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Vektorübertragene Krankheiten

Was sticht denn da?

Leishmaniose, kardiovaskuläre und kutane Dirofilariose gehören zu den vektorübertragenen Krankheiten bei Hunden. Wir geben Ihnen Tipps zur Beratung von Patientenbesitzern.

Inhaltsverzeichnis

Von Dr. med. vet. Shiela Mukerjee-Guzik

Vektorübertragene Krankheiten bei Hunden werden in deutschen Tierarztpraxen mit zunehmender Häufigkeit diagnostiziert und behandelt. Dies hat verschiedene Gründe:

  1. Das Verbreitungsgebiet verschiedener ursprünglich vorwiegend in Süd- und Osteuropa vorkommender Vektoren dehnt sich zunehmend in Richtung Norden aus.

  2. Milde Winter verhindern die natürliche Reduktion bestimmter Vektoren wie Mücken und Zecken.

  3. Es werden immer mehr Tierschutz-Hunde aus dem Ausland adoptiert, die möglicherweise Träger dort endemischer (nur in bestimmten Gebieten vorkommender) Erkrankungen sind.

  4. Viele Menschen nehmen ihre Vierbeiner mit in den Urlaub, u. a. in Länder, in denen solche Krankheiten endemisch sind und ein entsprechend hohes Infektionsrisiko besteht.

Für einen Teil dieser Erkrankungen (v. a. Anaplasmose, Babesiose, Dirofilariose, Ehrlichiose, Hepatozoonose und Leishmaniose) hatten sich in der Vergangenheit die Bezeichnungen Reise- und Mittelmeerkrankheiten etabliert, da sie ursprünglich insbesondere mit dem Mittelmeerraum und den dortigen Urlaubszielen assoziiert wurden. Da aber Erkrankungen wie die Anaplasmose und Babesiose inzwischen auch in anderen Gebieten Europas, u. a. in Deutschland, endemisch vorkommen, sind diese Begriffe heutzutage als überholt anzusehen.

Leishmaniose

Leishmaniose ist eine nicht nur für den Hund, sondern auch für den Menschen gefährliche parasitäre Infektionskrankheit mit potenziell tödlichem Ausgang. Beim Hund nimmt sie meist einen chronischen Verlauf und ist nach heutigem Kenntnisstand nicht heilbar. Sie stellt eine Zoonose dar, d. h., es besteht ein gewisses Risiko der Übertragung vom Tier auf den Menschen und umgekehrt. Wirte sind neben Hund und Mensch auch Katze, Fuchs, Wolf, Nagetiere und evtl. das Pferd.

Erreger und Verbreitung

Erreger der Leishmaniose sind einzellige Parasiten (Protozoen) der Gattung Leishmania. In Europa spielt Leishmania infantum die größte Rolle. Das Verbreitungsgebiet umfasst v. a. den Mittelmeerraum, reicht inzwischen aber bis zum 46. nördlichen Breitengrad. Überträger der Leishmaniose sind Sand- oder Schmetterlingsmücken der Gattung Phlebotomus, deren Hauptflugzeit sich (abhängig von der Temperatur, die über 16 Grad Celsius liegen muss) von April bis November erstreckt. Die Mücken fliegen in der Dämmerung bzw. nachts und sind lautlos, sodass sie von ihren schlafenden Opfern nicht bemerkt werden, obwohl der Stich schmerzhaft ist. Da sie mit einer Länge von 2 mm sehr klein sind, stellen herkömmliche Mückennetze keinen wirkungsvollen Schutz dar.

In Deutschland – beispielsweise in Baden-Württemberg entlang des Rheingrabens sowie in Rheinland-Pfalz im Raum Kaiserslautern und Saarbrücken – existieren regional begrenzte natürliche Sandmückenpopulationen. In der genannten Region in Rheinland-Pfalz wurden einige Fälle von Leishmaniose bei Hunden festgestellt, die nicht durch den Reiseverkehr o. a. mögliche Ursachen erklärbar waren.

