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Beratung von Tierbesitzern

Tierkrankenversicherungen: Was TFAs wissen sollten

Vielen Tierbesitzern fehlt die Kenntnis über Tierkrankenversicherungen. Auch TFAs werden in die Mangel genommen und sollen beraten.

Inhaltsverzeichnis

Von Lisa-Marie Petersen

Wer sich ein Haustier anschafft, denkt an viele Dinge: Spielzeug und Futter, Trense und Decke, Leine und Körbchen. Eine Krankenversicherung haben jedoch die wenigsten im Kopf. Verständlich: Wer möchte bei der Anschaffung eines Welpen schon an Krankheit, Tierarztbesuche und einen Kostenberg denken? Das kann gutgehen. So gibt es durchaus Hunde, Katzen oder auch Pferde, die mit weißer Krankenakte durch zahlreiche Lebensjahre traben und höchstens für Impfungen, Blutcheck, Entwurmung und Belohnungsleckerli zum Tierarzt müssen. Doch ebenso gibt es Unglücksraben, die bei jeder Erkrankung die Pfote oder den Huf heben. Von Kreuzbandriss und Fremdkörper-OP über Kolik-Noteingriff und Arthrose-Langzeitbehandlung – als Dauergäste im tierärztlichen Wartezimmer oder den Sationen großer tierärztlicher Kliniken reißen sie ein tiefes Loch in den Geldbeutel ihrer armen Besitzer.

Für Normalverdiener ohne angesparten Geldpuffer können kranke Tiere also durchaus zur finanziellen Belastung werden. Da die Krankenversicherung beim Menschen die Kosten für ärztliche Leistungen trägt und die zu zahlenden Beträge somit den wenigsten vor Augen geführt werden, sind viele Tierbesitzer über die „hohen“ Tierarztkosten überrascht. Am Empfangstresen wird dann im wahrsten Sinne des Wortes „abgerechnet“ und die TFA sieht sich nicht selten mit empörten Kunden und Preisdiskussionen konfrontiert. Bei versichterten Tieren sieht die Lage hingegen entspannter aus.

Tiere versichern ja oder nein?

„Ja, tut es, und zwar sofort!“, schreibt der Tierarzt Ralph Rückert auf seinem Blog. Mit dieser klaren Empfehlung reagiert der Praktiker mit langjähriger Erfahrung auf all das, was sich gerade in der Tiermedizinbranche verändert. Lange Zeit konnte Deutschland nämlich als tiermedizinisches „Billigland“ gesehen werden. Heißt: Die medizinische Versorgung von Tieren war im Vergleich zu Ländern wie Schweden günstig. Nun ist aber zu erwarten, dass sich das Preisniveau in den nächsten Jahren an das von Großbritannien und Schweden annähern wird. Dort müssen Tierbesitzer für die gleichen tierärztlichen Leistungen schon jetzt zwei- bis dreimal so hohe Kosten einkalkulieren. Tierhaltung ist in diesen Ländern nur bezahlbar, weil ein Großteil der Hunde, Katzen und mitunter sogar Heimtiere krankenversichert sind. In Deutschland ist der Markt ein ganz anderer: Obwohl es seit knapp 25 Jahren Tierkrankenversicherungen gibt, haben nur wenige Hunde- und Katzenbesitzer (ca. 5 %) eine Versicherung abgeschlossen. Bei Pferden ist der Prozentsatz mit ca. 15–20 % versicherter Tiere etwas höher, jedoch auch noch ausbaufähig. Pferdebesitzern scheint jedoch bewusster zu sein, wie kostenintensiv eine tierärztliche Behandlung sein kann.

