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Studie

So nehmen Pferde Hindernisse wahr

An der Universität Exeter wurde untersucht, wie Pferde farbige Hindernisse wahrnehmen. Signalfarben könnten die Rennbahn sicherer machen.

Von Dr. med. vet. Viola Melchers

Für Pferde sieht die Welt anders aus als für die meisten Menschen. Sie sehen dichromatisch, ähnlich wie Menschen bei einer Rot-Grün-Blindheit. Doch auf der Rennbahn ist die Farbgebung traditionell auf das menschliche Auge ausgerichtet: In Großbritannien wird ein leuchtendes Orange als Signalfarbe genutzt, um Absprungbretter, Rahmen und Mittelbalken der Hindernisse deutlich zu kennzeichnen. Für die Jockeys sind die Hindernisse so sehr gut zu erkennen. Aber gilt das auch für die Pferde? Oder wären Hindernisse in anderen Farben für die Tiere besser sichtbar und damit weniger unfallträchtig? Wissenschaftler der Universität Exeter haben im Auftrag der British Horseracing Authority untersucht, wie unterschiedlich gefärbte Hindernisse von Pferden wahrgenommen werden.

Mit den Augen der Pferde

Zunächst haben die Wissenschaftler auf elf verschiedenen britischen Rennbahnen bei unterschiedlichen Wetterbedingungen und zu verschiedenen Tageszeiten insgesamt 131 Hindernisse im traditionellen Orange fotografiert. Die Bilder wurden so konvertiert, dass sie der Wahrnehmung von Pferden entsprachen. Anschließend konnten die Forscher messen, wie gut die farbigen Teile der Hindernisse gegen ihren Hintergrund sichtbar waren. Gleichzeitig wurde die Wirkung alternativer Farben mit unterschiedlicher Lumineszenz unter denselben Bedingungen ermittelt. Blau, Gelb und Weiß erwiesen sich als deutlich besser sichtbar als Orange.

Weiß und Gelb ist gut zu sehen

Im zweiten Teil der Untersuchung wurde getestet, ob die Farbe des Hindernisses den Sprung beeinflusst. 14 Pferde sprangen mehrmals über zwei Hindernisse, die sich jeweils nur durch die Farbe des Absprungbretts und des Mittelbalkens unterschieden. Die Sprünge konnten mithilfe von Standbildern aus Videoaufnahmen vermessen werden. Tatsächlich hatte die Farbe signifikanten Einfluss: War das Absprungbrett hellblau, sprangen die Pferde in einem steileren Winkel ab als bei einem orangenen Brett. War der Absprung weiß gekennzeichnet, sprangen sie in größerer Entfernung vom Hindernis ab. Sie landeten näher am Hindernis, wenn es fluoreszierend gelb war.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass viele Farben dem traditionellen Orange überlegen wären. Sie empfehlen für maximale Sichtbarkeit und Sicherheit beim Sprung ein weißes Absprungbrett und fluoreszierendes Gelb für den Mittelbalken.

Hier können Sie die Originalpublikation lesen.

Über die Autorin

Als Fachjournalistin arbeitet Dr. med. vet. Viola Melchers vor allem für die Fachzeitschrift Der Praktische Tierarzt und das Portal Vetline.de. Die promovierte Tierärztin schreibt über Spannendes aus der veterinärmedizinischen Praxis und Wissenschaft.

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