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Handling von Angstpatienten

Vorsorge ist die beste Vorbereitung

Das Verlassen des vertrauten Umfelds ist oft bereits der Auslöser für Angst. Einfache Maßnahmen helfen, die Situation für Katze und Besitzer zu entspannen.

Inhaltsverzeichnis

Von Christina Wolf

Es geht zum Tierarzt. Für viele Besitzer bedeutet das: eine zugekotete Transportbox oder die allseits bekannte Einfang-Jagd auf die Katze, die abhaut, sobald sie „den Braten“ gerochen hat.

Leider wird meist nicht versucht, den Stress für alle Beteiligten zu reduzieren. Tatsächlich liegt dies weniger an Desinteresse; vielmehr sind die meisten Besitzer einfach unwissend. Nach etwas Überzeugungsarbeit nehmen sie dankbar jeden Tipp an, wenn es um die Verbesserung der Transportsituation ihres vierbeinigen Schätzchens geht.

Für Veränderungen ist es nie zu spät

Wie wichtig es ist, den Besitzer in dieser Hinsicht zu schulen und aufzuklären, wird noch immer sehr unterschätzt. Doch das muss nicht so bleiben! Wir als Tiermedizinische Fachangestellte können den Besitzer an die Hand nehmen und ihm zeigen, dass er nicht alleine dasteht. Häufig ist bereits am Telefon eine Unsicherheit in Bezug auf den notwendigen Gang in die Praxis herauszuhören: „Gibt es da nicht noch eine andere Möglichkeit? Minka hat doch immer so Panik, sobald ich den Korb raushole!“

Hier sollte man versuchen, sich etwas Zeit zu nehmen (was im hektischen Praxisalltag leider oft zu kurz kommt) und passende Hilfestellungen und Lösungen anbieten. Vielleicht ist auch nach einer Behandlung etwas Luft, um mit dem Besitzer zu besprechen, wie die Vorbereitung und der eigentliche Transport für das nächste Mal optimiert werden können.

Ein Umdenken ist nötig

Eine regelmäßige, erfolgreiche Behandlung scheitert leider noch immer zu häufig an der Compliance der Besitzer und der Kooperationsbereitschaft der Katzen in der Praxis, nicht etwa an der Krankheit selbst. Hier können und müssen wir helfen! Die genannten Beispiele und Denkansätze sollen verdeutlichen, dass ein Umdenken nicht nur in der Katzenbehandlung an sich, sondern bereits beim Besitzer zu Hause sehr viel bewirken kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich die Katze im Seniorenalter befindet oder wenige Monate alt zur Kastration gebracht wird. Mit Zuversicht und etwas Geduld kann jederzeit mit Veränderungen oder sogar Transporttraining begonnen werden, wobei es natürlich auch hier immer von Vorteil ist, im möglichst jungen Alter zu starten und der Erfolg letztendlich von vielen Faktoren abhängt.

Was lässt sich in der Praxis optimieren?

  • Trennung des Wartezimmers in Hunde- und Katzenbereiche oder im Idealfall gleich getrennte Räume einrichten

  • Vielleicht ist sogar ein eigener Katzenbehandlungsraum möglich?

  • erhöhte Plätze im Wartezimmer und an der Anmeldung für den Transportkorb; gedämpftes Licht

  • Vermeidung von starken Reinigungs- und Desinfektionsmitteln kurz vor einem Katzenbesuch (sofern möglich)

  • Einsatz von Pheromon-Zerstäubern bereits im Wartezimmer (zum Beispiel Feliway®)

Wie kann der Besitzer sich und die Katze besser vorbereiten?

  • Die Beratung beginnt bereits im Hinblick auf eine geeignete Transportbox: Diese sollte einen abnehmbaren Deckel haben und ohne Bedienungsanleitung zu öffnen sein.

  • Eine dicke Decke als Einlage verhindert das Verrutschen und gibt der Katze Halt und Geborgenheit. Bei Bedarf kann die Box mit einer großen Decke verdunkelt werden.

  • Die Box sollte im gewohnten Umfeld als fester Bestandteil des Mobiliars etabliert werden.

  • Transportboxtraining mittels Clicker, auch in Verbindung mit kurzen Autofahrten um den Block; dabei bitte nur so lange trainieren, wie sich die Katze noch relativ entspannt zeigt.

  • Sogenanntes „Tierarzttraining“. Hier lernt die Katze spielerisch, Spritzenattrappen oder Ähnliches zu tolerieren (Das Buch „Tierarzttraining für Katzen“ ist nicht nur für Besitzer eine Pflichtlektüre!).

  • Der Einsatz von Pheromon-Spray (z. B. Feliway®) in der Transportbox kurz vor dem Tierarztbesuch bewirkt nicht bei jeder Katze Entspannung, aber einen Versuch ist es wert.

  • Gabe von Alpha-Casozepin (z. B. Zylkene®: Nach der Empfehlung von Sabine Schroll (2004) soll die Gabe der doppelten Dosierung ein bis zwei Stunden vor dem Tierarztbesuch eine gute Wirkung erzielen. Alternativ können Nahrungsergänzungen bzw. Medikamente (siehe Behandlung) eingesetzt werden.

Literaturtipps:

  • Schroll, S (2004): Verhaltensmedizin bei der Katze. Leitsymptome, Diagnostik, Therapie und Prävention. MVS, Stuttgart.

  • Hauschild, C (2014): Tierarzttraining für Katzen. Einfühlsam und spielerisch zu mehr Gelassenheit. 2. Aufl. Books on Demand.

Über die Autorin

Christina Wolf arbeitet als TFA in der Tierarztpraxis Engelage in Buchholz.Sie befindet sich in der Ausbildung zur Katzenpsychologin an der Akademie für Tierheilkunde in der Schweiz. Ihre Tätigkeit in der "Cat friendly Clinic" von Angelika Drensler in Elmshorn weckte d en Wunsch, Katzenhaltern und anderen TFAs den richtigen Umgang mit Samtpfoten näherzubringen.

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