fachjournalistin dann in redaktionellen Beiträgen für Print- und Onlinemedien.

Praxistipp: Ein kostenfreier Ratgeber aus der Reihe "10 Fragen/Antworten" von Der Praktische Tierarzt informiert Tierhalter über Ernährungsmythen bei Hund und Katze. Leicht verständlich und fachlich auf dem neuesten Stand werden die zehn wichtigsten Fragen zum Thema beantwortet. Die handliche Broschüre können Sie hier bestellen, um Sie im Wartezimmer auszulegen oder an Patientenbesitzer zu verteilen.

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