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Herzerkrankung

Wissenswertes rund um das Hundeherz

Die Diagnose "Herzerkrankung" erschüttert viele Tierhalter. Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen, mit denen der besorgte Besitzer in die Praxis kommt.

Inhaltsverzeichnis

Dr. med. vet. Gerda Bäumer

Herzerkrankungen bei Hunden sind keine Seltenheit und sollten am besten schon vor dem Auftreten der ersten Symptome diagnostiziert werden.

Wie erkenne ich, dass ein Hund herzkrank ist?

Das Herz übernimmt eine zentrale Aufgabe bei der Versorgung des gesamten Körpers. Es sorgt dafür, dass sauerstoff- und nährstoffreiches Blut über die Gefäße in alle Organe gepumpt und Abfallprodukte des Stoffwechsels sowie Kohlendioxid wieder abtransportiert werden. Ist das Herz erkrankt, kann es diese Leistung über kurz oder lang nicht mehr erbringen. Die Folgen treten meist schleichend ein. Herzkranke Hunde sind häufig weniger leistungsbereit, haben Husten oder atmen schneller als früher. Manchmal lassen sich plötzliche Ohnmachtsanfälle beobachten, in seltenen Fällen und fortgeschrittenen Stadien sogar eine Atemnot. Auch blaue Schleimhäute oder ein durch Flüssigkeit aufgetriebener Bauch können Hinweise auf ein insuffizient arbeitendes Herz geben.

Wichtig ist allerdings, dass diese Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, also nicht spezifisch sind. Die Diagnose, ob – und wenn ja, welche Herzerkrankung bei einem Hund vorliegt, kann nur der Tierarzt nach einer gründlichen Untersuchung stellen.

Welche Herzerkrankungen gibt es bei Hunden?

Vor allem bei älteren Tieren kleiner Hunderassen ist eine Erkrankung der linken Herzklappe häufig, die sogenannte Mitralendokardiose. Beim gesunden Hund verhindern die Herzklappen, dass innerhalb des Herzens Blut in die falsche Richtung fließt. Schließt die linke Klappe nicht mehr richtig, kommt es zu einem Rückstrom des Blutes in den linken Vorhof, der im weiteren Verlauf bis in die Lunge reichen kann.

Größere Rassen sind häufiger von einer Herzmuskelschwäche betroffen, der dilatativen Kardiomyopathie, kurz DCM. Bei dieser Erkrankung ist der Herzmuskel zu schwach, um ausreichend Blut durch den Kreislauf zu pumpen. Der Körper versucht dies unter anderem durch ein erhöhtes Blutvolumen zu kompensieren. Weil das Herz aber nicht die Kraft hat, größere Mengen zu pumpen, füllen sich die Herzkammern mit immer mehr Blut. Dadurch werden die Wände der Kammern gedehnt. Sie werden immer dünner und leiern schließlich aus. Die DCM kann auch junge Hunde betreffen.

Hunde können auch mit einem Herzfehler geboren werden, selbst, wenn man es ihnen nicht sofort ansieht. Es ist daher wichtig, Welpen routinemäßig abzuhören, um möglichst frühzeitig einschreiten zu können. Denn zeigt der Hund erst einmal Symptome, kann es für einen Eingriff schon zu spät sein.

Sind Herzerkrankungen heilbar?

Herzerkrankungen sind in der Regel mit einem Funktionsverlust verbunden. Zu Beginn einer Erkrankung ist dem Hund meist gar nichts anzumerken, da das Herz seine verminderte Leistungsfähigkeit zunächst erfolgreich kompensieren kann. Leider aber nicht auf Dauer, denn mit der Zeit strengen diese Kompensationsmechanismen das ohnehin schon angeschlagene Herz noch mehr an. Über kurz oder lang führen sie daher zu einer weiteren Verschlechterung und sichtbaren Symptomen.

Um diesen Teufelskreis aufzuhalten, versucht man mithilfe von Medikamenten das Herz zu entlasten und zu stärken. Auf diese Weise sollen der Verlauf der Erkrankung verlangsamt und die noch vorhandene Leistung des Herzens erhalten werden. Bereits eingetretene Veränderungen an den Herzklappen oder im Herzmuskelgewebe selbst lassen sich aber auch mit Medikamenten nicht wieder reparieren. In diesem Sinne ist eine Heilung also nicht möglich. Aber mit der richtigen Behandlung und regelmäßigen Kontrollen können auch herzkranke Hunde in vielen Fällen durchaus ein unbeschwertes Leben führen.

Wie entsteht der Herzhusten?

Das sauerstoffreiche Blut aus den Lungen kommt im linken Herzvorhof an und wird von der linken Herzkammer weiter in den Körperkreislauf gepumpt. Ist die Funktion des Herzens auf dieser Seite eingeschränkt, bleibt Blut im Herzen zurück. Es staut sich zunächst im linken Vorhof und schließlich bis zurück in die Blutgefäße der Lungen. Das führt dazu, dass durch den gestiegenen Druck Flüssigkeit aus den Gefäßen in Gewebe und Lungenbläschen gepresst wird. Der Volksmund spricht von „Wasser in der Lunge“. Der Hund versucht, die Flüssigkeit durch Husten loszuwerden. Schreitet der Prozess voran, kommt es zu schwerer Atemnot. Ein Hustenreiz kann aber auch dadurch ausgelöst werden, dass sich der linke Vorhof durch das angestaute Blut vergrößert und auf die Luftwege der Lunge, die Bronchien, drückt.