Infektion

Mittlerweile leben schätzungsweise rund 100.000 Leishmaniose-positive Hunde in Deutschland. Der überwiegende Teil von ihnen wurde durch den Stich einer Sandmücke mit dem Erreger der Leishmaniose infiziert. Das Infektionsrisiko nimmt zum Ende des Sommers zu. Hat die Mücke bei einem infizierten Hund Blut gesaugt und den Parasiten aufgenommen, braucht dieser ca. fünf bis acht Tage (Präpatenz), um in der Mücke bestimmte Entwicklungsstadien zu durchlaufen und wieder die infektiöse Form für den Hund bzw. auch für den Menschen anzunehmen, die ebenfalls durch den Stich übertragen wird. Daneben hat sich gezeigt, dass es noch andere Übertragungswege gibt, z. B. durch den Deckakt oder diaplazentare Infektion. Wird eine Leishmaniose-positive Hündin trächtig, werden bis zu 75 % ihrer Welpen schon intrauterin infiziert. Es ist auch nicht auszuschließen, dass ein Leishmaniose-positiver Hund im Rahmen eines Beißvorfalls den Erreger auf einen gesunden, bis dahin nicht infizierten Artgenossen übertragen kann. Bei klinisch erkrankten Tieren kann auch eine Übertragung über Haut­läsionen, Speichel, Konjunktivalsekret oder Urin erfolgen.

Die Inkubationszeit beträgt einen Monat bis zu acht Jahre, in denen die Hunde klinisch unauffällig sind. Die Patenz (Ansteckungsfähigkeit) erstreckt sich meist über Jahre bzw. bleibt lebenslang erhalten.

Es gibt Hinweise auf eine genetische Resistenz bei bestimmten Hunderassen (z. B. Podenco), aber auch auf rassespezifische Prädispositionen (z. B. Deutscher Schäferhund, Rottweiler und Boxer).

Symptome

Nicht jeder infizierte Hund erkrankt auch klinisch an Leishmaniose. In Abhängigkeit vom Immunstatus zum Zeitpunkt der Infektion kann es dem Organismus sogar gelingen, den Erreger zu eliminieren. Voraussetzung dafür ist das Vorherrschen einer zellulären Immunantwort. Überwiegt hingegen die humorale Immunantwort mit hoher Antikörper-Produktion, kommt es zur Bildung von Antigen-Antikörper-Komplexen, die in der Folge zu einer Schädigung der Nieren (Glomerulonephritis) führen. Diese stellt bei an Leishmaniose erkrankten Hunden die häufigste Todesursache dar.

Liegt gleichzeitig eine Infektion mit Ehrlichien, Babesien oder Filarien vor, erkranken die betroffenen Hunde signifikant häufiger klinisch an Leishmaniose.

Die Leishmanien können die Haut, Schleimhaut und Organe schädigen, wo sie granulomatöse, nicht-eitrige Entzündungsreaktionen hervorrufen. Bevorzugt werden die Lymphknoten und Milz, das Knochenmark (hier v. a. die Leukozyten), die Leber und der Darm befallen. Durch die Ablagerung von Immunkomplexen (s. o.) kommt es zur indirekten Schädigung von Nieren und Blutgefäßen.

Das klinische Bild ist sehr facettenreich, was die Diagnose dieser Erkrankung manchmal sehr erschwert. Die häufigsten Symptome sind:

Allgemein:

  • generalisierte Lymphadenopathie (Lymphknotenschwellungen)

  • Fieber

  • Gewichtsverlust

  • Lethargie und herabgesetzte Belastbarkeit

  • Polydipsie und Polyurie

  • gastrointestinale Störungen (Inappetenz, Durchfall, Erbrechen)

  • Blutungen (Epistaxis, Zahnfleischbluten, Meläna), Anämie (nicht-regenerativ), Zerstörung des Knochenmarks

  • Glomerulonephritis, Proteinurie

  • Splenomegalie (Milzvergrößerung)

  • Arthritis, Myositis

Haut:

  • nicht juckende, teils symmetrische Haut- und Schleimhautveränderungen, v. a. blutige oder schuppende Ekzeme an den Ohren, im Gesicht (Nasenspiegel), an den Haut-Schleimhaut-Übergängen (oral, nasal, genital), den Gelenken und über Knochenvorsprüngen, teils mit Knötchen- oder Geschwürbildung; Ohrrandnekrosen

