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Gelenkgesundheit

Was bei Gelenkschmerzen hilft

Gelenkschmerzen bei Hunden: Multimodale Therapien können Symptome lindern und einem weiteren Verschleiß vorbeugen.

Inhaltsverzeichnis

Von Lisa-Marie Petersen

Ob Verletzungen oder degenerative Gelenkerkrankungen wie die Arthrose; Probleme mit den Gelenken verursachen Schmerzen und vermindern die Lebensqualität des Vierbeiners.

Woran erkenne ich, ob ein Tier chronische Schmerzen hat?

Wenn ein Hund nach einer akuten Verletzung auf drei Beinen steht, stark humpelt oder unablässig wimmert, sind seine Schmerzen kaum zu übersehen. Die Herausforderung besteht darin, chronische Schmerzen zu erkennen. Diese kommen schleichend und zeigen sich viel weniger offensichtlich. Oft werden sie als normale Alterserscheinungen abgetan und fehlinterpretiert. Um chronischen Schmerz zu erkennen, braucht es ein geschultes Auge, denn mehr als kleine Verhaltensänderungen sind oft nicht zu entdecken. Besitzer sollten ihren Vierbeiner aus diesem Grund stets aufmerksam beobachten: Findet er keine Ruhe? Zieht er sich zurück oder ist weniger aktiv als üblich? Es ist möglich, dass er seinem Besitzer nicht mehr überall hin folgt, weil das Aufstehen oder Treppensteigen für ihn beschwerlich und mit Schmerz verbunden ist. Jeder Sprung in den Kofferraum kann für Schmerzpatienten zum Kraftakt werden. Vielleicht schreit ein Hund auch plötzlich auf, wenn er an bestimmten Stellen berührt wird, beleckt bestimmte Körperteile ständig oder reagiert aggressiv, obwohl das ein bis dato untypisches Verhalten war?

Wieso braucht ein Tier ein Schmerzmittel?

Ein Hund fühlt Schmerzen genauso wie wir Menschen, kann aber nicht sagen, wo und wie stark ihm etwas weh tut. Hat sich ein Hund eine Kralle verletzt, warnt dieser akute Schmerz das Tier: Hier stimmt etwas nicht! Halten unbehandelte Schmerzen allerdings über einen längeren Zeitraum an, wird das schmerzerkennende System immer wieder stimuliert und entwickelt ein sogenanntes Schmerzgedächtnis. Schmerzerkennende Nervenzellen sind dann empfindlicher für Reize. Der Grund: Durch die anhaltende Stimulation werden sie wiederholt erregt und immer mehr sensibilisiert. Ihr Hund empfindet Schmerz, obwohl der ursprüngliche Auslöser nicht mehr existiert. Fazit: Um die vielen negativen Auswirkungen, die Schmerz auf das Tier haben kann, zu verhindern, müssen Schmerzmittel verabreicht werden.

Was muss bei der Anwendung von Schmerzmedikamenten beachtet werden?

Schmerzmittel können nur optimal wirken, wenn sie nach den Therapieempfehlungen des Tierarztes verabreicht werden. Es liegt besonders beim Besitzer, an die Gabe des Medikaments zu denken. Der Tierarzt wird den Hund vor der Verschreibung eines Schmerzmittels genau untersuchen und gegebenenfalls ein Blutbild anfertigen. Vor allem, wenn die Medikamente über einen langen Zeitraum verabreicht werden, sind regelmäßige Kontrollbesuche beim Tierarzt sinnvoll. Denn: Obwohl Schmerzmittel auch in der Langzeitanwendung gut verträglich sind, kann das Auftreten von Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden.

Keinesfalls sollten Besitzer die verordneten Dosierungen eigenständig verändern. Und Achtung: Tiere haben einen anderen Stoffwechsel als Menschen − Humanpräparate können bei ihnen daher schwere gesundheitsschädigende Nebenwirkungen auslösen!

Wenn der Besitzer das Gefühl hat, dass sein Hund trotz der Therapie noch Schmerzsymptome zeigt oder sich sein Verhalten verändert, sollte er lieber einmal öfter beim Tierarzt vorstellig werden.

Wie gut verträglich sind Schmerzmittel – auch auf Dauer?

