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Haltung und Vorsorge

Wintercheck für mediterrane Landschildkröten

Ende August oder Anfang September sollte jede mediterrane Landschildkröte einen Termin beim Tierarzt haben – zum Gesundheitscheck vor der Winterstarre.

Inhaltsverzeichnis

Von Dr. med. vet. Viola Melchers

Schlaflos seit 16 Jahren – anlässlich eines Termins zum Schnabelkürzen erwähnte die Besitzerin einer Griechischen Landschildkröte, dass das Tier noch nie in Winterruhe war. Die behandelnde Tierärztin fragte im fachforum kleintiere nach: „Sollte bei der Schildkröte nun erstmalig mit der Hibernation begonnen werden? Sind Probleme zu erwarten?“ Dr. med. vet. Karina Mathes, Fachtierärztin für Reptilien und Leiterin der Reptilien- und Amphibienabteilung der Klinik für Heimtiere, Reptilien, Zier- und Wildvögel der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, rät grundsätzlich bei jeder gesunden mediterranen Landschildkröte zur Winterruhe, auch wenn sie bisher noch nicht durchgeführt wurde. Eigentlich sollte die Hibernation ab dem ersten Lebensjahr ermöglicht werden, da dies den natürlichen Bedürfnissen mediterraner Landschildkröten entspricht und für einen geregelten circadianen Rhythmus essenziell ist. Auch können so ein zu schnelles Wachstum verhindert und das Immunsystem gestärkt werden. Nur bei kranken, geschwächten Tieren muss auf die Winterruhe verzichtet oder diese nur in verkürzter Form durchgeführt werden.

Gesund in den Winterschlaf

Um Probleme zu vermeiden, sollte spätestens sechs Wochen vor der Winterruhe ein Wintercheck mit klinischer Allgemein- und Kotuntersuchung durchgeführt werden. Muss gegen Parasiten behandelt werden, darf mit dem Einwintern erst sechs Wochen nach der letzten Medikamentengabe begonnen werden, denn bei niedriger Temperatur können die Medikamente nicht verstoffwechselt und ausgeschieden werden. Zu einem kompletten Gesundheitscheck gehört außerdem eine Röntgenuntersuchung, um beispielsweise Erkrankungen der Lunge, verbliebene Eier oder Harnblasensteine nachzuweisen.

Bei Tieren über 120 g Körpergewicht sollte auch das Blut untersucht werden, um vor allem anhand der Leber- und Nierenwerte sowie der Elektrolyte auf den Organstatus des Tieres schließen zu können.

Herbst und Winter simulieren

Trigger für die Winterruhe sind eine abnehmende Nachttemperatur und Tageslichtlänge. Im Terrarium wird der Herbst imitiert, indem Temperatur und Beleuchtungsdauer über zwei bis drei Wochen schrittweise reduziert werden. Nachdem die Tiere die Futteraufnahme eingestellt haben, sollten sie zwei- bis dreimal gebadet werden, um den Darm teilweise zu entleeren. Bei etwa zehn bis zwölf Grad Celsius sind die Schildkröten dann inaktiv und können in das Winterquartier verbracht werden. Wenn ein Tier die Winterruhe noch nicht kennt und deshalb nicht schlafen will, muss der Herbst besonders intensiv simuliert werden.

Die Schildkröten werden in eine mit humoser Erde oder Sand gefüllte Überwinterungskiste gesetzt und mit Buchen- oder Eichenlaub bedeckt. Sie graben sich selbstständig ein. Anschließend wird die Kiste in einen dunklen Kühlschrank mit konstanter Temperatur von etwa sechs Grad Celsius verbracht. Manchmal muss man fachgerecht auf ca. zwölf Grad Celsius heruntergekühlte Tiere noch relativ aktiv in den Kühlschrank setzen, damit sie sich schließlich eingraben. Bevor der Kühlschrank als Winterruheort der Schildkröten verwendet wird, sollte er einige Wochen laufen und mit einem Minimal-Maximal-Thermometer ausgestattet sein, um massive Temperaturschwankungen im Voraus bemerken zu können. Besonders geeignet sind Weinkühlschränke, welche auf eine konstante Temperatur eingestellt werden können.

Wöchentliche Kontrollen sind sinnvoll

Während des Winterschlafs sollten Substrat und Luft leicht feucht gehalten werden, es darf sich aber kein Schimmel bilden. Die Temperatur sollte täglich überprüft werden. Dazu kann der Außenfühler eines digitalen Thermometers direkt in das Substrat der Überwinterungskiste gesteckt werden. Wöchentlich stehen eine Gewichtskontrolle und ein kurzer Gesundheitscheck an. Kurz kontrolliert werden die Atmung, die Reaktion auf Berührung, die Nasenlöcher auf Ausfluss sowie der Bauchpanzer auf sichtbare Einblutungen. Wenn das Gewicht um mehr als zehn Prozent des Anfangsgewichts abnimmt, ist der Flüssigkeitsverlust zu hoch und die Überwinterung zu trocken. Gegebenenfalls muss das Tier frühzeitig aus der Winterstarre geweckt werden.

Auf einen Blick: Diese Untersuchungen sind vor der Winterruhe sinnvoll

  • Allgemeinuntersuchung

  • Untersuchung einer frischen Kotprobe

  • Röntgen

  • Laborparameter, wenn möglich (Leber- und Nierenwerte, Elektrolyte u. a.)

Über die Autorin

Als Fachjournalistin arbeitet Dr. med. vet. Viola Melchers vor allem für die Fachzeitschrift Der Praktische Tierarzt und das Portal Vetline.de. Die Tierärztin schreibt über Spannendes aus der veterinärmedizinischen Praxis und Wissenschaft.

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