Eine Branche im Wandel

Doch woran liegt es, dass Tierhalter künftig tiefer in die Tasche greifen müssen und auch Praxisinhaber höhere Kosten für Angestellte und Gerätschaften einzukalkulieren müssen? Dies ist unter anderem auf folgende Entwicklungen zurückzuführen:

  • Hochpreisige Tiermedizin: Tiermedizinische Fachangestellte wissen es am besten: Die Ansprüche von Besitzern wachsen und wachsen. Viele wünschen sich für ihre Tiere eine ähnlich gute medizinische Versorgung, wie sie selbst in einer humanmedizinischen Praxis erhalten. Aufwendige Diagnostik, Krebstherapie, Bildgebung per MRT − all das ist inzwischen mehr Alltag als Ausnahme. Tierärzte reagieren darauf, spezialisieren sich immer stärker auf ein Fachgebiet, schaffen entsprechende Gerätschaften an und schicken ihre Mitarbeiter verstärkt zu Fortbildungen. Für dieses Fachwissen berechnen sie entsprechend höhere Preise.
  • Klinikketten: Franchise, das gibt es nicht nur bei Fastfoodrestaurants und Fitnessstudios, sondern inzwischen auch in der Tiermedizin. In sogenannten Klinikketten werden Organisation und Management des Praxisalltags von einem externen Anbieter übernommen. Der Tierarzt soll sich nur auf sein Kerngeschäft und entsprechende Kompetenzen konzentrieren. Die externen Praxismanager handeln vorteilhafte Deals für ihre Mitglieder aus, z. B. wenn es um den Einkauf von Medikamenten geht. Die großen Ketten AniCura als auch Evidensia gehören inzwischen zu den amerikanischen Großkonzernen Mars und Nestlé. Es ist möglich, dass Ketten in Zukunft mit bestimmten Versicherern zusammenarbeiten. Wie die Vertragskonditionen bei einer solchen Zusammenarbeit aussehen, ist aber noch unklar.
  • VUK: VUK ist die Abkürzung für „Verbund unabhängiger Kleintierkliniken e. V.“ Dabei handelt es sich um eine Art Interessensvertretung für Arbeitgeber, also den Chefs großer Kliniken. Gegründet wurde dieser von den Inhabern zweier Kleintierkliniken, die sich zunehmend unter Druck sahen: Sie müssen mit Klinikketten konkurrieren und finden kein Personal. Zudem geben immer mehr Kliniken ihren Klinikstatus ab und es bleiben zu wenig Anlaufstellen mit 24-stündigem Notdienst, was die Versorgung von Notfallpatienten gefährdet.
  • Nachwuchsmangel und Generation Y: Fast jeder Praxisinhaber hat Probleme kompetentes Personal zu finden, das zu Nacht- und Notdiensten bereit ist. Die nachwachsende Generation der Tierärzte legt größeren Wert auf eine gute Work-Life-Balance und eine faire Bezahlung. Auch Tiermedizinische Fachangestellte fühlen sich Umfragen zufolge zu wenig wertgeschätzt und unterbezahlt. Das Zahlen angemessener Löhne ist allerdings nur möglich, wenn eine Klinik/Praxis durch die entsprechende Preisgestaltung ausreichend Umsatz generieren kann.

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All diese Entwicklungen führen dazu, dass die medizinische Versorgung von Haustieren teurer wird, vor allem im Notfall. Da Tierbesitzer von den Branchenveränderungen nichts wissen und günstigere Preise gewohnt sind, müssen TFAs und Tierärzte damit rechnen, dass es bei unversicherten Tieren in Zukunft noch stärker zu Preisdiskussionen kommen wird und bestimmte Behandlungen aus Budgetgründen verweigert werden. Im Sinne der Tiere und aus Sicht von Tierärzten und TFAs wäre es demnach wünschenswert, dass in Zukunft ein höherer Prozentsatz der Haustiere in Deutschland krankenversichert ist.

Besitzer beraten

Nicht alle Tierbesitzer sind sich darüber bewusst, dass es überhaupt Krankenversicherungen für Tiere gibt. Gerade wenn Halter mit Welpen in die Praxis kommen, die vielleicht noch keine Hunde- oder Katzenerfahrung haben, sollte das Thema Versicherung auch Gegenstand der ersten Beratungsgespräche sein. Auch wenn dazu meist Tierärzte konsultiert werden, kann es doch sein, dass auch die TFAs zu Tierkrankenversicherungen befragt werden. Ebenso bietet es sich bei Kunden, die häufig Preisdiskussionen führen, an, auf die Möglichkeit der Tierversicherung hinzuweisen.

