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Elisabeth Peus mit einer jungen Brieftaube, zu erkennen an den gelben Fusselchen an den Federenden, den kurzen Flügeln und dem großen „nackten“ Schnabel.
Foto: Elisbeth Peus
Elisabeth Peus mit einer jungen Brieftaube, zu erkennen an den gelben Fusselchen an den Federenden, den kurzen Flügeln und dem großen „nackten“ Schnabel.

Patient Taube

Tauben vertragen viel, bloß kein Penicillin

Dr. Elisabeth Peus fand Vögel schon seit dem Kindesalter faszinierend und leitet heute eine reine Taubenklinik in Essen. Wir stellen Ihnen die Taubenexpertin in unserer Reportage vor.

Oh Schreck, eine Taube wird ins Behandlungszimmer der Kleintierpraxis gebracht. Wie geht man am besten vor? Da Tauben nicht zu den typischen Patienten gehören, ist man gern mal überfordert. Kompetente Hilfe gibt es bei Dr. Elisabeth Peus, Leiterin der Taubenklinik Essen.

Die Leidenschaft für Vögel begann im Kindesalter

Mitten im Ruhrgebiet in Essen steht eine Klinik der besonderen Art. Dort werden keine Katzen oder Hunde behandelt, sondern ausschließlich Federvieh. Leiterin der Taubenklinik ist Dr. Elisabeth Peus. Für die leidenschaftliche Tierärztin waren Vögel schon immer faszinierende Tiere. „Als ich ein Kind war, ist uns ein Vogel zugeflogen. Wir durften ihn nur behalten, weil mein Vater das juristische Problem so spannend fand, dass wir ihn rein rechtlich weder behalten noch abgeben durften. So bin ich zu meinem ersten Haustier gekommen und die Liebe zum Vogel ist bis heute geblieben“, erzählt die Tierärztin, die aktuell Kakadus hält.

Peus stammt gebürtig aus dem Ruhrgebiet und als sich die Stelle an der Taubenklinik vor 14 Jahren ergab, packte sie ihr Glück am Schopf. „Bei so einer Stelle zählt nicht nur die Qualifikation, sondern man muss auch Glück haben“, berichtet sie ehrlich. Zu ihren täglichen Aufgaben zählen die Sprechstunde, das Labor, Operationen und der rege Austausch mit Kollegen und Züchtern über Neuigkeiten aus der Taubenwelt.

Die Taubenklinik

1972 wurde die Taubenklinik vom Deutschen Brieftaubenzüchterverband e. V. gegründet. Man wollte einen stationären Ort, wo die Tauben optimal behandelt werden können. Seit 2006 befindet sich die Klinik im Norden von Essen. „Wir haben nach wie vor viele Brieftaubenkunden, aber auch Stadttauben, Rassetauben, Flugtauben und viele Ziervögel hier“, erzählt Peus. An ihrem Job liebt sie, dass sie es mit unterschiedlichen Vögeln zu tun hat und sich in der Brieftaubenszene früh die Bestandsbetreuung durchgesetzt hat. „Oft kommen Züchter mit völlig gesunden Tieren, die einfach nur wissen wollen, ob die Tauben für den nächsten Flug fit genug sind. Das finde ich toll!“

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Tauben sind Felsenbewohner

Tauben sind Felsenbewohner und somit perfekt an unsere heutigen Städte angepasst. Sie finden genug Nischen zum Brüten und ausreichend Futterreste. Ursprünglich stammt die Stadttaube von der Felsentaube ab. Sie wurde gezielt in Menschennähe geholt, um ihre Eier und ihr Fleisch zu nutzen. Aus der Felsentaube sind durch Züchtung Rassetauben, Brieftauben oder Flugtauben entstanden. „Vor allem im Balkangebiet und arabischen Raum sind die Flugtauben sehr beliebt. Sie zeigen ein Dauerflugverhalten in die Vertikale. Die Tauben überschlagen sich und vollführen Kunststücke in der Luft. Ringeltauben beispielweise zeigen ein aufwändiges Balzverhalten, bei dem sie in der Luft klatschen. Damit lässt sich in jede beliebige Richtung züchten,“ erklärt die leidenschaftliche Taubentierärztin.

