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Arbeiten im Ausland

Vom Lernen über Lebewesen und Respekt

Zwei Monate lang hat Frederike Kieber in Afrika mit Tieren gearbeitet. Für Tierisch dabei hat sie ihre Erfahrungen aufgeschrieben.

Von Frederike Kieber

Der Weg bis hin zu dem, wer und was man sein möchte, ist ein langer Prozess. Ein Beruf, in dem man mit Tieren arbeitet, lässt sich nur mit Leidenschaft ausüben. Wer sich schon einmal intensiv damit auseinandergesetzt hat, der weiß, was alles hinter den Kulissen stattfindet. Kein Kuscheln und kein „den ganzen Tag streicheln“ – weder in der Kleintierpraxis noch im Zoo oder beim Wildtierarzt.

Seit August 2018 befinde ich mich in der Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten in einer Tierklinik in Frankfurt und ich verstehe die Zuneigung von Tieren und die Dankbarkeit von Tierbesitzerin als Geschenk. Denn Anerkennung bekommt man in diesem Beruf nur sehr selten. Über die Jahre habe ich festgestellt, dass das oft auch gar nicht nötig ist. Das, was wir in unserem Beruf lernen, ist etwas Fundamentales: Wir lernen über Lebewesen, über Evolution und sehr viel über Respekt. Außerhalb der Arbeit in der Praxis habe ich diese Erfahrungen vor allem in Afrika beim Kontakt mit Raubkatzen gemacht.

Spielen mit Tieren in der Freizeit

Zwei Monate lang habe ich bei „Cheetah Experience“ gearbeitet, einer Organisation zur Aufklärung über die Wilderei und schlechte Lebensqualität von Tieren, überwiegend Geparden. In gleißender Sonne und kniehohem Gras habe ich mich um Raubkatzen und deren artgerechte Haltung gekümmert. Zu meinen Aufgaben gehörten neben dem Vorbereiten von Futter und der Reinigung der Gehege auch das Anfertigen von Spielzeug und die Kon­trolle der Zäune. In meiner Freizeit habe ich fast jede Minute mit den Tieren verbracht, die aufgrund von Erkrankungen nicht mehr ausgewildert werden können. In ständigem Zusammensein mit mehr als 20 Geparden, Leoparden, Erdmännchen, Wölfen, Löwen und Tigern habe ich viel über Respekt gelernt – und das nicht nur mit den tierischen Individuen. Mit unterschiedlichsten Mitbewohnern, in einem fremden Land mit fremder Sprache und durch das Zusammentreffen vieler Kulturen und Menschen hat man die Chance, eine Toleranz gegenüber jedem Lebewesen zu entwickeln.

Wir alle wissen, dass es nicht immer einfach ist, mit Menschen zu arbeiten, auf jedes Bedürfnis einzugehen und dabei sich selbst treu zu bleiben. Nirgends sonst wird einem das so klar wie weit weg von zu Hause.

Klare Kommunikation ist wichtig

In Afrika habe ich mich besonders zu den beiden Wölfen Nikita und Shakira hingezogen gefühlt, die in der brennenden afrikanischen Hitze immer auf ihrer geschützten und überdachten Plattform lagen. Diese liegt genau auf Gesichtshöhe und wenn Nikita gestreichelt werden will, dann zeigt sie es gerne durch Tippen mit ihrer Pfote. Ein Verhalten, das sich auch bei unseren Hunden beobachten lässt.

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Ein harmloses Beispiel, das aber zeigt, wie wichtig eine klare Kommunikation ist. In der Kleintierpraxis haben wir mit deutlich kleineren, aber auch wesentlich nervöseren Tieren zu tun. Umso wichtiger ist es, stets im Hier und Jetzt zu sein. Eine Lektion, die nützlich für das Leben sein kann.

Aufklärung als ein Teil des Tierschutzes

Mit seiner Artenvielfalt macht Afrika einen magischen Eindruck auf mich. Wache ich morgens auf, dann kann ich die Löwen brüllen hören und das erinnert mich hier auch in stressigen Zeiten daran, warum ich eigentlich diesen Beruf gewählt habe. Natürlich will ich Tieren helfen, habe gerne Kontakt zu Menschen und interessiere mich für Medizin.

Das Ganze hat aber einen tiefen Ursprung: Wir wollen zurück zum Wesentlichen und Natürlichen. In der modernen Welt mit all der Technik, habe ich irgendwann herausgefunden, dass die Arbeit mit Tieren und der Biologie einen tiefen Frieden mit sich bringt. Zwischen nostalgischen Sonnenaufgängen, monsunartigem Regen und großen gelben Katzenaugen. Zwischen Spinnen und Insekten, vor denen ich mich manchmal noch fürchte, habe ich mein Herz an die Natur verloren und bin von dem arroganten und absurden Gedanken abgekommen, dass ich etwas Besseres bin und mich beweisen muss.

Ein Teil von etwas zu sein, was schon immer da war, ist eine romantische Vorstellung und selbst ich muss mir eingestehen, dass ich eine Balance brauche zwischen dem, was ich leisten will und dem Gefühl der Sehnsucht, das ich haben möchte. Immer wenn wir mit Tieren Kontakt haben, haben wir auch mit Menschen Kontakt. In Afrika habe ich viele Menschen getroffen, einer unterschiedlicher als der andere. Einige kamen, um sich das Reservat anzusehen, dann konnten wir Spenden sammeln. Aufklärung ist ein wichtiger Teil des Tierschutzes.

Feingefühl für Tiere und Menschen

In der Praxis sind wir ständig im Austausch. Wir erklären viel über Ernährung, über Haltung und über Tierschutz. Auf der anderen Seite steht jemand, der Vieles dankbar aufnimmt, sich vielleicht aber auch bevormundet fühlt und wütend wird. Hier verabschieden sich Menschen und hier sind Mensch und Tier aufgeregt, wenn sie das erste Mal unserem Team begegnen. Selten finden wir so viele Emotionen und müssen so ein Feingefühl für uns und andere aufbringen. Nach den ganzen Anstrengungen finden wir aber auch hier einen kurzen Moment von dem, was ich noch als „mein Afrika“ bezeichne: Wenn wir in die kleinen gelben und blauen Augen schauen und so viel Gefühl zwischen Mensch und Tier finden, dann verliere ich mein Herz stets aufs Neue. Neben all den traurigen Dingen, die ich jede Woche während meiner Arbeit sehe, zwischen Krankheit und Unverständnis, gibt es viele dieser Augenblicke. Wir müssen nur auf sie achten. Ich kann nur jedem Leser raten, sich diese Gelegenheiten bewusst zu machen, denn es ist etwas, was uns Menschen bewegen und vorantreiben kann. 

Infos zur Arbeit von Cheetah Experience: https://www.cheetahexperience.com

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