  • Alopezie (Haarausfall); Brillenbildung durch Haarverlust um die Augen

  • offene Wunden ohne vorherige Verletzungen

  • Hyperkeratosen

  • Krallenbettentzündungen, auffallend starkes Wachstum und Hypertrophie der Krallen, Ballenfissuren

Augen:

Entzündungen aller Anteile des Auges möglich, insbesondere Konjunktivitis und Keratokonjunktivitis, Blepharitis und Uveitis

Gemäß den Richtlinien von LEISHVET kann die Leishmaniose des Hundes in vier klinische Stadien eingeteilt werden. Näheres unter www.leishvet.org. Der Erregernachweis erfolgt direkt oder indirekt.

Diagnostik

Beim direkten Erregernachweis werden Abstriche aus dem Randbereich nässender Hautveränderungen bzw. durch Feinnadelaspiration gewonnene Proben aus Lymphknoten oder Knochenmark mikroskopisch mittels Giemsafärbung im Ausstrich und/oder per PCR (Polymerasekettenreaktion zum Nachweis von Erreger-DNA) untersucht. Fast genauso sensitiv wie die PCR aus Knochenmark ist die PCR aus Konjunktivalsekret.

Der indirekte Erregernachweis erfolgt durch Bestimmung des Antikörpertiters mittels spezifischer Vollantigen-Tests aus Serum oder Plasma (ELISA oder IFAT, je nach Herkunftsland des Hundes). Die Titerhöhe wird als negativ, fraglich/zweifelhaft oder positiv eingestuft. Hohe Titer ohne klinische Symptome gelten als frühe Marker für einen zu erwartenden Krankheitsausbruch. Zu beachten ist, dass der Nachweis von Antikörpern oft erst sechs Wochen nach der Infektion gelingt und dass bei ca. einem Drittel aller infizierten Hunde, selbst bei klinisch manifester Erkrankung, keine Antikörper nachgewiesen werden können.

Differenzialdiagnostisch sind insbesondere folgende Erkrankungen zu berücksichtigen:

  • Räude

  • Demodikose

  • Mykosen

  • malignes Lymphom

Nach Diagnosestellung und Behandlungsbeginn ist im ersten Jahr eine vierteljährliche Kontrolle zu empfehlen, später genügen halbjährliche Termine. Dabei sollte nicht nur der Antikörper-Titer bestimmt, sondern auch ein großes Blutbild mit Eiweißelektrophorese anfertigt werden. Eine Urinuntersuchung ist ebenfalls zu empfehlen, wobei der Protein/Kreatinin-Quotient (UPC) von besonderer Bedeutung für die Beurteilung der Nierenfunktion ist.

Therapie

Jeder mit Leishmanien infizierte Hund sollte therapiert werden. Durch die rechtzeitige und individuell angepasste Behandlung können infizierte Hunde oftmals viele Jahre symptomfrei leben bzw. der Verlauf nach Krankheitsausbruch kann deutlich abgemildert werden. Unbehandelt führt die Erkrankung nach Ausbruch oft innerhalb von sechs bis zwölf Monaten zum Tod. Es gibt allerdings bislang keine Behandlungsmethode, die zu einer vollständigen Eliminierung des Erregers führt. Je nach Höhe des Antikörpertiters und dem Vorliegen klinischer Symptome wird individuell mit einem Leishmanizid (erregerabtötenden Medikament) oder Leishmanistat (Mittel, das die Vermehrung des Erregers hemmt) therapiert. Leishmanizide Medikamente wie Milteforan® oder Glucantime® müssen über die internationale Apotheke bezogen werden. Darüber hinaus gewinnt der Einsatz von Immunmodulatoren zunehmend an Bedeutung; Domperidon (Leish­guard®) beispielsweise wirkt durch Stärkung der Th1-Immunantwort.

Die wichtigsten Arzneimittel zur Behandlung der Leishmaniose sind:

Leishmanistate

  • Allopurinol: Dosis: 10 mg/kg KGW, 2 (max. 3) x tgl.; Behandlungsdauer möglichst nicht länger als zwei Jahre ohne Pause, nicht abrupt absetzen, sondern langsam ausschleichen bzw. reduziertes Therapieschema: 1 Woche Behandlung, 3 Wochen Pause. Sehr kostengünstiges Präparat.