Typische Taubenkrankheiten

Trichomonaden hat jede Taube in ihrem Leben mal gehabt. Adulte Tiere kommen damit gut zurecht. Problematisch ist es für junge oder immunsupprimierte Tauben. Häufig sind Stadt- oder Ringeltauben heftig mit Trichomonaden befallen.  „Trichomonaden sind behandelbar, natürlich hängt der Behandlungserfolg vom jeweiligen Krankheitsstadium ab“, gibt Peus zu bedenken. Die rechtliche Situation bezüglich der Arzneimittel wird zunehmend schwierig.

In den 80er Jahren kam die Paramyxovirose der Tauben auf. Ein Virus, der eng mit dem Erreger der Newcastle Disease verwandt, aber mehr oder weniger ein reines Taubenproblem ist. Paramyxovirose ist weit verbreitet und endemisch. Die Brieftaubenzüchter haben sich seit 1988 eine verbandsinterne Impfpflicht auferlegt, um die Krankheit in den Griff zu bekommen.

„Das Vorurteil, dass Tauben die Ratten der Lüfte sind und viele Krankheiten übertragen, kann ich nicht bestätigen“, erklärt Peus. Von anderen Säugetieren wie Hunden oder Katzen kann man sich leichter Krankheiten holen, als von der Taube. Probleme entstehen eher haltungsbedingt für Taubenbesitzer. „Im Taubenkot siedeln sich Pilze an und trockener, aufgewirbelter Kot kann zu Staublungen führen. Das betrifft jedoch das Hygienemanagement und nicht die Taube an sich“, stellt Peus klar.

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Abstriche sind hilfreich

„Grundsätzlich ist es bei Tauben immer hilfreich, Abstriche zu machen“, erklärt Peus. Ein Kropfabstrich eignet sich zur Diagnostik von Trichomonaden. Öffnet der Tierarzt  den Schnabel, sieht man oft schon, ob der Rachenraum zerfressen ist, sodass das Tier schon gar nicht mehr schlucken kann.

Bei einer Kotuntersuchung kann man Parasiten wie Kokzidien nachweisen. Bei starken ZNS- Symptomen und Gewichtsverlust muss man immer an Paramyxovirose denken. „Zu Beginn zeigt sich das nur durch nassen Kot und Gewichtsverlust, ist also auch für mich nicht immer einfach zu erkennen“, erklärt Peus.

Mail-Verteiler zur Taubenmedizin nutzen

Eine geeignete Plattform, um sich über Medikamente für Tauben zu informieren, ist Vetidata von der Uni Leipzig. „Im Zweifel kann man immer bei uns nachfragen oder sich für den Verteiler anmelden“, erklärt Peus hilfsbereit. Die Vogeltierärztin lädt interessierte Tierärzte und Tierarztpraxen dazu ein, sich zu ihrem Mail-Verteiler anzumelden, um up to date zu bleiben was Taubenmedizin angeht. Sie publiziert viel auf der Homepage des Brieftaubenverbandes und versucht so auch interessierte Tierärzte zu informieren. „Das Problem bei den Medikamenten ist, dass sie leider bei Firmenfusionen vom Markt genommen werden, wenn sie sich nicht als lukrativ erweisen. Das ist sehr schade“, erläutert Peus. Als genereller Grundsatz gilt, dass Tauben zwar viel vertragen nur bloß kein Penicillin.

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Brieftauben sollte keine Federn gekrümmt werden

Tierärzten, die Tauben nicht so oft zu Gesicht bekommen, rät Peus, die Tiere so anzufassen, dass das Gefieder nicht zerstört wird. „Der Taubenhalter kann das Tier perfekt halten. Also im Zweifel den Besitzer mit einbeziehen, denn ohne Steuerfedern sind die Tiere ein Jahr außer Gefecht gesetzt und können nicht fliegen. Ansonsten sind Tauben tolle, menschenbezogene Tiere, die wirklich angenehm zu behandeln sind und mir viel Spaß bereiten“, erklärt die Vogelexpertin zum Abschluss des Gesprächs. (Daniela Diepold)

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Abszesse durch Trichomonaden bei einer verstorbenen Ringeltaube 
Foto: Elisabeth Peus Abszesse durch Trichomonaden bei einer verstorbenen Ringeltaube 
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