Foto: NASA

Projekt Icarus

Tierbeobachtung aus dem Weltall

Wissenschaftler wollen mehr über das Leben der Tiere auf der Erde herausfinden: auf welchen Routen sie wandern und unter welchen Bedingungen sie leben.

Von Dr. med. vet. Viola Melchers

In einem siebenstündigen Außeneinsatz haben die beiden russischen Kosmonauten Sergej Prokopjew und Oleg Artemjew Mitte August eine Antenne an der Internationalen Raumstation ISS angebracht und entfaltet. Damit ist Projekt Icarus startbereit.

Icarus steht für International Cooperation for Animal Research Using Space. Die Antenne auf der ISS wird die Signale kleiner Funksender auf der Erde empfangen. Die Sender sind nur so groß wie ein Daumennagel und wiegen gerade einmal fünf Gramm. So können sie auch von kleinsten Zugvögeln, Fledermäusen oder Meeresschildkröten getragen werden. Aufgezeichnet werden die Routen der Tiere, physiologische Parameter und andere Daten aus der direkten Umgebung. Die Antenne im Weltall kann die Daten ganzer Schwärme, also mehrerer hundert Tiere, gleichzeitig empfangen. Sie werden an eine Bodenstation übermittelt und gelangen dann sowohl an die Forscherteams als auch in eine frei zugängliche Datenbank.

Artenschutz und Seuchenprävention

Die Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie hoffen nicht nur auf einen großen Schritt für die Verhaltensforschung, sondern auch auf praktische Anwendbarkeit der Daten. Für viele gefährdete Arten ist ungeklärt, wo und warum sie auf ihren Reisen ums Leben kommen. Werden Routen und Rastplätze identifiziert, könnten zum Beispiel Schutzgebiete ausgewiesen werden.

Zugvögel und Meeressäuger haben oft Krankheitserreger im Gepäck, über deren Verbreitungswege Icarus Auskunft geben könnte. So sollen beispielsweise Spieß- und Stockenten in Sibirien mit Sendern versehen und auf ihrem Flug nach Süden beobachtet werden. Weil Wildenten leicht Antibiotika-resistente Bakterien von ihren Verwandten in der Geflügelzucht übernehmen, könnten die Daten auch über die Ausbreitung von Resistenzen Aufschluss geben.

Frühwarnsystem der Tiere

Es gibt viele Geschichten über Tiere, die Naturkatas­trophen durch ihr Verhalten ankündigten. So sollen 2004 auf Indonesien Elefanten vor dem Tsunami geflohen sein. Icarus-Projektleiter Martin Wikelski stattete Ziegen am Vesuv mit Sendern aus. Sechs Stunden vor einem Ausbruch konnte er eine außergewöhnliche Aktivität der Tiere aufzeichnen. Icarus soll helfen, das Phänomen weiter zu erforschen und die Voraussetzungen für ein verhaltensbasiertes Frühwarnsystem schaffen.

Informationen zu Icarus: www.tiersensoren.mpg.de

Über die Autorin

Als Fachjournalistin arbeitet Dr. med. vet. Viola Melchers vor allem für die Fachzeitschrift Der Praktische Tierarzt und das Portal Vetline.de. Die promovierte Tierärztin schreibt über Spannendes aus der veterinärmedizinischen Praxis und Wissenschaft. 

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