Foto: Australian Veterinary Association

Feuer in Down Under

Waldbrände in Australien: Bilder, die bleiben

Obwohl die Buschfeuer in Down Under unter Kontrolle sind, haben Tierärzte und TFAs mit den Folgen der Katastrophe zu kämpfen.

Inhaltsverzeichnis

Von Lisa-Marie Petersen

Auch wenn China und das Coronavirus Australien in der Berichterstattung weitestgehend abgelöst haben, die Bilder der Buschfeuer vom anderen Ende der Welt haben sich in den Köpfen eingebrannt: Verkohlte Koalas, Kängurus, die vor Feuerbällen fliehen, und ganze Wälder in Asche. Dazwischen Feuerwehrmänner mit Mundschutz und Helfer, die Wildtiere verarzten.

Brände beispiellosen Ausmaßes

Immer heißere Sommer mit Temperaturen über 40 Grad, seit Juli kein Regen und starke Winde sorgten vor allem im Südosten des Landes für eine Feuersbrunst, die als „beispiellos“ gilt. So standen nicht nur die Gras- und Buschländer sowie die Eukalyptuswälder in Flammen, wie es im Süden vor allem in den heißen Sommern und im Herbst in Australien normal ist. Diesmal traf es auch die empfindlichen Regenwälder. Laut Wikipedia brannten auf 180.000 km2 5.900 Gebäude nieder, die Brände forderten 33 Menschenleben. Zum Ausmaß der verendeten Wildtiere gibt es bisher nur Schätzungen: So schreibt der World Wide Fund for Nature (WWF) von 1,25 Milliarden verendeten Wildtieren und einer Eindämmung der Koalapopulation um 30 Prozent in den Brandgebieten um New South Wales. Doch auch die überlebenden Tiere sind in Gefahr: Viele der dehydrierten und hitzegestressten Koalas haben Nierenprobleme, die verbrannte Haut ist anfällig für Infektionen. Das Päppeln der Wildtiere ist aufwendig und teuer, eine Auswilderung schwierig. So ist der Lebensraum zahlreicher Arten verbrannt, es gibt kein Futter und möglicherweise keine Fortpflanzungspartner. Koalas aus Chlamydien-freien Gebieten wie Kangaroo Island dürfen im Sinne der Infektionsprophylaxe nicht einfach woanders angesiedelt werden. Auch für Tierärzte ist die Lage bitter: Die zusätzliche, kostenfreie Versorgung der vielen Wildtiere lässt viele Kollegen emotional, zeitlich und finanziell an ihre Grenzen stoßen.

Wird das jetzt immer so sein?

„Die Lage ist verheerend“, berichtet die Präsidentin der Australian Veterinary Association (AVA) Julia Crawford in einem Telefonat. Sechs Monate Feuer, das macht nachdenklich. Geht das so weiter? „Natürlich hat man Angst, dass das jetzt jedes Jahr so wird“, sagt sie. Verheerend war die Lage insbesondere für viele tierärztliche Kliniken: So waren laut Crawford 300 Tierarztpraxen von den Bränden betroffen, 90 von ihnen schwer. Im direkten Einzugsgebiet des Feuers mussten sie zeitweise ohne Strom und zum Teil sogar ohne Wasser auskommen. Zwar konnte durch einen guten Zusammenhalt der Tierärzte untereinander und mithilfe vom Militär eine Versorgung mit Gebrauchsmaterialien überraschend gut aufrechterhalten werden, jedoch haben viele veterinärmedizinische Einrichtungen große finan­zielle Verluste zu beklagen. Fehlendes Wasser war auch für viele Farmer ein Problem. Denn auch wenn ein Großteil der landwirtschaftlichen Nutztiere und Pferde dank der Mithilfe erfahrener Experten erfolgreich evakuiert werden konnte, brauchen diese Tiere Futter und Wasser zum Leben. Online berichten Tierärzte von weiteren Auswirkungen der extremen Hitzeperioden: So seien Bullen zunehmend unfruchtbar und die Zucht werde immer schwieriger. Crawford ist jedoch voller Hoffnung, dass sich die Farmer erholen und weitermachen werden.

Helfen – aber wie?

Immerhin gibt es Unterstützung für die Berufsgruppe – sowohl finanziell als auch mental. Zum einen hat die AVA mit dem „Veterinary Benevolent Fund“ ein Spendenkonto zur finanziellen Unterstützung betroffener und helfender Tierärzte eingerichtet. Zudem wurde von der Organisation WIRES (Wildlife Information an Rescue Service) eine Million australische Dollar für betroffene Kliniken zur Verfügung gestellt. Landwirte erhalten laut Crawford staatliche Unterstützung. Auch können traumatisierte Kollegen bei der Telefonhotline der Australian Association of Psychologists „Love Your Pet Love Your Vet“ Unterstützung erhalten, um das Gesehene und Erlebte mithilfe eines Experten zu besprechen und zu verarbeiten. „Derzeit sind die Kollegen wahrscheinlich noch zu beschäftigt, um zu realisieren, was da wirklich passiert ist“, glaubt Julia Crawford. Die Hotline sei jedoch wichtig und richtig.

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Wie lange es dauern wird, bis sich die Wildtierpopulationen und das Ökosystem von den Bränden erholen und welche langfristigen Folgen zu erwarten sind, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorausgesagt werden. Derzeit regnet es, die Tagesschau berichtete sogar schon von Überschwemmungen. Dies zeigt ein weiteres Problem auf: Man muss damit rechnen, dass es durch die ersehnten Niederschläge zu Bodenerosionen und mit der Abschwemmung von Asche und toxischen Bodenpartikeln zu gesundheitlichen Auswirkung bei im Wasser lebenden Tieren kommen kann.

Für engagierte TFAs und Tierärzte

Hilfsprojekt

Das „Australian Veterinary Response Team“ (AVERT), ein von Vets Beyond Borders
(= Tierärzte ohne Grenzen) im Jahre 2015 gegründetes Hilfsprogramm, sucht stets freiwillige Helfer (Tierärzte und TFAs). Informationen und Volunteers werden in einer nationalen Datenbank gesammelt und zusammengefasst.

Internetseite des Hilfsprojekts: www.vetsbeyondborders.org

Klimawandel

Der langfristige „Forest Fire Danger Index“ zeigt, dass das Feuerrisiko in Australien von Jahr zu Jahr erheblich schwankt. Laut Spiegel macht die australische Klimabehörde den Klimawandel mitverantwortlich für die katastrophale Entwicklung in 2019/20. Auch Tierärzte setzen sich für Umweltschutz und eine nachhaltige Landwirtschaft ein. Ein Beispiel ist die Vereinigung Veterinarians for Climate Action.

Weitere Informationen: svg.to/klimaschutzvets

Über die Autorin

Als Tierärztin horcht Lisa-Marie Petersen gern am Ort des Geschehens nach: Was beschäftigt die Tiermedizin derzeit? Interessante Themen verarbeitet die Fachjournalistin dann in redaktionellen Beiträgen für Print- und Onlinemedien.

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