Leishmanizide

  • Miltefosin (Milteforan®): 28 Tage lang per os

  • Antimoniate (Glucantime®): 28 Tage lang per injectionem (Es werden auch Behandlungszeiten von bis zu sechs Wochen angegeben.)

Immunmodulatoren

  • Domperidon (Leishguard®): Bei Symptomfreiheit 1 x jährlich 30 Tage lang, bei klinischen Symptomen 3–4 x jährlich 30 Tage lang; vor und nach der Kur jeweils vier Monate lang keine Impfungen! Da Domperidon zu einer Prolak­tin-Freisetzung führt und damit eine Scheinträchtigkeit auslösen kann, sollte es nicht bei unkastrierten Hündinnen eingesetzt werden.

  • Levamisol (Concurat®)

Eine besondere Bedeutung kommt dem Umfeld eines Leishmaniose-positiven bzw. an Leishmaniose erkrankten Hundes zu. Hauptaugenmerk gilt hierbei der Stressvermeidung und Stärkung des Immunsystems durch liebevolle Zuwendung, ausgewogenes und gesundes Futter und maßvolle Bewegung. Bei der Behandlung mit Allopurinol sollte das Futter qualitativ hochwertiges Protein aus purinarmen Quellen enthalten, um einer Bildung von Xanthinsteinen vorzubeugen.

Prophylaxe

Möchte man seinen Hund mit in den Urlaub nehmen, sollte man sich vorab erkundigen, welche Krankheiten bzw. Erreger vor Ort verbreitet sind und welche Vektoren eine Rolle spielen. Dies ist entscheidend für eine zielgerichtete Prophylaxe. Zur Abwehr der Sandmücken eignen sich verschiedene Repellentien in Form von Spot-on-Präparaten (z. B. Advantix®, Exspot®, alle zwei Wochen) oder Halsbändern (z. B. Scalibor®, bereits zwei Wochen vor Reiseantritt anlegen!).

Als Chemoprophylaxe wird der Wirkstoff Domperidon (Leishguard®) empfohlen (siehe oben). Des Weiteren gibt es den Impfstoff CaniLeish® mit EU-Zulassung zur Impfung von Hunden ab einem Alter von sechs Monaten. Die Grundimmunisierung erfolgt nur bei Hunden, die negativ auf Leishmaniose getestet wurden, mit drei Impfungen im Abstand von drei Wochen und einer Impfung ein Jahr später. Wiederholungsimpfungen müssen jährlich durchgeführt werden. Der Impfstoff kann zwar die Infektion nicht verhindern, soll aber einer Aktivierung des Erregers und damit dem Ausbruch der Erkrankung entgegenwirken bzw. die Schwere möglicher Symptome abmildern. Da verschiedentlich über Todesfälle im Zusammenhang mit der Impfung berichtet wurde, v. a. bei Hunden unter 10  kg KGW, ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung zu empfehlen.

Der Hund sollte sich in der Dämmerung und nachts möglichst nicht im Freien aufhalten. Herkömmliche Mückennetze bieten keinen Schutz.

Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit erkrankten Hunden

Das Ansteckungsrisiko bei einem Leishmaniose-positiven, aber nicht klinisch erkrankten Hund ist äußerst gering. Wenn allerdings ein an Leishmaniose erkrankter Hund offene Wunden oder Geschwüre hat und mit anderen Hunden oder Menschen in Kontakt kommt, die ebenfalls eine offene Hautstelle beispielsweise durch eine Verletzung haben, ist theoretisch eine Übertragung durch den direkten Kontakt der wunden Stellen möglich.

Die Aufnahme eines solchen Hundes sollte auch gründlich überdacht werden, wenn das neue Zuhause ein Mehrhunde-Haushalt ist und sich darunter vielleicht ein älterer, chronisch kranker Hund mit geschwächtem Immunsystem befindet. Dasselbe gilt, wenn Menschen mit unzureichender Immunkompetenz im Haushalt leben, beispielsweise sehr kleine Kinder oder alte bzw. chronisch kranke Menschen.

