Foto: Privat

TFA im Ausland

Wie sieht die Arbeit einer TFA in London aus?

Laura Cashman arbeitet in London als „Royal Veterinary Nurse“. Wir haben sie zu ihrer Arbeit als britische TFA interviewt.

Inhaltsverzeichnis

Von Yvonne Lambach

Wie hast Du Dich zur „Royal Veterinary Nurse“ ausbilden lassen?

Laura: Ich habe am St. Johns Central College in Cork studiert. In einem zweijährigen Kurs habe ich die Qualifikation einer „Royal Veterinary Nurse, Stufe 6“ erworben. Das hört sich sehr kurz an, aber der Kurs ist ganzjährig, ohne Semesterferien, und sehr intensiv.

Was sind die Aufgaben einer Royal Veterinary Nurse?

Laura: Die Aufgaben hängen natürlich sehr von der Art der Praxis ab, in der man arbeitet. Grundsätzlich umfassen sie:

  • Pflege für hospitalisierte Patienten gemäß dem RCVS-Verhaltenskodex, einschließlich Patientenüberwachung und Gesundheitskontrolle, Füttern, Pflegen und Ausführen von Tieren – Sicherstellen, dass die sogenannten „Fünf Freiheiten“ erfüllt werden (siehe am Ende des Interviews)
  • Tiere sicher und stressfrei handeln und fixieren
  • Verabreichen von Injektionen, Tabletten, Infusionen und Bluttransfusionen
  • Durchführung von Diagnostik: Blutuntersuchung, Urinanalyse und Röntgen
  • Vorbereitung von Operationen und Durchführung, z. B. kleiner Wundnähte und Zahnreinigungen
  • Anästhesie: Durchführung und Überwachung
  • Assistenz bei Operationen
  • Infektionskontrolle, Umsetzen von Hygienestandards
  • Kommunikation mit Tierbesitzern, Vertrauensverhältnis aufbauen, Beratung und Aufklärung hinsichtlich der Behandlung ihres Tieres
  • Informieren von Tierhaltern über Tiergesundheit und vorbeugende Maßnahmen wie Impfungen, Entwurmung, Flohprävention und angemessene Ernährung
  • Unterstützung von Tiermedizinstudierenden, die Praktika absolvieren

Welche Jobs hast Du bisher gemacht?

Laura: Schon als ich 2013 meine Qualifikation abschloss, wusste ich, dass ich direkt in einem Tierheim/Rettungszentrum arbeiten wollte. Da es in Irland solche Zentren nicht gibt, wusste ich, dass ich erstmal reisen musste. Aufgrund eines glücklichen Umstands fand ich das Mayhew Animal Home. Ich verdanke dieser unglaublichen Praxis so viel und habe so viele schöne Erinnerungen daran. Ungefähr drei Jahre habe ich dort gearbeitet und Fähigkeiten in der katzenfreundlichen Krankenpflege entwickelt. Danach begann ich als Vertretungs-„Nurse“ in vielen Tierheimen in ganz London zu arbeiten – wie zum Beispiel beim „Bluecross“ oder bei der „RSPCA“.

Vor kurzem habe ich eine Stelle am Royal Veterinary College London angenommen, das in der RSPCA Harmsworth arbeitet. Dort schule ich Veterinärstudenten des Royal College und gebe ihnen eine Einführung in die Tierheimmedizin.

Was machst Du genau?

Laura: Meine aktuelle Position ist eine sehr herausfordernde Aufgabe, da ich zusammen mit einem ausgebildeten Tierarzt des Royal Veterinary College bis zu fünf bis sechs Tiere pro Tag kastriere oder Zahnbehandlungen durchführe und dabei den Studenten die Möglichkeit gebe, ihre chirurgischen Fähigkeiten zu trainieren. Sie sammeln auch Erfahrung in der Überwachung der Anästhesie, in der Einhaltung von Infektionskontrollprotokollen, in vorbeugenden Gesundheitsberatungen sowie der gesamten Tierheimmedizin.

Was liebst Du am meisten an Deinem Job?

Laura: Tieren Linderung verschaffen, die zuvor Schmerzen oder Leiden hatten. Dies können so einfache Dinge sein, wie z. B. eine Box vorzubereiten, in der sich eine ängstliche Katze verstecken kann, oder eine Schmerzmittelinfusion für ein Tier zu berechnen, das kurz vor einer Beinamputation steht. Ich genieße es, auf den Stationen ein Umfeld zu schaffen, das Stress bei unseren Patienten vermeidet. Der lohnendste Teil meiner Arbeit ist es, die Heilung der Patienten zu beobachten.

