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Steckbrief

Tipps für die Haltung der Farbratte

Die Farbratte ist ein intelligentes und hochsoziales Heimtier, das gerne mit seinen Besitzern interagiert und Neues erkundet.

Von PD Dr. med. vet. Dorothea Döring und Dr. med. vet. Patricia Solms

Suboptimale Haltungsbedingungen können der Auslöser von Verhaltensauffälligkeiten bei Kleinnagern wie der Farbratte sein. Werden die Halter umfassend über die tiergerechte Haltung ihrer Schützlinge informiert, fördert das auch deren Gesundheit.

Systematik

Ordnung Nagetiere (Rodentia) – Unterordnung Mäuseverwandte (Myomorpha) – Familie Langschwanzmäuse (Muridae) – Gattung Ratten (Rattus) – Art Wanderratte Rattus norvegicus

Lebenserwartung

ca. 21–48 Monate

Geschlechtsreife

nach ca. 40–70 Tage

Welche Bedürfnisse Chinchillas in der Heimtierhaltung haben

Nach Erreichen der Geschlechtsreife können Chinchillas intraspezifische Aggressionen entwickeln. Eine Vergesellschaftung sollte daher frühzeitig stattfinden.
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Herkunft

Die heutige Farbratte stammt von der ursprünglich in Ostasien verbreiteten Wanderratte (Rattus norvegicus) ab. Durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit sind Wanderratten heute nahezu weltweit verbreitet. Die Domestikation geht bis ins 19. Jahrhundert zurück, wo sie als Versuchstiere gezüchtet und verwendet wurden. Daher werden sie auch als „Laborratten“ bezeichnet. In der Folgezeit entstanden durch gezielte Züchtungen immer mehr Farbvarianten („Farbratte“). Nach der besonderen Beliebtheit, die die Farbratte durch die Punk-Bewegung der 1980er-Jahre erfuhr, sind sie heute als beliebtes Heimtier in der Tierarztpraxis fest etabliert.

Sozialverhalten

Ratten sind hochsozial und sollten mindestens in Dreiergruppen gehalten werden. Eine Einzelhaltung ist als tierschutzwidrig anzusehen. Ratten zeigen viele soziale Verhaltensweisen wie übereinander kriechen, sich gegenseitig putzen und mit Körperkontakt zusammenliegen. Bei den Haltungsbedingungen ist die Rudelhaltung mit einer gemischten Altersstruktur (vor allem bei den Männchen) empfehlenswert. Jungtiere sollten immer mindestens zu zweit in eine neue Gruppe integriert werden, damit sie einen gleichaltrigen Spielpartner haben und die Vergesellschaftung einfacher ist. Durch ein behutsames Gewöhnungstraining mit Duftaustausch und Zusammensetzen auf „neutralem Terrain“ lassen sich territoriale Auseinandersetzungen verringern.

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Ernährung

Die Ratte gehört zu den Allesfressern. Auch wenn wilde Wanderratten in der Kanalisation und auf Müllhalden leben können, soll das nicht bedeuten, dass man Heimtierratten mit Abfällen und Speiseresten füttern darf. Als Tierhalter ist man laut Tierschutzgesetz verpflichtet, sein Heimtier artgemäß zu ernähren. Heimtierratten sollten daher ein handelsübliches Rattenfutter erhalten sowie frisches Gemüse und Obst. Zusätzlich sollte man kleine Mengen an tierischem Protein füttern, z. B. etwas gekochtes Ei, ein kleines Stück Hartkäse, 1 Teelöffel Naturjoghurt, Futterinsekten oder etwas Hundetrockenfutter (siehe auch Empfehlung der TVT). Auch können Futterbestandteile verfüttert werden, die einen hohen Nagebedarf aufweisen, zum Beispiel ab und an ungeschälte Nüsse, ungekochte Nudeln sowie Zweige, damit sich die nachwachsenden Zähne abreiben können. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Ratten nicht zu dick werden. 