Herzbedingter Husten ist also in der Regel mit einer Schwäche des linken Herzens verbunden, die aber unterschiedliche Ursachen haben kann. Zum Beispiel kann eine defekte Herzklappe dahinterstecken oder eine Pumpschwäche der linken Herzkammer.

Kann ein Herzproblem durch Abhören diagnostiziert werden?

Das Abhören des Herzens mit dem Stethoskop ist Teil jeder allgemeinen Untersuchung und zugleich grundlegender Bestandteil der speziellen Herzuntersuchung. Der Tierarzt achtet auf Frequenz, Rhythmus und Intensität der Herztöne. Er beurteilt, ob die Herztöne klar voneinander getrennt sind und, ob neben den Herztönen zusätzlich noch sogenannte Herzgeräusche zu hören sind. Stellt der Tierarzt bei einer Routineuntersuchung, beispielsweise dem Impftermin, ein Herzgeräusch fest, muss er der Sache unbedingt auf den Grund gehen. Denn dahinter kann sich – auch bei Tieren, die gar keine Symptome zeigen! – das frühe Stadium einer Herzerkrankung verbergen. Erfahrene Tierärzte können anhand des Abhörens schon viel feststellen. Aber es gibt einige Dinge, die auf diese Weise nicht oder nicht eindeutig überprüft werden können. Anatomische Veränderungen am Herzen und an den Herzklappen, der Blutstrom während der Herztätigkeit, Herzrhythmusstörungen oder Veränderungen an der Lunge können nur durch spezielle Untersuchungen wie Ultraschall, Röntgen und Elektrokardiogramm (EKG) beurteilt werden.

Was zeigen Röntgenbild und Ultraschall vom Herzen?

Mithilfe von Röntgenbildern können Größe und Form des Herzens sowie dessen Lage im Brustraum beurteilt werden. Auch Flüssigkeitsansammlungen im Herzbeutel oder in der Lunge können auf diese Weise entdeckt werden.

Die Ultraschalluntersuchung gehört heutzutage zum Standard einer tiefergehenden Herzuntersuchung. Mit ihrer Hilfe kann man die Herzklappen, die Dicke der Herzwände und den Füllungszustand der beiden Herzkammern und -vorhöfe beurteilen. Das Herz lässt sich beim „Schallen“ regelrecht vermessen. Häufig wird der Innendurchmesser bestimmt. Mit dem sogenannten Farbdoppler-Ultraschall kann man sogar den Blutfluss und die Ströme während der Herzarbeit beobachten. So wird zum Beispiel bei der Mitralklappeninsuffizienz der Rückfluss in den linken Vorhof sichtbar.

Herzrhythmusstörungen können übrigens am besten mit einem Elektrokardiogramm (EKG) beurteilt werden. Treten sie nur gelegentlich auf, ist es unter Umständen ratsam, ein 24-Stunden-EKG (Holter-EKG) anzulegen.

Was sollte der Besitzer tun, wenn der Hund ein Herzgeräusch hat?

Die sogenannten Herztöne entstehen bei der normalen Tätigkeit des Herzens. Alles, was darüber hinaus beim Abhören von der Herztätigkeit zu hören ist, bezeichnet man als Herzgeräusch. Herzgeräusche sind nicht immer krankhaft, dennoch sind sie in den meisten Fällen auf ein erkranktes Herz zurückzuführen. Daher muss ein solcher Befund unbedingt abgeklärt werden – auch wenn der Hund völlig gesund erscheint. Möglicherweise befindet er sich nämlich in der frühen Phase einer Herzerkrankung, in der man dem Hund äußerlich nichts anmerkt, der Tierarzt aber schon erste Veränderungen am Herzen feststellen kann. Mithilfe spezieller Untersuchungsmethoden – wie dem Ultraschall – kann er am besten abschätzen, ob es vorerst ausreicht, den Hund weiter zu beobachten, oder ob bereits mit einer Behandlung begonnen werden muss. Eventuell überweist der Tierarzt den Besitzer dafür auch an einen Herzspezialisten. Neueste Untersuchungen zeigen, dass die Lebenszeit von Hunden deutlich verlängert werden konnte, wenn aufgrund von bestimmten Befunden am Herzen noch vor dem Auftreten der ersten Symptome bereits mit der medikamentösen Therapie begonnen wurde. Das konnte vor allem für die sogenannten Kalziumsensitizer gezeigt werden. Dies sind Wirkstoffe, die zum einen die Herzkraft steigern, zum anderen aber auch zu einer Entlastung des Herzens führen, indem sie die Gefäße erweitern.

Was haben die Nieren mit dem Herzen zu tun?

