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Rennpferde dürfen schon sehr früh ins Training starten.
Foto: Gabriel Cassan - stock.adobe.com
Rennpferde dürfen schon sehr früh ins Training starten.

Pferdesport und Tierwohl

Tierschutz bei der Ausbildung junger Pferde

In welchem Alter sollten junge Pferde mit der sportlichen Ausbildung beginnen? Die Auswirkungen des frühen Trainings werden im Verbundprojekt HorseWatch umfassend untersucht.

Der Beginn der Ausbildung soll sich am Entwicklungsstand des Pferdes orientieren, so heißt es in den Leitlinien für den Tierschutz im Pferdesport aus dem Herbst 2020. Als Mindestalter für den Ausbildungsbeginn werden 30 Monate genannt. Galopp- und Rennpferde mit ausschließlichem Training auf Schnelligkeit sind davon allerdings ausgenommen – eine umstrittene Entscheidung.

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Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Bedeutung des Alters bei Trainingsbeginn gibt es bisher kaum. Das soll sich nun ändern: Das BMEL hat ein umfangreiches Forschungsvorhaben zum Thema „Untersuchung der frühen Nutzung von Pferden und möglicher Maßnahmen zur Vermeidung einer Überforderung oder Überlastung vergeben. Das Verbundprojekt HorseWatch startete zum 1. April 2022. 

Sportmedizin am Pferd

Der Start ins Training beeinflusst junge Pferde auf vielfältige Weise. Tierärztin und Projekt-Koordinatorin Dr. Gundula Hoffmann vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e. V. (ATB) erklärt: „Mit dem Ausbildungsbeginn kommen die Pferde häufig aus der Gruppen- in die Einzelhaltung, das wirkt sich auch auf die Psyche und das Bewegungsverhalten aus. Bei Training denkt man an das Pferd unter dem Sattel oder an der Longe, aber indirekt gehört eben auch dazu, wie die Pferde sich den ganzen Tag über fortbewegen“.

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Die Projektpartner decken daher verschiedenste Disziplinen ab: Am ATB arbeitet man z. B. mit Pedometern für Bewegungsanalysen, Videoaufnahmen für Verhaltensbeobachtungen sowie Stressmessungen über Kortisol und Herzfrequenzvariabilität. Daneben zählen das Graf Lehndorff-Institut in Neustadt (Dosse), das Institut für Bewegungs- und Trainingswissenschaft der Universität Leipzig, das Institut für Tierschutz, Tierverhalten und Versuchstierkunde der FU Berlin, die Tierklinik Wusterhausen (Dosse) und das SVK-Sachverständigenkuratorium e.V. zu den Projektpartnern. „Jeder bringt Methodenkompetenz auf einem anderen Gebiet mit“, freut sich die Koordinatorin. „So können wir zahlreiche Sensoren und Parameter vereinen. Wir wollen sowohl die Physiologie, als auch die Ethologie, Sportmedizin und Orthopädie berücksichtigen.“

Beraten lässt sich der Forscherverbund zudem durch eine Expertenkommission, über die Pferdesportverbände, Bundestierärztekammer, Landestierschutzbeauftragte und Pferdezucht begleitend in das HorseWatch-Projekt eingebunden sind. Auch internationale Experten sind vertreten, damit die Ergebnisse aus dem Projekt auch über Deutschland hinaus Anerkennung finden.

Training und Entwicklung von Jungpferden

Zu Beginn des Projekts sind Interviews mit Trainern und Pferdehaltern geplant. „Wir wollen eine Status-quo-Erhebung zum aktuellen Stand in Deutschland machen“, sagt Dr. Hoffmann. „Wie findet momentan das Training statt? Wie genau läuft die Körvorbereitung bei den Junghengsten ab“? Einbezogen werden nicht nur Galopper und Traber, sondern auch andere Disziplinen wie Western- und Distanzreiten. Zudem soll eine einheitliche Definition von Begrifflichkeiten wie Übung, Gewöhnung oder Training gefunden werden.  

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Im praktischen Teil wird die Entwicklung von Pferden bis zum Alter von 30 Monaten untersucht. und es  starten vergleichende Untersuchungen unter unterschiedlichen Haltungs- und Trainingsbedingungen. „Wir wollen das Individuum als Ganzes betrachten und ergebnisoffen sehen, wo Abweichungen sind. Wir untersuchen zum Beispiel: Hat ein Pferd, das jünger ins Training genommen wird, andere Stressreaktionen als eines, das später in die Ausbildung geht? Es kann sein, dass es gut ist, wenn man ein Pferd schon früh z.B. an das Handling durch Menschen gewöhnt – oder dass es Stress bedeutet. Vielleicht hängt das auch davon ab, wie man es macht.“ 

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Das Projekt hat eine Laufzeit von fünf Jahren. „Wir brauchen die Zeit, die Pferde brauchen die Zeit“, meint Gundula Hoffmann. „Wir wollen über einen langen Zeitraum beobachten und untersuchen, wie sich unterschiedliche Bedingungen auf die Pferde auswirken, um dann wissensbasierte Empfehlungen geben zu können.“ (VM)

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