Das Futter sollte weiterhin zu Beschäftigungszwecken mit Futterspielzeug oder auch versteckt und in der Haltung verteilt angeboten werden. Vor allem in der Rudelhaltung sind mehrere Futter- und Wasserstellen zur Verfügung zu stellen, um Konflikte zu vermeiden 

Haltung

Da Ratten in der Regel sehr bewegungsfreudig sind, benötigen sie eine möglichst große Haltungseinrichtung mit den Mindestmaßen 100 x 50 x 100 cm (L x B x H) für bis zu drei Ratten. Auch ein Turmbau von mindestens 80 x 50 x 120 cm ist möglich (Empfehlung der TVT). Jede Haltungseinrichtung sollte mit viel Environmental Enrichment ausgestattet sein. Dazu gehören beispielsweise mehrere Schlafhäuschen, Leitern, Seile, Hängematten und ein Sandbad mit Chinchillasand. Aber auch Heu, Stroh, Pappröhren, Zellstoff und verschiedene Arten von Nagematerial gehören dazu. Die weiter oben angebrachten Schlafhäuschen werden häufig bevorzugt und müssen einen weich gepolsterten Boden aufweisen (Nistmaterial anbieten).

Da Ratten gerne baden und gut schwimmen können, kann man flach mit Wasser gefüllte Becken aufstellen und ihnen Schwimmmöglichkeiten anbieten. Wichtig ist dabei jedoch, dass die Tiere freiwillig das Wasser aufsuchen und nicht einfach ins tiefe Wasser gesetzt und zum Schwimmen gezwungen werden. Daher sind Rampen erforderlich. In der Natur legen Ratten einen Erdbau in etwa 40 cm Tiefe an, bestehend aus einem sehr verzweigten Gangsystem, mehreren Nest- und Vorratskammern und vielen blinden Gängen. Dies sollte auch in der Heimtierhaltung berücksichtigt werden, z. B. indem eine große, tief eingestreute Wanne zur Verfügung gestellt wird.

Verhaltensprobleme bei kleinen Heimtieren

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Aufgrund der konvex gebogenen Wirbelsäule und der langen Schwänze sind die gängigen Laufräder für Ratten ungeeignet und es sollte unbedingt davon abgeraten werden. Lauf- oder Joggingbälle sind tierschutzrelevant. Albinoratten sollten aufgrund ihrer empfindlichen Augen nicht der direkten Sonnen-/Lichteinstrahlung ausgesetzt und in dunkleren Räumen gehalten werden. Dies gilt auch für andere albinotische Tiere. 

Verhaltensauffälligkeiten

Aus der Labortierhaltung sind viele Möglichkeiten von Verhaltensstörungen bei der Ratte bekannt. Häufig ist die intraspezifische Aggression, besonders bei der Vergesellschaftung oder bei suboptimalen Haltungsbedingungen. Aufgrund der oftmals nicht artgerechten Haltung bei Labortieren sind dort vielfach Abnormal-repetitive Verhaltensweisen (ARV) zu erwarten. Aber auch in der Heimtierhaltung können ARV aufgrund von schlechten Haltungsbedingungen hervorgerufen werden. Dazu gehören: Autoaggression, Trichotillomanie, Fellfressen der Artgenossen, Scharren in der Ecke und Gitternagen (nicht zu verwechseln mit der Forderung von Aufmerksamkeit). Auch Kronismus bzw. Kannibalismus ist bei zu engem Raum oder zu hoher Besatzungsdichte möglich.

Über die Autorinnen

PD Dr. med. vet. Dorothea Döring ist am Lehrstuhl für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung der LMU München in Forschung und Lehre tätig und führt Verhaltensberatungen bei kleinen Heimtieren durch.

Dr. med. vet. Patricia Solms ist Tierärztin und Praxisinhaberin mit der Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie. Sie ist zudem Sachverständige für Sachkunde- und Wesensprüfungen.

Buchtipp

Viele nützliche Informationen zur artgerechten Haltung von Heimtieren bietet der Praxisleitfaden „Verhaltensprobleme bei Nager, Reptil & Co. – Von den Grundlagen bis zum Management“. Dorothea Döring, Petra Kölle, Walter Lantermann, Barbara Schneider, Patricia Solms und Daniele Zurr geben Tipps für die tägliche Praxis und beschreiben nachvollziehbare Therapieansätze verhaltensauffälliger Heimtiere. Mit zahlreichen Hand-Outs für Patientenbesitzer zum Downloads und Videos. Das Buch können Sie hier vorbestellen. Erscheint: 30.04.2022

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Dieser Leitfaden vermittelt praxisnah und leicht verständlich Grundlagen des Medical Trainings, gibt wertvolle Tipps zur Prävention von Verhaltensstörungen und zeigt Therapieansätze auf. Ein hilfreiches Nachschlagewerk insbesondere für Praxisteams, die nicht auf Verhaltensmedizin spezialisiert sind.

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