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Die Kommunikation sollte offen sein, ein persönlicher Ansprechpartner wäre hilfreich – das sind Wünsche vieler Studierender im Praktikum.
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Die Kommunikation sollte offen sein, ein persönlicher Ansprechpartner wäre hilfreich – das sind Wünsche vieler Studierender im Praktikum.

Erwartungen an das Praktikum

Sehen – und gesehen werden

Infos vorab, ein persönlicher Ansprechpartner – und eine offene Haltung des Teams: In Berlin diskutierten Tiermedizinstudierende, was sie sich für ihre Praktika wünschen würden.

Die Chance schlechthin“, nannte DVG-Präsident Prof. Dr. Martin Kramer in einer kurzen Begrüßungsansprache den Studierenden-Workshop des Bundesverbandes der Veterinärmedizinstudierenden Deutschland (bvvd), der während des DVG-Vet-Congresses in Berlin stattfand. Um Praktika für Tiermedizinstudierende sollte es hier gehen. Und wenn Kramer von einer „Chance“ sprach, dann war hier wohl nicht ausschließlich die Chance für die Studierenden gemeint, sich über ihre Erfahrungen, ihre Hoffnungen und Wünsche auszutauschen – sondern auch die Chance, die für Praxen und Kliniken besteht, wenn sie Praktika anbieten. Denn: Ausschlaggebend bei der Planung des Berufseinstiegs und der Wahl des Arbeitgebers sind wohl in vielen Fällen die tierärztlichen Praktika während des Studiums.

Geleitet wurde der Workshop von Lea Fried und Carolin Sprenzel vom bvvd, der auf seiner Website auch einen Praktikumsleitfaden und Praktikumsempfehlungen bereithält. „Was ist euch wichtig?“, luden die beiden Moderatorinnen zunächst alle anwesenden Studierenden ein, ihre Ansprüche an Praktika zu formulieren. „Es wäre schön, wenn man vorab mehr wüsste als nur, wann man da sein soll“, lautete eine Antwort, der sich viele der Teilnehmer anschließen konnten. „Wie ist es grob organisiert, welche Utensilien soll man mitbringen – man muss ja den Rest seines Lebens organisieren. Man merkt dann auch, ob eine interne Struktur in der Praxis vorhanden ist, ob geklärt ist, welcher Tierarzt welche Ausrüstung erwartet.“

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Mentoren im Praktikum gewünscht

Auch andere organisatorische Themen haben für die Studierenden Bedeutung: Als wichtig stellte es die Mehrheit in Berlin dar, einer festen Ansprechpartnerin oder einem festen Ansprechpartner zugeordnet zu werden, an die oder den man sich bei Fragen und Problemen wenden kann – auch wenn dies nicht die Person sein muss, die man regelmäßig bei der tierärztlichen Tätigkeit begleitet.

Größeren Raum nahm in der Diskussion auch die Frage nach der Entlohnung ein. Man war sich einig, dass eine Bezahlung für viele Studierende eine fast unverzichtbare Unterstützung ist, da sie während der Praktika ihre Nebenjobs aufgeben müssen. Die Anwesenden berichteten von Fällen, in denen bereits überlegt wird, fachliches Interesse, etwa an Nutztieren, zurückzustellen, um Plätze anzunehmen, die wenigstens ein Gehalt bieten. Da aber gerade die Unterkunft oft schwer zu realisieren sei, seien eine Praktikantenwohnung oder ein Mietzuschuss oft ebenfalls eine besonders große Hilfe.

Eigene Spalte im Terminkalender

Besonders intensiv diskutiert wurden in Berlin aber Aspekte wie Kommunikation und Führungsstile, die nicht erst später in der tierärztlichen Tätigkeit im Team, sondern auch schon in den Praktika täglich eine Rolle spielen. Die Anwesenden wünschten sich, individuell wahrgenommen zu werden – auch in ihren Grenzen: „Oft gibt es den direkten Vergleich mit dem Vorpraktikanten, der schon viel operiert hat. Trotzdem sollte es Entwicklungsmöglichkeiten auch für den blutigen Anfänger geben“, lautete eine Wortmeldung. „In den Praxen sollte man daran denken, dass manche Studierende nur ein einziges Schülerpraktikum gemacht haben und acht Wochen nach dem Abi wieder im Hörsaal saßen.“

Als besonders positive Erfahrung wurde es geschildert, eine eigene Spalte im digitalen Terminkalender der Praxis zu erhalten, sodass es für das Team sichtbar wurde, wenn Praktikanten, von Tierärzten begleitet, Aufgaben übernahmen: „Plötzlich hatten Tierhalter sozusagen einen Termin bei mir – etwa für eine Impfung, eine Wund­reinigung oder eine Verhaltensberatung. Mir wurde dadurch das Gefühl von sehr viel Wertschätzung vermittelt“, berichtete ein Student. Allerdings vermissten einige Studierende auch grundlegende kommunikative Skills innerhalb der Teams, die sie in den Hospitanzen kennenlernten: Tierärzte stellten sich nicht vor oder es wurde nicht klar kommuniziert, ob man sich in der Praxis duzt oder beim Sie bleiben sollte; einige Teilnehmer des Workshops hatten sich während ihrer Praktika als geradezu „unsichtbar“ empfunden.

Ein Tipp aus dem Kreis der Teilnehmer lautete: Ein kleiner Beitrag, wenn auch nur ein organisatorischer, könne hier schon geleistet werden, indem Praktikanten sich mit einem Foto und einem kurzen Text auf der Pinnwand der Praxis vorstellen dürfen – auch wenn das kein Ersatz für das Etablieren einer offenen und wertschätzenden Kommunikationskultur ist.

Dabei zeigten die Workshop-Teilnehmer aber auch, dass sie die Probleme anderer Generationen bei ihren ersten Ausflügen in die Arbeitswelt sehr bewusst registrieren: Als besonders gestresst und von den Arbeitsbedingungen frustriert nehmen sie 35- bis 45-jährige Tierärztinnen und Tierärzte wahr, während sie den Eindruck haben, dass die älteren Arbeitnehmer in der Branche, die „Babyboomer“, schwierige Arbeitsbedingungen schon nicht mehr hinterfragen, sondern sie akzeptieren und dabei oft zynisch werden.

„Für künftige Diskussionsrunden über das Thema ist es uns wichtig, dass mehr Tierärzte und damit Anbieter von Praktika zum Kreis der Studierenden hinzukommen und sich einbringen“, zieht Diskussionsleiterin Lea Fried, Studentin an der FU Berlin, eine Bilanz des Workshops. Als dringendste Anliegen der Studierenden hinsichtlich ihrer Praktika identifiziert Fried die Atmosphäre und die Kommunikation während der Hospitanzen, die Möglichkeit, dabei effektiv First-Day-Skills aufzubauen, und die Frage nach Unterkunft und Vergütung. (Christina Hucklenbroich)

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