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Feuchte Pfoten, Hecheln, Diarrhoe – ein Tierarztbesuch kann Stress bedeuten. Wir geben Tipps für eine hundefreundliche Praxis.
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Feuchte Pfoten, Hecheln, Diarrhoe – ein Tierarztbesuch kann Stress bedeuten. Wir geben Tipps für eine hundefreundliche Praxis.

Verhalten

Zehn Tipps für weniger Hunde-Stress in der Praxis oder Klinik

In Großbritannien wird es demnächst zertifiziert hundefreundliche Tierarztpraxen geben. Schon kleine Veränderungen der Einrichtung oder Praxisabläufe können viel bewirken.

Leider ist gerade sie Tierarztpraxis häufig ein Ort, den Hunde als furchteinflößend oder zumindest stressig empfinden. Durch die Diskussion um katzenfreundliche Praxen und die entsprechenden Zertifizierungsmöglichkeiten ist in den letzten Jahren das Bewusstsein für auf den Patienten abgestimmte Praxisabläufe und -einrichtung deutlich gestiegen.

Auf Hunden lag der Fokus bisher allerdings weniger. Doch auch hier gibt es natürlich gestresste und ängstliche Kandidaten. Das kann Gesundheitsprobleme wie Durchfall nach sich ziehen, Werte wie Blutdruck oder Blutzucker verfälschen und sogar dazu führen, dass Tiere sich kaum untersuchen lassen oder aggressiv reagieren. Ein Hund, der vor Angst schon ins Auto pinkelt, sich nur in die Praxis zerren lässt oder einen Maulkorb braucht, bedeutet auch für die Besitzer Stress – ob der nächste Tierarztbesuch wirklich notwendig ist, überlegen sie sich unter solchen Umständen eventuell zweimal.

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Die hundefreundliche Tierarztpraxis

Nach zertifiziert katzenfreundlichen Tierarztpraxen und -kliniken soll es in Großbritannien demnächst auch ausdrücklich hundefreundliche Veterinäre geben: DogsTrust und die British Veterinary Behaviour Association geben britischen Veterinären ab 2022 die Möglichkeit, sich als Dog Friendly Clinic zu zertifizieren. Auf der zugehörigen, englischsprachigen Homepage finden sich zahlreiche zu Verhalten, hundefreundlicher Klinikeinrichtung und Vorbereitung der Besitzer. Aus den USA kommt das Fear-Free-Programm, das bereits die Möglichkeit zur Zertifikation bietet und allen Haustieren einen angstfreien Tierarztbesuch ermöglichen soll. 

Das Thema wurde auch auf dem Kongress der British Small Animal Veterinary Association (BSAVA) aufgegriffen. Im Rahmen der Vorträge zu den Wechselwirkungen zwischen emotionaler und körperlicher Gesundheit erklärten die Verhaltensspezialistinnen Sarah Heath und Hannah Donnovan unter anderem, was sich aus dem Verhalten von Hunden in der Praxis lesen lässt und wie das Praxisteam den Aufenthalt stressfreier gestalten kann.

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Zehn Tipps, um Hunden einen entspannteren Praxisbesuch zu ermöglichen 

  1. Gute Vorbereitung ist alles: Der Ausflug in die Praxis beginnt lange bevor der Hund das Behandlungszimmer betritt. Besitzer können z.B. durch Handzettel informiert werden, wie sie einen Tierarztbesuch optimal vorbereiten. Dazu gehört langfristig das Training zuhause – zum Beispiel den Hund ans Auto zu gewöhnen oder spielerisch die Untersuchung zu üben. Kurzfristig ist zum Beispiel wichtig, dass die Besitzer genug Zeit einplanen sowie Geduld, Verständnis und ggf. die Lieblings-Leckerli von Zuhause mitbringen.
  2. Entspannte Anfahrt: Nicht wenige Hunde betreten die Praxis schon völlig gestresst durch eine ungewohnte Autofahrt. Was helfen kann: Ein Spaziergang zur Praxis statt der Fahrt oder eine halbe Stunde früher kommen, um vor Ort noch eine kurze Runde zu drehen. Der Parkplatz ist idealerweise so angelegt, dass Hunde irgendwo ein Bein heben können.
  3. Praxiseinrichtung aus Vierbeiner-Sicht: Schon Kleinigkeiten wie Sichtschutzwände, gemütliche Liegeplätze im Wartebereich, Pheromonstecker können Stress reduzieren. Ein kritischer Ort ist häufig die Waage: Hunde werden von Besitzern, die das Personal nicht warten lassen wollen, ungeduldig hinauf gezerrt und fühlen sich in die Enge getrieben. Eine Wand hinter der Waage kann Sicherheit geben, in einer Ecke sollte sie möglichst nicht stehen.
  4. Wohlfühlatmosphäre für Besitzer: Fühlt sich der Tierhalter wohl, tut es oft auch der Hund. Ein angenehmer Wartebereich oder eine Sitzgelegenheit im Behandlungsraum können hier Wunder wirken.
  5. Leckerli: Sollten vielleicht sogar an Platz 1 stehen. Futter kann sehr dabei helfen, Praxis und Team mit positiven Emotionen zu verbinden. Ggf. können Besitzer auch bevorzugte Sorten von Zuhause mitbringen. Wer frisst, bemerkt oft sogar eine Spritze kaum. Futter zu nutzen, kann bei Untersuchung oder Therapie manchmal sogar Zeit sparen.
  6. Gut geschultes Team: Hat gleich an der Anmeldung jemand einen Blick für nervöse Hunde und kann zum Beispiel einen ruhigen Platz zum Warten anbieten, ist die erste Hürde schon genommen. Strafen oder gar Anbrüllen von Hunden sollten natürlich Tabu sein. 
  7. Erinnerungsstütze: Auch zum Verhalten sollten in den Patientenakten Aufzeichnungen gemacht werden. Hier ist eine objektive Beschreibung des gezeigten Verhaltens besser als ein pauschales Stichwort wie „aggressiv“. 
  8. Zeit: Mehr Zeit für einzelne Termine in der Sprechstunde zu haben, ist oft nicht möglich, wäre aber enorm hilfreich. Insbesondere Welpen und junge Hunde sollten dennoch die Zeit bekommen, sich von selbst zu nähern und positive Erfahrungen zu sammeln.
  9. Probiotika: Bei Hunden, die auf Stress bekanntermaßen mit Durchfall reagieren, können vorab und während des Klinikaufenthalts verabreichte Probiotika ggf. helfen, die Situation zu stabilisieren. 
  10. Medikation: Kann bei Hunden mit extremer Angst indiziert sein. Dennoch sind die Expertinnen hier zunächst zurückhaltend. Die Möglichkeit zur Medikation sollte nie dazu führen, Praxisabläufe nicht zu ändern.  (VM)

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