Die Arbeit bei der RSPCA hat mir einige schlimme Fälle von Grausamkeit gezeigt. So deprimierend das auch ist, bin ich stolz darauf, in einer Position zu sein, in der ich sofort eingreifen und jedem einzelnen Patienten helfen kann. Mein besonderes Interesse gilt dem Verhalten der Katze. Ich freue mich immer, wenn ich durch mein Wissen Stress, Langeweile oder Frustrationen vorbeugen kann, bis die Katzen ein neues Zuhause finden.

Gibt es etwas, das Du an Deiner Arbeit gerne ändern würdest?

Laura: Momentan hätte ich gerne mehr „katzenfreundliche“ KollegInnen, die dabei helfen, Standards zu halten. Der Mangel an Pflegepersonal ist derzeit ein massives Problem.

Es wäre großartig, wenn unser Pflegeberuf bekannter wäre. Es ist für mich auch etwas frustrierend, wenn Klienten oder Familienmitglieder mich fragen, wann ich endlich Tierärztin werde. Schön ist es, dass die Anerkennung unserer Arbeit wächst, aber eben langsam. Eine Entlohnung, die unseren Fähigkeiten und Qualifikationen entspricht, würde auch nicht schaden, aber ich glaube für keinen von uns ist die Bezahlung die Hauptmotivation.
Ein Video-Porträt über die Arbeit der „Nurses“ im Mayhew Animal Home finden Sie hier.

5 Freiheiten als Zielsetzung sind Teil nationaler und internationaler Abkommen zum Schutz von Tieren:

1.Freiheit von Hunger und Durst – durch Bereit­stellung von saube­rem Wasser und einer ausgewogenen bedarfsgerechten Ernährung

2. Freiheit von Beschwerden durch eine artgerechte Umgebung inkl. Schutz- und Ruhebereich

3. Freiheit von Schmerz, Verletzung oder Krankheit durch tierärztliche Vorsorge oder rasche Diagnostik und Behandlung

4. Freiheit tierartspezifische Verhaltensweisen ausleben zu können, durch ausreichend Platzangebot,
Infrastruktur und Gesellschaft von Artgenossen

5. Freiheit von Angst und Stress durch Sicherstellung von Bedingungen und Behandlungen, die psychisches Leiden vermeiden

(Übersetzt nach: „Five Freedoms“. Farm Animal Welfare Council/Farm Animal Welfare Committee. Stand: 2012)

Viel Tee und gute Laune: Auslandserfahrung in Großbritannien

Über den Tellerrand schauen und das Englisch aufpolieren? In Großbritannien werden nicht nur stets erfahrene Tierärzte, sondern auch „Nurses“ (also TFA) gesucht. Dort gibt es sogar einen richtigen Vertretungsmarkt für „trained nurses“ (ausgebildete RVN), so wie in Deutschland für Tierärzte.

Ich hatte im Jahr 2016 die Chance, einige Monate das Team der „Mayhew community vet clinic“ zu unterstützen. Diese gehört zu einer gemeinnützigen Organisation mit Tierheim. Von diesen gibt es in England viele, da der Tierschutz nicht so wie in Deutschland Sache der Gemeinden ist. Die „Charitys“ gibt es im Vereinigten Königreich für die unterschiedlichsten gemeinnützigen Zwecke – viele im sozialen und Gesundheitssektor und sehr viele im Bereich Tierschutz. Natürlich gibt es dort wie auch hier sehr große Unterschiede in Qualität und Zielsetzung.

Ich hatte das Glück, in ein sehr erfahrenes, super motiviertes und professionelles Team zu kommen, dem es große Freude bereitet, die Welt für Hunde und Katzen innerhalb und außerhalb des Tierheims und auch über die Grenzen von Großbritannien hinaus besser zu machen. Der gemeinsame Geist der Weltverbesserung bewirkte einen besonderen „Teamspirit“: Tierpflege und Tiermedizin auf sehr hohem Niveau mit viel Tee und guter Laune.

Mitgenommen habe ich: Alle „Nurses“ waren umfassend ausgebildet und haben vielfältige Aufgaben übernommen. Das hat ein Arbeiten auf Augenhöhe ermöglicht und den Arbeitsalltag viel positiver gemacht. Daneben hat mich die professionelle Kommunikation beeindruckt: Klare Aufgabenverteilung und Dokumentation machen allen das Leben viel leichter!

Besonders in England ist unter anderem das Angebot der sog. „Nurse Clinic“: Das ist eine eigene Sprechstunde, in der die Gesundheitsvorsorge inklusive Ernährungsberatung, Parasiten-Prophylaxe, allgemeiner Pflegehinweise und Gesundheitsvorsorge-Programme im Mittelpunkt steht. In der Mayhew gab es dafür mittwochnachmittags eine eigene Sprechstunde. Aber auch z. B. Nachuntersuchungen und Nachimpfungen innerhalb des Tierheims wurden von den Nurses durchgeführt.

Yvonne Lambach

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