Herz und Nieren stehen in einer engen Beziehung zueinander. Ihre Funktionen beeinflussen sich gegenseitig, was besonders deutlich wird, wenn eines der beiden Organe erkrankt. Bei einem herzkranken Hund sollte daher auch immer die Funktionstüchtigkeit der Nieren im Auge behalten werden. Andererseits kann man sich bestimmte Aufgaben der Niere auch therapeutisch zunutze machen, um das Herz zu entlasten. Mittel, die hier zum Einsatz kommen, sind sogenannte Diuretika und ACE-Hemmer.

Diuretika sind entwässernde Medikamente. Sie bewirken, dass die Niere vermehrt Flüssigkeit über den Urin ausscheidet. Auf diese Weise wird dem Körper unnötige Flüssigkeit entzogen, die sich in der Lunge oder im Körper angesammelt hat.

ACE-Hemmer verhindern, dass sich die Blutgefäße stark verengen. Durch eine Gefäßverengung versucht der Körper, die mangelnde Herzleistung zu kompensieren. Auf Dauer belastet sie das Herz jedoch noch mehr. Sind die Gefäße durch Medikamente weitergestellt, wird das Herz entlastet, weil es gegen einen geringeren Widerstand arbeiten muss.

Wie kann man einem herzkranken Tier das Leben erleichtern?

Lebenswichtig ist für den herzkranken Hund, dass er regelmäßig und dosisgenau seine Medikamente erhält. Aber, auch wenn es dem Hund unter der Therapie wieder besser geht, ist und bleibt das Herz vorgeschädigt. Es sollte nicht unnötig belastet werden. Das heißt nicht, dass der Hund nicht aktiv sein darf; er sollte sich jedoch regelmäßig, gleichmäßig und dem Schweregrad der Erkrankung angepasst bewegen. Extreme körperliche Anstrengungen sind in jedem Fall zu vermeiden.

Übergewicht ist eine große Belastung für das Herz. Hunde mit zu vielen Pfunden sollten daher ihr Gewicht reduzieren. Bei der Ernährung ist zusätzlich auf einen niedrigen Salzgehalt im Futter zu achten. Kochsalz bindet im Körper Wasser, was wiederum die Last für das Herz erhöht.

Besitzer sollten ihren Hund im Alltag beobachten, da sie ihn auch am besten kennen. Der Tierarzt kann dem Besitzer auch zeigen, wie die Ruheatemfrequenz gemessen werden kann. Es dient als einfache und zuverlässige Kontrollmethode: Steigt die Frequenz an, könnte sich Flüssigkeit in der Lunge gesammelt haben und es sollte umgehend ein Tierarzt informiert werden. Wird ein Hund schneller müde oder hustet vermehrt? Auch dies können Alarmzeichen sein. Regelmäßige Kontrollbesuche beim Tierarzt sind für Herzpatienten Pflicht!

Wie kann ich Herzproblemen vorbeugen?

Prinzipiell kann jeder Hund im Laufe seines Lebens Probleme mit dem Herzen bekommen. Es gibt keine spezifischen Maßnahmen, um das zu verhindern. Aber eine artgerechte Haltung mit gesunder, ausgewogener Ernährung und ausreichend viel Bewegung ist in jedem Fall eine wichtige und gute Basis für ein gesundes Hundeleben.

Es gibt bestimmte Risikogruppen, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer Herzerkrankung besonders hoch ist. Für bestimmte Klappenerkrankungen sind das insbesondere ältere Tiere kleiner Hunderassen. Für die Herzmuskelschwäche (DCM) sind es vor allem größere Hunderassen im Alter zwischen eineinhalb und sieben Jahren. Eine Besonderheit stellt die DCM des Dobermanns und Boxers dar. Sie ist tückisch, da die Tiere lange Zeit vollkommen gesund erscheinen, obwohl bereits typische Herzrhythmusstörungen auftreten, der Herzmuskel also bereits geschädigt ist. Plötzliche Todesfälle sind keine Seltenheit und selbst bei Hunden, die diese Phase überleben, ist die Lebenserwartung nicht hoch. Wird die Krankheit allerdings bereits vor Einsetzen der ersten Symptome entdeckt und behandelt, kann die Lebenszeit deutlich verlängert werden. Grundsätzlich gilt für alle Herzerkrankungen: Je früher die Diagnose, desto besser. Daher ist es für Risikotiere wichtig, regelmäßig, am besten jährlich, einen Herzcheck beim Tierarzt durchführen zu lassen.

Über die Autorin

Als Fachjournalistin ist Dr. med. vet. Gerda Bäumer immer auf der Suche nach aktuellen interessanten Studien. In ihren Beiträgen für Print- und Onlinemedien greift sie Themen auf, von denen sie sich eine breite Aufmerksamkeit in der Tierärzteschaft erhofft.

Praxistipp: Ein kostenfreier Ratgeber aus der Reihe "10 Fragen/Antworten" von Der Praktische Tierarzt informiert Tierhalter über Herzerkrankungen beim Hund. Leicht verständlich und fachlich auf dem neuesten Stand werden die zehn wichtigsten Fragen zum Thema beantwortet. Die handliche Broschüre können Sie hier bestellen, um Sie im Wartezimmer auszulegen oder an Patientenbesitzer zu verteilen.

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