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Für die Tierrettung muss Stefan Bröckling mitunter hoch hinaus.
Foto: Tiernotruf.de
Für die Tierrettung muss Stefan Bröckling mitunter hoch hinaus.

Tierrettung: Wenn´s kompliziert wird…

Wenn die Feuerwehr nicht mehr weiter weiß, kommt Stefan Bröckling mit seinem Rettungswagen zum Einsatz. Mit viel Expertise und speziellem Equipment holt er Katzen von Bäumen und verletzte Schwäne aus dem Wasser. 

Elf Tage für das Einfangen eines Hundes, das ist auch für Stefan Bröckling ein Rekord. Der Gründer des gemeinnützigen Tierrettungsvereins tiernotruf.de im Raum Düsseldorf kennt sich mit den ganz komplizierten Fällen aus. Dabei mangelt es ihm nicht an Durchhaltevermögen, wie die elftägige Jagd des ausgebüchsten Hundes eindrücklich unterstreicht. „Wenn ich etwas angefangen habe, bringe ich es auch zu Ende“, sagt er.

Bereits seit sieben Jahren spart Stefan Bröckling nicht an Mühe und Energie, um vor allem Wildtieren aller Art aus der Patsche zu helfen. So führen Abfall und Angelmaterialen zum Beispiel häufig zu Verletzungen bei Wasservögeln, Eichhörnchen verfangen sich in Netzen usw.

Mit einem Einsatzwagen, mehreren Booten, Fangnetzen und einem Elektrobord fürs Wasser, von dem er kniend zupacken kann, ist der engagierte Tierschützer inzwischen in ganz Deutschland auf Tour und bringt vor allem technisches Equipment und Know-How mit, das vielen fehlt. „Das Elektroboard nutze ich meines Wissens als einziger in ganz Deutschland zu diesem Zweck“, erzählt er.

One-Man-Power mit Kamera-Skills

Was 2015 als Ein-Mann-Herzensprojekt im reinen Ehrenamt gestartet wurde, ist vier Jahre später zu Bröcklings Beruf geworden. Die Kosten sind nicht zu unterschätzen: Materialen, Benzin, Tierarztbesuche. „Das hat mein gesamtes Erspartes aufgebraucht“, so Bröckling, der mit dem Verein allein in 2020 47.000 Euro für die tiermedizinische Versorgung von geretteten Tieren ausgab.

 Inzwischen kann sich der Verein über Spenden und Einnahmen, die Bröckling über Videos der Einsätze in den sozialen Netzwerken youtube und Facebook verdient, finanzieren. „Ohne die Videos könnte ich meine Arbeit so nicht leisten“, so Bröckling. Wie Bewegtbild funktioniert, hat der Düsseldorfer gelernt: Vor seiner Arbeit in der Wildtierrettung war er als Kameramann und Fotoreporter im Tierschutzbereich tätig.

Bis heute stemmt Stefan Bröcklig das Tagespensum fast allein, lässt sich nur von sehr ausgewählten Leuten unterstützen. „Viele Mitarbeiter bedeutet auch viel Bürokratie und am Schreibtisch sitzen ist so gar nicht meins“, sagt er. So ist das Team von tiernotruf.de bis heute sehr klein, nur eine Freundin fährt auch alleine mit dem Rettungswagen raus. „Ich habe natürlich auch meine Vorstellungen und Ansprüche“, so der Tierretter. Seiner Helferin Coco vertraut er blind: „Sie hat keine Scheu, stürzt sich auch mal auf einen Schwan, wenn das nötig ist.“

Tierschützer fordern respektvollen Umgang mit Stadttauben

Stadttauben haben zu Unrecht einen oft schlechten Ruf. Anlässlich des Tags des Respekts am 18. September wirbt der Deutsche Tierschutzbund für einen respektvollen und tierschutzgerechten Umgang mit den Tieren.
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Die Rettungsaktionen des Vereins sind übrigens stets kostenfrei für den, der um Hilfe bittet. „Natürlich freue ich mich über Spenden, doch das läuft alles auf freiwilliger Basis“, so Bröckling, der im Frühjahr und Sommer bis zu 60 Anrufe am Tag bekommt. „Natürlich sind das nicht alles Einsätze, für die ich auf Bäume klettere“, so der Tierkenner. Bei 50 % der Anrufe geht es um Stadttauben, das ist nicht immer Action pur.

Tätig werden

Menschen, die Wildtiere finden und der Situation ratlos gegenüber stehen, rät Stefan Bröckling dazu, mal in die sozialen Medien zu schauen. In lokalen Facebookgruppen wie „Wildvogelhilfe-Notfälle“ oder „Wildtiernotfälle“ finden Suchende oft Rat. „Manchmal müssen sich die Menschen auch einfach trauen zuzupacken“, sagt Bröckling. „Die Taube in einen Karton stecken und mitnehmen. Vielleicht nicht mit Grießbrei päppeln, sondern online recherchieren, was für das Tier das Richtige sein könnte.“

 Wichtig sei es tätig zu werden, da gerade verletzte Jungtiere in der Großstadt sonst keine Überlebenschance haben.

Support für die Tierrettung

Wer die Arbeit des gemeinnützigen Vereins unterstützen möchte, sollte den youtube-Kanal Tiernotruf.de abonnieren, der 120.000 Abonnenten zählt. Ebenso sind der Support über ein Herzchen/Like und das Teilen von Videos hilfreich und kostenfrei! Spenden sind ebenfalls willkommen. (LP)

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