Diese Frage stellt sich besonders bei Hunden, die aufgrund chronischer Schmerzen eine fortwährende Therapie benötigen. Fest steht: Schmerzen müssen behandelt werden. Zum Glück ist dies auch auf Dauer möglich. Die Arzneien sollten wirksam, gut verträglich und auch zu Hause problemlos verabreichbar sein. Am häufigsten verwenden Tierärzte Präparate aus der Stoffklasse der sogenannten nichtsteroidalen Entzündungshemmer (NSAIDs). Durch die Blockade bestimmter Enzyme mindern sie nicht nur den Schmerz, sondern bewirken auch das Abschwellen von Geweben, senken Fieber und hemmen Entzündungsprozesse.

Die auf dem Markt verfügbaren NSAIDs sind auf ihre Wirksamkeit und Verträglichkeit auch in der Langzeitanwendung geprüft und daher als sehr sicher zu betrachten. Es gibt Präparate, deren Dosis unter tierärztlicher Anleitung im Laufe der Zeit Schritt für Schritt gesenkt und so individuell an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden kann. Dadurch können mögliche Nebenwirkungen der Medikamente reduziert werden.

Natürlich sollten die Tiere trotzdem stets beobachtet und regelmäßig vom Tierarzt kontrolliert werden.

Welche Therapieansätze gibt es, um Schmerz zu behandeln?

Bei der Schmerzentstehung und -empfindung handelt es sich um ein sehr komplexes Geschehen, das eine ebenso vielschichtige Herangehensweise erfordert. Die Gabe von Schmerzmitteln stellt nur die Basis der Schmerztherapie dar. Aktuell wenden Tierärzte das sogenannte multimodale Behandlungskonzept an: Sie kombinieren die Gabe eines oder mehrerer Schmerzmittel mit weiteren Maßnahmen. Dazu zählen Physiotherapie, Gewichtskontrolle, Chondroprotektiva, Akupunktur, Strahlentherapie und Chirurgie.

Ziel dieses Therapie-Mixes ist es, die unterschiedlichen Schmerzursachen an der Wurzel zu packen, um den Hund wieder mehr Lebensqualität zu schenken. Bei Arthrosepatienten soll der multimodale Ansatz dazu beitragen, die allgemeine Beweglichkeit zu verbessern und damit die Bewegungsfreude der Tiere wiederherzustellen.

Ein Hund bekommt bereits ein Schmerzmittel – was kann der Halter sonst noch tun?

Um die Lebensqualität von Schmerzpatienten zu erhöhen, sollten unterschiedliche Therapiemaßnahmen kombiniert werden. Jeder Tierhalter kann dazu einen Beitrag leisten:

  • Gewichtsreduktion: Übergewicht kann den frühzeitigen Gelenkverschleiß fördern, es kommt zu Entzündung und Schmerz. Eine langsame, aber kontinuierliche und vom Tierarzt betreute Gewichtsabnahme kann dem Hund das Leben erleichtern.

  • Knorpelschutz: Natürliche Ergänzungsfuttermittel, die Knorpelschutzsubstanzen wie zum Beispiel das Grünlippenmuschelextrakt enthalten, können die Gelenkfunktion unterstützen. Sie können die Bindegewebsstrukturen des Gelenks (Kapsel, Sehnen, Bänder) stärken, die Regeneration des Knorpels fördern und Entzündungsprozesse lindern.

  • Physiotherapie: Speziell ausgebildete Tierphysiotherapeuten können mit spezifischen Übungen die Beweglichkeit von Schmerzpatienten erhöhen und ihre Muskulatur gezielt stärken. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, wie viel und welche Bewegung Ihrem Hund guttut. Das Schwimmen ist eine gute Möglichkeit, gelenkkranke Tiere schonend zu trainieren.

  • Alltagshilfen und Bewegung: Rutschfeste Matten auf glatten Böden, gut gepolsterte Hundebetten und Einstiegsrampen für den Kofferraum helfen Schmerzpatienten durch den Alltag und verschaffen ein wenig Komfort.

Über die Autorin

Als Tierärztin horcht Lisa-Marie Petersen gern am Ort des Geschehens nach: Was beschäftigt die Tiermedizin derzeit? Interessante Themen verarbeitet die Fachjournalistin dann in redaktionellen Beiträgen für Print- und Onlinemedien.

Praxistipp: Ein kostenfreier Ratgeber aus der Reihe "10 Fragen/Antworten" von Der Praktische Tierarzt informiert Tierhalter über Gelenkprobleme beim Hund. Leicht verständlich und fachlich auf dem neuesten Stand werden die zehn wichtigsten Fragen zum Thema beantwortet. Die handliche Broschüre können Sie hier bestellen, um Sie im Wartezimmer auszulegen oder an Patientenbesitzer zu verteilen.

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