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Parasitensteckbrief 24. Oktober 2022

Was Sie über die Auwaldzecke wissen sollten

Die Auwaldzecke, manchmal auch Winterzecke genannt, gehört zu der Gattung der Buntzecken. In unserem Steckbrief geben wir einen kurzen Überblick über Morphologie, Wirte, Lebenszyklus, Nachweis und Behandlung.

Die Auwaldzecke hält sich gerne in lichten Wäldern, Überschwemmungsgebieten und waldnahen Wiesenflächen auf.
Die Auwaldzecke hält sich gerne in lichten Wäldern, Überschwemmungsgebieten und waldnahen Wiesenflächen auf.
Inhaltsverzeichnis

Von Dr. med. vet. Ronald Schmäschke

Morphologie

Die zu den Schildzecken gehörende Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) hat wie der Holzbock (Ixodes ricinus) einen kompakten Körper mit acht gegliederten Beinen, die am Ende ein Krallenpaar und einen Haftlappen aufweisen, das Larvenstadium hat nur sechs Beine. Das Rückenschild, das beim Männchen bis an den Hinterrand des Körpers reicht, ist emailleartig cremeweiß-braun ornamentiert, daher ist Dermacentor „auffälliger“ gefärbt als der Holzbock (siehe Abb. 1) und wird auch „Buntzecke“ genannt. Vorne befinden sich die Mundwerkzeuge (Hypostom, Chelizeren, Pedipalpen), hinter dem letzten Beinpaar die Stigmenöffnungen (fehlen bei den Larven). Am Körperhinterrand sind 11 kleine Schildchen (Festons) ausgebildet (siehe Abb. 2, roter Pfeil), die Analfurche befindet sich bei D. reticulatus kaudal der Analöffnung (siehe Abb. 2, blauer Pfeil).

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Wirte

D. reticulatus wird in ganz Deutschland nachgewiesen. Die Larven und Nymphen bevorzugen Kleinsäuger (Mäuse) als Wirte, während man an Haustieren, besonders Hund und Pferd, überwiegend adulte Dermacentor findet. Rinder, Schafe und auch der Mensch werden seltener befallen.


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Lebenszyklus

D. reticulatus ist eine dreiwirtige Zecke, jedes Entwicklungsstadium (Larve, Nymphe, Adulte) befällt zum Blutsaugen jeweils einen neuen Wirt. Das Weibchen legt nach der Kopulation in der Umgebung einmalig Eier ab, aus denen dann die Larven schlüpfen. Die einzelnen Entwicklungsstadien können überwintern und lange ohne Nahrung auskommen. Je nach Wirtsverfügbarkeit und Temperatur/Luftfeuchte dauert der gesamte Entwicklungszyklus ein oder zwei Jahre.

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Nachweis

Der Nachweis der Zecken erfolgt direkt am Tier. Als Prädilektionsstellen gelten besonders weichhäutige, geschützte Körperpartien (z. B. Ohren, Augenumgebung, Schenkelfalten, Perianalbereich). Ein Zeckennachweis im Biotop kann mit der Fahnenmethode („Flaggen“) erfolgen. Ein helles Tuch wird über die Vegetation gezogen und die Zecken anschließend abgesammelt (siehe Abb. 3).

Klinisches Bild

Die kompakten Mundwerkzeuge der Zecken können zu einer mechanischen Schädigung der Haut und das Blutsaugen zu einer Anämie führen, was aber nur bei einem massiven Zeckenbefall bedeutsam ist.

Prophylaxe/Behandlung

Zecken sollten möglichst zeitig entfernt werden, wobei man mit einer Pinzette oder Zeckenzange an den Mundwerkzeugen direkt über der Haut ansetzt und die Zecke heraushebelt. Keinesfalls sollte man versuchen, Zecken mit Klebstoff, Öl, Nagellack oder Ähnlichem „vorzubehandeln“, um sie dann besser herauslösen zu können. Prophylaktisch können akarizidhaltige Zeckenhalsbänder oder Spot-on-Präparate eingesetzt werden.

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Schon gewusst?

  • Männchen von D. reticulatus sind größer als Weibchen (beim Holzbock ist es umgekehrt).
  • Leichter Bodenfrost im Winter unterbindet die Wirtssuche von D. reticulatus nicht.
  • In Südwestdeutschland ist mit der Schafzecke (D. marginatus) eine weitere Art der Gattung Dermacentor heimisch.
  • Der Name Auwaldzecke ist verwirrend, da diese Zecken nicht nur in Auwäldern vorkommen, sondern besonders in stärker besonnten Wiesenlandschaften. Daher wird sie auch als Wiesenzecke bezeichnet.
  • D. reticulatus ist Überträger der Blutparasiten Babesia canis beim Hund bzw. Babesia caballi und Theileria equi beim Pferd.

Hier können Sie sich den Parasitensteckbrief downloaden.

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tfa-parasitensteckbrief-auwaldzecke.pdf (103.89 KB)
Tierisch Dabei 2–3/2021; Parasiten-Steckbrief – die Auwaldzecke

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