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Eine Überdosis Coffein kann auch beim Vogel zur Intoxikation führen.
Foto: Alexander Raths - stock.adobe.com
Eine Überdosis Coffein kann auch beim Vogel zur Intoxikation führen.

Vergiftung

Tod durch Kaffee

Eine Überdosis schwarzes Gold wurde drei Störchen in Münster zum Verhängnis. Der ungewöhnliche Befund: Sie verstarben vermutlich an einer Coffein-Vergiftung.

  • Bereits eine einzelne Kaffeebohne enthält 21,2 mg Coffein. Eine Überdosis löst Vergiftungssymptome aus.
  • Veterinärpathologen berichten vom ungewöhnlichen Fall einer letalen Coffein-Intoxikation bei Weißstörchen.

Es gibt kaum einen besseren Duft als den frisch gemahlener Kaffeebohnen. Doch was man morgens am Frühstückstisch gerne riecht, irritiert doch eher, wenn es einem am Seziertisch in die Nase steigt. So erging es Veterinär-Pathologin Dr. Maren Kummerfeld und ihren Kollegen am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe. Sie sezierten drei Störche einer freilebenden Kolonie, die in einem nahegelegenen Zoo tot aufgefunden worden waren. Bei Mageneröffnung zog Kaffeeduft durch den Raum. Und tatsächlich: Im Magen der Störche fanden sich 70, 100 und sogar 120 Kaffeebohnen. Die kleinen Steinchen im Muskelmagen hatten die Bohnen wie eine Kaffeemühle zermahlen.

Mäuse, Würmer, Frösche zählen zum natürlichen Nahrungsspektrum des Storchs – nicht Kaffeebohnen.
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Mäuse, Würmer, Frösche zählen zum natürlichen Nahrungsspektrum des Storchs – nicht Kaffeebohnen.

Kaffee-Vergiftung: Unruhe, Herzrasen und Flugprobleme

Eine ungewöhnliche und für die Störche verhängnisvolle Mahlzeit: Menschen bekommen ab ca. 20 Tassen starken Kaffees am Tag, also etwa 1 g Coffein, erste Vergiftungssymptome wie Unruhe, Herzrasen, Harndrang und Schlaflosigkeit. Bei schweren Vergiftungen droht ein Kreislaufkollaps. Beim Hund beträgt die letale, orale Dosis Coffein 140–150 mg/kg, bereits eine einzelne Kaffeebohne enthält 21,2 mg Coffein. Die drei Störche wogen jeweils nur 3–4 kg und hatten ein vielfaches dieser Dosis aufgenommen. Toxikologische Daten für Vögel gibt es leider nicht.

Die Münsteraner Pathologen nehmen an, dass die Störche im Kaffeerausch Herzrasen und Rhythmusstörungen, Hyperaktivität, Krämpfe und schließlich unkoordinierte Flugbewegungen zeigten. Die Tiere waren in einem guten Ernährungs- und Bemuskelungszustand. Infektionen mit Vogelgrippe, West-Nil- und Usutu-Virus wurden ausgeschlossen. Bei zwei Störchen fielen in der Sektion Leberkapselrupturen sowie freies und geronnenes Blut in der Körperhöhle auf, wie sie bei einem Gegenflugtrauma vorkommen. Die Störchin zeigte Schädel- und Rippenfrakturen sowie Organblutungen infolge eines stumpfen Traumas. Final könnte die Intoxikation zum Herzstillstand und Tod durch traumatischen Insult mit Verbluten geführt haben.

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Stammten die Kaffeebohnen von einer Mülldeponie oder lagen sie zur Tischdeko im Biergarten? Wo Adebar die Kaffeebohnen aufgepickt hatte und warum die drei Störche so ausgiebig davon fraßen, blieb ein Rätsel. Wahrscheinlich ist aber, dass menschliches Fehlverhalten zu der tragischen Intoxikation geführt hat. Coffein ist ein Gift und sollte für Wildvögel nicht frei zugänglich sein. (VM)

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