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Steckbrief

Was die Rennmaus braucht

Mongolische Rennmäuse sollten bevorzugt in Paaren oder kleinen Gruppen gehalten werden. In großen Gruppen entstehen oftmals Rangordnungskämpfe.

Von Dr. med. vet. Patricia Solms

Wer sich über die Bedürfnisse seines Heimtiers informiert und sich nach ihnen richtet, verhindert die Entwicklung von Verhaltensstörungen. Das macht sowohl das Heimtier als auch den Halter glücklich!

Systematik

Mäuseverwandte – Mäuseartige – Rennmaus

Lebenserwartung

3–4 Jahre (max. 5 Jahre)

Geschlechtsreife

nach 5–8 Wochen

Herkunft

Der Trivialname „Gerbil“ ist aufgrund der Klassifizierung missverständlich, da die Mongolische Rennmaus nicht zu der Gattung Gerbillus (Echte Rennmaus), sondern zur Gattung der Meriones (Sand- oder Wüstenrennmaus) gehört. Die Herkunft der Mongolischen Rennmaus liegt, wie der Name schon sagt, in der Mongolei bzw. Mandschurei. Die heute gehaltenen Tiere stammen von 20 Zuchtpaaren ab, die 1935 gefangen wurden. Sie sind tag- und nachtaktiv mit einem zwei- bis vierstündigen Schlaf-Wach-Rhythmus.

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Ernährung

Rennmäuse ernähren sich von fettarmen Sämereien, ergänzt mit grünen Pflanzenteilen. Zur artgerechten Ernährung gehört auch tierisches Eiweiß, welches beispielsweise in Form von hartgekochten Eiern, Katzentrockenfutter oder Futterinsekten (z. B. Heimchen oder Mehlwürmer) gegeben werden kann. Im Handel sind auch fertige Futtermischungen erhältlich, welche aber qualitativ hochwertig sein sollten.

Sozialverhalten

In der Natur lebt die Mongolische Rennmaus als streng monogames Elternpaar mit der Nachzucht bis zur Geschlechtsreife der Kleinen zusammen. Die Zucht hat das Verhalten der Rennmäuse stark verändert. Es hat sich aber gezeigt, dass bei Tieren aus dem Zoofachhandel die Paarhaltung (mit kastriertem Männchen) funktioniert. Die Haltung zweier weiblicher Wurfgeschwister scheint hierbei die stabilste Weibchengruppe. Bei größeren Gruppen besteht die Gefahr von teils sehr invasiven Rangordnungskämpfen (intraspezifische Aggression), insbesondere dann, wenn nicht genügend Platz zum Ausweichen der Individuen besteht und unterlegene Tiere nicht flüchten können.

Haltung

Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT) sollte die Haltungseinrichtung aus einer möglichst undurchsichtigen Unterschale mit den Mindestmaßen 100 x 50 x 50 cm (L x B x H) und einem Gitteraufsatz von mindestens 30 cm Höhe bestehen. In einer solchen Haltungseinrichtung können zwei Tiere gehalten werden. Für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um mindestens 25 % zu vergrößern.

Rennmäuse graben auch in menschlicher Obhut Tunnelsysteme. Daher sollte die Einstreu aus Kleintierstreu, Heu, Stroh und Papierstreifen bestehen und mindestens 40 cm tief sein. Rennmäuse sind auch sehr aktive Tiere und benötigen daher viel Beschäftigung. Wurzeln und zernagbares Material wie Papier, Kartons und Äste bieten wertvolles Beschäftigungsmaterial und können zusammen mit Röhren zur Anlage der unterirdischen Tunnel verwendet werden. Auch ein Sandbad mit Chinchillasand darf nicht fehlen. Der Wassernapf bzw. die Trinkflasche sollten an der Seitenwand befestigt oder auf erhöhte Flächen gestellt werden, da sie sonst eingegraben werden. Die undurchsichtige Unterschale beugt Verhaltensstörungen vor. 

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Da Rennmäuse dunkle Rückzugsmöglichkeiten benötigen, um ihr Sicherheitsbedürfnis zu befriedigen, kann eine Haltung in einem Terrarium ohne geeignete Rückzugsmöglichkeiten (absolut finstere Häuschen, welche beispielsweise nur durch einen Tunnel mit Knick zu erreichen sind) zu abnormal-repetitivem Verhalten (ARV) führen: Beim Tunnelgraben stoßen die Tiere auf Glas und durch die daraus resultierende fehlende Dunkelheit graben die Rennmäuse immer weiter. Stereotypes Graben kann die Folge sein. 

Rennmäuse mögen keine Veränderungen. Häufiges Säubern des Käfigs setzt sie daher unter Stress. Da Rennmäuse ihren Harn sehr stark konzentrieren und ihre Markiertätigkeit mit der Bauchdrüse (statt mit Urin) durchführen, ist die Geruchsentwicklung nur sehr gering und das häufige Wechseln der kompletten Einstreu somit auch nicht erforderlich. 

Über die Autorin

Dr. med. vet. Patricia Solms ist Tierärztin und Praxisinhaberin mit der Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie. Sie ist zudem Sachverständige für Sachkunde- und Wesensprüfungen.

Buchtipp

Viele nützliche Informationen zur artgerechten Haltung von Heimtieren bietet der Praxisleitfaden „Verhaltensprobleme bei Nager, Reptil & Co. – Von den Grundlagen bis zum Management“. Dorothea Döring, Petra Kölle, Walter Lantermann, Barbara Schneider, Patricia Solms und Daniele Zurr geben Tipps für die tägliche Praxis und beschreiben nachvollziehbare Therapieansätze verhaltensauffälliger Heimtiere. Mit zahlreichen Hand-Outs für Patientenbesitzer zum Downloads und Videos. Das Buch können Sie hier vorbestellen. Erscheint: 30.04.2022

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Dieser Leitfaden vermittelt praxisnah und leicht verständlich Grundlagen des Medical Trainings, gibt wertvolle Tipps zur Prävention von Verhaltensstörungen und zeigt Therapieansätze auf. Ein hilfreiches Nachschlagewerk insbesondere für Praxisteams, die nicht auf Verhaltensmedizin spezialisiert sind.

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