Damit Sie den Kunden Rede und Antwort stehen können, soll der folgende Gesprächsleitfaden Antworten zu den häufigsten Besitzerfragen liefern.

Machen Tierkrankenversicherungen Sinn?

Natürlich ist nicht vorauszusagen, wie die Krankengeschichte Ihres Tieres sein wird. Sie sollten sich die Frage stellen, ob plötzliche Ausgaben von über 500−1000 Euro für Sie finanziell stemmbar sind. Lautet die Antwort „Nein“, sollten Sie in jedem Fall über eine Krankenversicherung für Ihr Tier nachdenken oder monatlich etwas Geld sparen.

Welcher Anbieter ist der Richtige für mein Tier?

Inzwischen sind zahlreiche Anbieter und noch mehr Tarife auf dem Markt. Grundsätzlich sollten die aktuellen Versicherungskonditionen der unterschiedlichen Anbieter verglichen werden, wobei auch das Kleingedruckte zu lesen ist. Fragen nach und Erfahrungen mit einzelnen Anbietern werden derzeit vor allem online z. B. in den sozialen Netzwerken gestellt und ausgetauscht. In jedem Fall ist bei der Auswahl des Versicherers und Tarifs darauf zu achten, dass die Kostenübernahme nicht GOT-gedeckelt ist. Das bedeutet, dass der Versicherer die Kosten für eine Behandlung übernimmt, unabhängig davon, nach welchem Satz der Gebührenverordnung für Tierärzte der behandelnde Veterinär abrechnet.

Welche Tarife gibt es?

Die Versicherer bieten in der Regel einen teureren Krankenvollschutz an, der wie eine Art „Rundum-Sorglos-Paket“ sowohl die tierärztlichen Behandlungs- als auch Operationskosten abdeckt (Leistungskatalog checken!) und den günstigeren OP-Schutz. Dieser kommt für Kosten auf, die durch Operationen entstehen. Zu beachten gilt, was die Anbieter unter dem Begriff Operation verstehen. In der Infomationsbroschüre des Versicherungsunternehmens Agila findet sich folgende Definition: „Eine Operation ist laut unseren Bedingungen ein chirgurgischer Eingriff unter Narkose, der einen Schnitt sowie das Verschließen dieses Schnitts mit einer Naht beinhaltet.“ Somit sind z. B. Röntgenbilder in diesem Tarif nicht enthalten, selbst wenn sie unter Narkose angefertigt werden. Ebenso gilt es zu beachten, in welchem Umfang die oftmals zeitaufwendige Nachsorge nach einer Operation abgedeckt ist.

Worauf sollte ich noch achten?

Da neben der Rasse vor allem das Alter des Tieres über die Aufnahme und den Beitragssatz entscheidet, sollten Tiere möglichst jung versichert werden. Ebenso ist zu beachten, dass die Versicherung oft erst nach einer Wartezeit von drei Monaten nach Vertragsabschluss in vollem Umfang für die tierärztlichen Leistungen aufkommt. Ebenso sollte die Versicherung dem Versicherungsnehmer eine freie Tierarztwahl zugestehen. Einige Versicherer sehen bei bestimmten Tarifen die Behandlung bei einem Haustierarzt vor, der bei Behandlungsbeginn festgelegt wird. Wird das Tier bei einem anderen Tierarzt behandelt, müssen für die Kostenübernahme bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein! 

Über die Autorin

Als Tierärztin horcht Lisa-Marie Petersen gern am Ort des Geschehens nach: Was beschäftigt die Tiermedizin derzeit? Interessante Themen verarbeitet die Fachjournalistin dann in redaktionellen Beiträgen für Print- und Onlinemedien.

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