Infektionen mit Dirofilaria immitis (kardiovaskuläre Dirofilariose, Herzwurm-Erkrankung)

Erreger und Verbreitung

Dirofilaria immitis, der sogenannte kanine und feline Herzwurm, zählt zu den Nematoden. Der adulte Wurm kann zwischen 12 und 30 cm lang werden. Sein Verbreitungsgebiet umfasst Süd- und Osteuropa, man geht allerdings zunehmend auch von einem geringen Vorkommen in Gebieten nördlich der Alpen aus. Der Erreger wird über Stechmücken der Familie Culicidae übertragen. In Abhängigkeit von der Flugzeit dieser Insekten dauert die Übertragungssaison in endemischen Gebieten meist von April bis Oktober. Einzig auf den Kanaren kann die Infektion ganzjährig übertragen werden. Der Hund stellt den mit Abstand wichtigsten Endwirt für den Herzwurm dar. Der Mensch kann sich allerdings ebenfalls mit Filarien infizieren und in der Folge Granulome in verschiedenen Organen entwickeln.

Infektion

Im Uterus der adulten Nematoden-Weibchen entwickeln sich die Erstlarven, die sogenannten Mikrofilarien, die in den Blutkreislauf des Wirtes abgegeben und dort von Stechmücken aufgenommen werden. In der Mücke entwickeln sie sich bis zum 3. Larvenstadium weiter, das beim Stich wiederum auf einen anderen Wirt übertragen wird. In diesem erfolgt eine längere Wanderung durch verschiedene Körpergewebe bis in das rechte Herz und die Lungenarterien, wo die Entwicklung zum adulten Wurm abgeschlossen wird und die Verpaarung erfolgt. Die Überlebenszeit erwachsener Würmer kann bis zu sieben Jahre betragen, die der Mikrofilarien in der Blutbahn 2–18 Monate.

Symptome

Die Infektion mit Dirofilaria immitis verläuft beim Hund meist chronisch. Sie kann schwerwiegende Krankheitssymptome hervorrufen und sogar zum Tod führen. Die ersten Symptome treten oft erst etliche Jahre nach der Infektion auf. Die klinische Erkrankung beginnt meist mit Husten, in der Folge kommt es zu mittel- bis hochgradiger Dyspnoe und Schwäche. Im weiteren Verlauf entwickelt sich eine Herzinsuffizienz mit Ödemen, Dehydratation, Abmagerung und schwer gestörtem Allgemeinbefinden. Am Herzen sind im Anfangsstadium oft Synkopen, später Herzgeräusche sowie Herzrhythmusstörungen festzustellen.

Akute lebensbedrohliche Krisen können infolge des simultanen Absterbens einer großen Anzahl von Herzwürmern und einer daraus resultierenden Thrombembolie auftreten.

Diagnostik

Hunde, die aus endemischen Gebieten stammen oder sich zeitweilig dort aufgehalten haben, sollten nach Eintreffen in Deutschland mittels Blutprobe auf Filarien untersucht werden. Dies kann im Labor oder auch per Schnelltest in der Praxis erfolgen. Die Untersuchung sollte nach 6–8 Monaten wiederholt werden.

Diagnostisch bestehen folgende Möglichkeiten:

  • Blutuntersuchung auf zirkulierende Mikrofilarien – Blutentnahme möglichst in den Abendstunden! Bei bis zu 30% der infizierten Hunde sind keine zirkulierenden Mikrofilarien nachweisbar.

  • Blutuntersuchung auf Antigene weiblicher Makrofilarien – hochspezifisch, aber erst 6–8 Monate nach der Infektion nachweisbar; erlaubt quantitative Aussage

  • Echokardiografie – Einschätzung der Wurmbürde; Entscheidungshilfe für Therapiewahl und Prognose

  • Röntgen – Einschätzung des Schweregrades der Erkrankung

Therapie

Es wird zwischen der Behandlung der Makrofilarien und der Therapie der Mikrofilarien unterschieden:

  • Bei nachgewiesenem Befall mit Makrofilarien ohne klinische Symptome: Einmalige Behandlung mit Melarsamin i. m. (Umwidmung erforderlich; Bezug über die Internationale Apotheke), in Kombination mit Prednisolon. In den ersten zwei Wochen strikte Boxenruhe, danach zwei Wochen Leinenzwang. Gleichzeitig Behandlung der Mikrofilarien.

