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Steckbrief

Was Sie über Meerschweinchen wissen sollten

Meerschweinchen sind gesellige Tiere! Das ist auch bei ihrer Haltung als Heimtier dringend zu beachten.

Von Dr. med. vet. Barbara Schneider und Dr. med. vet. Patricia Solms

Das Meerschweinchen gehört unter Heimtierhaltern zu den beliebtesten Kleinsäugern. Verfügt ein Halter allerdings nicht über das nötige Wissen bezüglich Haltung und Fütterung, können die Kleinnager erkranken, unerwünschtes Verhalten oder sogar manifestierte Verhaltensstörungen entwickeln.

Systematik

Stachelschweinverwandte – Meerschweinchenverwandte – Echte Meerschweinchen

Lebenserwartung

6–8 Jahre

Geschlechtsreife

Weibchen ab der 4.–5. Lebenswoche, Männchen ab der 8.–10. Lebenswoche

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Herkunft

Wild lebende Meerschweinchen sind tag- bis dämmerungsaktive Nagetiere, welche in großen Teilen Südamerikas beheimatet sind.

Ernährung

Meerschweinchen sind typische Pflanzenfresser, deren Grundnahrung bei der Haltung in menschlicher Obhut aus Heu besteht. Ergänzt werden kann dies mit Frischfutter und Kräutern wie Wegerich oder Giersch, Salat, Gemüse und in kleinen Mengen Obst. Als Environmental Enrichment können Zweige von ungespritzten einheimischen Obstbäumen (außer Steinobst, diese enthalten, wie auch die Steine der Früchte, Amygdalin, von welchem enzymatisch Blausäure abgespalten wird) und Laubbäumen gegeben werden.

Haltung

Meerscheinchen verfügen über einen starken Fluchttrieb. Insbesondere plötzliche Bewegungen von oben erschrecken sie. Daher sollte ein Gehege immer erhöht stehen oder mehrere mit Rampen verbundene Eben beinhalten. Für jedes Tier muss mindestens ein Häuschen mit je zwei Ausgängen als Unterschlupf zur Verfügung stehen. Die Gehegegrundfläche sollte für 2–4 Meerschweinchen mindestens 2m2 betragen.

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Sozialverhalten

Meerschweinchen sind sehr gesellige Tiere, welche in der Natur in sozialen Verbänden von fünf bis 15 Tieren leben und hierarchisch organisiert sind. Es gibt bei ihnen das Phänomen des „social support“. Das bedeutet, dass die Anwesenheit des sozialen Bindungspartners („bester Freund“) den Stress eines Tiers deutlich reduzieren kann. Daher sollte Einzelhaltung strikt vermieden werden. Die soziale Struktur ist auf bleibenden, stabilen Sozialgefügen mit engen Sozialkontakten, meist zwischen einem männlichen und mehreren weiblichen Individuen (Haremshaltung), aufgebaut. Dies ist auch für die Heimtierhaltung empfehlenswert. Reine Weibchengruppen sind möglich, wenn kein sozial kompetentes Männchen verfügbar ist. Die Gruppen sollten möglichst stabil bleiben.

Verhaltensauffälligkeiten

Häufige Verhaltensprobleme entwickeln sich aus der Angst bzw. Aggression gegenüber den Artgenossen und dem Menschen. Aber auch abnormal-repetitives Verhalten (ARV) kommt beim Meerschweinchen in Form von Stangennagen, Fressen unangemessener Objekte und Trichotillomanie (Ausreißen von Haarbüscheln) vor. Letzteres kann jedoch auch bei Rohfasermangel oder medizinischen Ursachen auftreten. Das abnormal-repetitive Stangennagen sollte nicht mit dem aufmerksamkeitsfordernden Stangenbeißen verwechselt werden. Hierbei liegt der Unterschied u. a. in der Frequenz und im Kontext. Beispiel: Der Besitzer kommt ins Zimmer, das Meerschweinchen zeigt Fiepen und Stangenbeißen, bis Futter kommt oder sich der Besitzer mit dem Tier beschäftigt. Abnormal-repetitives Stangennagen wäre unabhängig vom Besitzer und würde zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten.

Über die Autorinnen

Dr. med. vet. Barbara Schneider ist Fachtierärztin für Verhaltenskunde mit jahrelanger Erfahrung in der verhaltenstherapeutischen Praxis. 

Dr. med. vet. Patricia Solms ist Tierärztin und Praxisinhaberin mit der Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie. Sie ist zudem Sachverständige für Sachkunde- und Wesensprüfungen.

Buchtipp

Viele nützliche Informationen zur artgerechten Haltung von Heimtieren bietet der Praxisleitfaden „Verhaltensprobleme bei Nager, Reptil & Co. – Von den Grundlagen bis zum Management“. Dorothea Döring, Petra Kölle, Walter Lantermann, Barbara Schneider, Patricia Solms und Daniele Zurr geben Tipps für die tägliche Praxis und beschreiben nachvollziehbare Therapieansätze verhaltensauffälliger Heimtiere. Mit zahlreichen Hand-Outs für Patientenbesitzer zum Downloads und Videos. Das Buch können Sie hier vorbestellen. Erscheint: 30.04.2022

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Dieser Leitfaden vermittelt praxisnah und leicht verständlich Grundlagen des Medical Trainings, gibt wertvolle Tipps zur Prävention von Verhaltensstörungen und zeigt Therapieansätze auf. Ein hilfreiches Nachschlagewerk insbesondere für Praxisteams, die nicht auf Verhaltensmedizin spezialisiert sind.

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