Foto: Erlebnis Zoo Hannover

Interview mit Zootierarzt

Vorsorgliche Coronatests im Zoo?

Bange Zeiten auch für zoologische Gärten. Wie organisieren sich Zoos, werden Tiere auf das neuartige Virus getestet und wie kann man helfen? Ein Interview mit Zootierarzt Viktor Molnár.

Inhaltsverzeichnis

Bäriger Nachwuchs im Erlebniszoo Hannover! Die kleine Eisbärendame schwimmt, zerlegt den Rasen und wälzt sich im Rindenmulch. Der neugierige Nachwuchs von Mama Milana, für den derzeit ein Name gesucht wird, wäre sicher der Publikumsmagnet in diesem Frühjahr geworden. Doch auch die zoologischen Gärten mussten wegen der Corona-Pandemie bis auf Weiteres ihre Pforten schließen.

Eisige Zeiten für zoologische Gärten

Damit sind auch finanziell eisige Zeiten angebrochen, Tierparks und Zoos fürchten um ihre Existenz. Wie der Tierpark Neumünster der Süddeutschen Zeitung mitteilte, wird überlegt, Hausschlachtungen zu intensivieren, um die Raubtiere auf kostengünstige Weise mit Fleisch zu versorgen.

Zootierärzte können natürlich nicht im Home Office arbeiten. Die Veterinäre und Tierpfleger kümmern sich in Schichten um Elefant und Nasenbär. Wir durften dem Zootierarzt Viktor Molnár aus dem Erlebnis Zoo Hannover ein paar Fragen stellen:

Wie regeln Sie zu Zeiten von Corona die Versorgung der Tiere?

Viktor Molnár: Die Versorgung der Tiere steht bei uns selbstverständlich an erster Stelle. Wir haben unsere Tierpfleger in jedem Bereich in Teams eingeteilt, die in speziellen Schichtsystemen arbeiten. Die Teams untereinander haben keinen Kontakt, sodass im Falle einer Erkrankung die Versorgung der Tiere sichergestellt ist.

Reagieren die Tiere darauf, dass keine Besucher mehr kommen? Wenn ja, wie?

Viktor Molnár: Es ist aufgrund der Schließung zurzeit auffallend still im Zoo. Besucher stellen auch immer eine Art von Reiz und Beschäftigung für unsere Tiere dar. Unsere Tierpfleger denken sich daher nun viele verschiedene Formen der Beschäftigung aus, durch Futterverstecke, Spielzeug und medizinisches Training mit den Tieren. Unser Zoo-Team dreht zurzeit viele kleine Videos von den Tieren, die auf der Internetseite sowie den Social-Media-Kanälen des Erlebnis-Zoos veröffentlicht werden, um den Zoo so zu den Menschen (zumindest virtuell) nach Hause zu bringen, bis wir wieder öffnen dürfen.

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Was sagen Sie zu dem positiv getesteten Tiger in New York? Werden bei Ihnen auch Tests durchgeführt?

Viktor Molnár: Es sind insgesamt drei Tiger und drei Löwen, die im Bronx Zoo in New York typische Symptome gezeigt haben, wie z.B. trockenen Husten. Ein Tiger wurde daraufhin in Narkose gelegt, um verschiedene Proben zu nehmen, woraufhin bei Tiger „Nadia“ das neuartige Coronavirus nachgewiesen wurde. Sowohl das getestete Tier, als auch die fünf weiteren Großkatzen sind inzwischen schon genesen.

Alle anderen Feliden im gleichen Zoo waren und sind symptomlos. Es liegt die Vermutung nahe, dass die Infektion der Tiere durch einen an Covid-19 erkrankten Tierpfleger erfolgte. Wenn wir bei unseren Tieren krankheitstypische Symptome sehen sollten, würden wir die notwendige Diagnostik und Therapie durchführen. Im Zoo Hannover werden weder Großkatzen, noch Menschenaffen oder weitere Tierarten auf Sars-CoV-2, das neue Coronavirus „vorsichtshalber“ getestet. In der Tierpflege gibt es bei uns generell einen hohen Hygienestandard vor und hinter den Kulissen, den wir wie gewohnt zu jeder Zeit einhalten.

Wie geht es dem Eisbären-Nachwuchs im Zoo Hannover?

Viktor Molnár: Die kleine Eisbärin erobert weiterhin neugierig ihr Reich in Yukon Bay. Sie schwimmt unglaublich gerne, spielt ausgelassen mit Mutter Milana, erlegt den Rasen (zum Leidwesen unserer Zoo-Gärtner) und übt sich im Krähen jagen. Außerdem liebt sie es, sich in der Erde und im Rindenmulch zu wälzen, sodass sie häufig als kleiner Schmutzbär herumtobt. Es ist einfach nur schade, dass wir diese tollen Momente gerade nicht live mit unseren Besuchern teilen können. Mit dem Patenunternehmen des Nachwuchses, dem Großraum Verkehr Hannover, starten wir jetzt übrigens auch die Namenssuche in Kooperation mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und der Neuen Presse.

Sicher trifft Sie die Coronakrise auch finanziell. Wie kann man dem Zoo helfen?

Viktor Molnár: Durch die Schließung des Zoos steht auch der Erlebnis-Zoo vor großen finanziellen Herausforderungen, denn natürlich müssen die Tiere weiterhin versorgt und gepflegt werden. Es gibt viele verschiedene Wege, den Zoo momentan zu unterstützen: Durch eine Spende, die Übernahme einer Tierpatenschaft oder auch den Kauf eines Gutscheins, der nach der Wieder-Öffnung eingelöst werden kann. Seit diesem Jahr firmiert der Erlebnis-Zoo als gemeinnützige GmbH und kann auch Spendenbescheinigungen ausstellen. Auf unserer Internet-Seite sind alle Möglichkeiten der Unterstützung noch einmal erklärt.

Das Gespräch führte Lisa-Marie Petersen.

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