  • Bei nachgewiesenem Befall mit Makrofilarien mit klinischen Symptomen: Behandlung mit Melarsamin (s. o.), vier Wochen strikte Boxenruhe. Gleichzeitig Behandlung der Mikrofilarien, u. U. kardiologische Therapie. Wiederholung der Behandlung nach 4–6 Wochen (zweimalige Verabreichung von Melarsamin im Abstand von 24 Stunden) mit Boxenruhe über 2–4 Wochen.

  • Bei nachgewiesenem Befall mit Mikrofilarien: Behandlung mit makrozyklischen Laktonen (Milbemycin, Moxidectin, Ivermectin). In Deutschland ist Advocate®-Spot-on derzeit das einzige zugelassene Arzneimittel zur Behandlung der Mikrofilarien, es ist monatlich anzuwenden. Nach 6–8 Monaten Wiederholungsuntersuchung auf Makrofilarien.

Die Behandlung sollte innerhalb von vier Wochen nach Beginn einer möglichen Übertragung beginnen und bis 30 Tage nach dem letztmöglichen Zeitpunkt einer Infektion in monatlichen Abständen durchgeführt werden.

Das sogenannte italienische Herzwurmprotokoll kombiniert die Gabe von Doxycyclin über 30 Tage mit Ivermectin-Pyrantel (alle drei Wochen über sechs Monate, in Deutschland nicht für Hunde zugelassen).

In sehr schweren Fällen ist auch eine chirurgische Entfernung der adulten Würmer in Erwägung zu ziehen.

Prophylaxe

Repellentien zur Mückenabwehr und allgemeine Vorsichtsmaßnahmen wie bei der Leishmaniose. Allerdings gibt es derzeit keine Repellentien oder Insektizide, die eine Übertragung von D. immitis nachweislich und sicher verhindern können. Daher gilt das Hauptaugenmerk der rechtzeitigen Behandlung der zirkulierenden Larven, um einem Befall von Herz und Lunge mit adulten Herzwürmern zuvorzukommen (s. o.). Advocate®-Spot-on und Milbemax® sind beispielsweise auch zur Vorbeugung der Herzwurmerkrankung zugelassen.

Infektionen mit Dirofilaria repens (kutane Filariose, Hautwurm-Erkrankung)

Für den Hautwurm Dirofilaria repens gilt bzgl. Vorkommen, Infektion und Verbreitung im Prinzip das Gleiche wie für Dirofilaria immitis. Der adulte Wurm kann zwischen fünf und 17 cm lang werden. Er befällt nach kurzer Wanderung v. a. die Unterhaut und Muskelfaszien, wo sich die Larven zu adulten Würmern weiterentwickeln und Knoten bilden. Dort können sie mehrere Jahre überleben. Da die Infektion mit dem Hautwurm beim Hund von eher untergeordneter klinischer Bedeutung ist, hier nur der Hinweis, dass bei Hunden aus Gebieten, in denen Dirofilaria repens endemisch ist, immer auch an diesen Erreger gedacht werden sollte, wenn das Tier Knoten in der Haut an wechselnden Stellen oder auch Dermatitiden unklarer Genese zeigt. Beim Menschen kann eine Infektion mit Dirofilaria repens ebenfalls zur Entstehung von Hautknoten führen.

Der Befall mit Makro- und Mikrofilarien von D. repens kann per Blutprobe nachgewiesen werden. Makrofilarien sind zudem in Biopsien befallener Hautareale (Knoten) nachweisbar. Zur Prophylaxe und Therapie eignet sich z.B. das Spot-on-Präparat Advocate®.

Mehr Infos finden Sie auch auf folgenden Seiten: www.esccap.de, www.leishvet.org, www.parasitosen.de

Über die Autorin

Dr. med. vet. Shiela Mukerjee-Guzik arbeitet als Assistenztierärztin in einer Kleintierpraxis in Brilon, nebenbei übersetzt sie veterinärmedizinische Fachliteratur vom Englischen ins Deutsche.

Zuordnung von Erkrankungen in Abhängigkeit vom jeweiligen Vektor

© Dr. med. vet. Shiela Mukerjee-Guzik

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