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Pferd frisst auf der Weide Gras

Parasitensteckbrief

Kleine Strongyliden beim Pferd

Kleine Strongyliden sind die häufigsten Endoparasiten beim Pferd. In unserer Übersicht finden Sie wichtige Informationen zu dieser Wurmart, wie deren Nachweis und Prophylaxe.

Von Dr. med. vet. Ronald Schmäschke

Morphologie

Als „kleine“ Strongyliden werden verschiedene Nematodenarten zusammengefasst (überwiegend aus der Unterfamilie Cyathostominae). Die Parasitose wird auch Cyathostominose genannt. Kleine Strongyliden haben einen kreisförmigen Querschnitt und sind 0,5–3 cm lang. Die Mundkapsel trägt einen Palisadenzaun-artigen Blätterkranz (siehe Abb. 1 in unserer Bildergalerie). Daher werden Pferde-Strongyliden auch als Palisadenwürmer bezeichnet.

Wirte

Kleine Strongyliden sind weltweit verbreitet und die häufigsten Endoparasiten des Pferdes.

Lebenszyklus

Die Eier der im Dickdarm parasitierenden Strongyliden werden mit dem Kot ausgeschieden und es schlüpft ein Larvenstadium. Die Larven häuten sich auf der Weide zweimal, ohne dabei die Hüllen abzuwerfen. Somit ist das 3. Larvenstadiun durch eine doppelte Larvenhülle besonders gut geschützt und kann auf der Weide lange überleben und sogar überwintern. Das 3. Larvenstadium stellt das Infektionsstadium dar und wird beim Weiden aufgenommen. Es dringt in die Dickdarmschleimhaut ein und entwickeln sich je nach Art innerhalb von 1–3 Monaten zum adulten geschlechtsreifen Wurm, der dann im Dickdarmlumen bzw. auf der Schleimhaut lebt und bis zu 2,5 Jahre alt werden kann. Bei Infektionen im Spätherbst dringen die Larven zwar noch in die Darmschleimhaut ein, entwickeln sich aber nicht weiter, sondern legen eine „Ruhephase“ (Hypobiose) ein und „überwintern“ im Pferd. Erst im Frühjahr werden sie reaktiviert und setzen ihre Entwicklung zum geschlechtsreifen Wurm fort.

Nachweis

Der Nachweis der Würmer bzw. Larven erfolgt bei der Sektion am toten Tier, typische MDS-Eier (MDS = Magen-Darm-Strongyliden) weist man über eine koproskopische Untersuchung nach: ovale, dünnschalige Eier mit gefurchtem Eiinhalt und Perivittelin-Raum (siehe Abb. 2 in unserer Bildergalerie). Da sich die Eier von kleinen und großen Strongyliden nicht unterscheiden lassen, muss für eine Differenzierung eine „Larvenkultur“ angesetzt werden, die 3. Larvenstadien lassen sich gut unterscheiden.

Klinisches Bild

Es kommt zur Schädigung der Dickdarmschleimhaut durch die adulten Würmer bzw. histotropen Larven (siehe Abb. 3 in unserer Bildergalerie), bei Massenbefall mit Schwäche, Durchfall, Abmagerung und Kolik. Durch eine synchrone Reaktivierung der hypobiotischen Larven zum Winterende, kann es zu massiven Schäden mit Todesfällen kommen (Larval- oder Wintercyathostominose).

Prophylaxe/Behandlung

Durch ein gezieltes Weidemanagement/Weidehygiene (Umtriebsweide, später Weideaustrieb, Mähen des ersten Aufwuchses, regelmäßiges Abäppeln) kann die Larvendichte auf der Weide reduziert werden. Für eine gezielte Therapie stehen verschiedene Anthelminthika zur Verfügung, wobei regelmäßig die Wirkstoffgruppen gewechselt werden sollten, um Resistenzen vorzubeugen.

Schon gewusst?

  • Über 60 verschiedene Arten kleiner Strongyliden können beim Pferd parasitieren.

  • Bei den männlichen Würmern befinden sich am Hinterende Kopulationshilfsorgane (Bursa copulatrix, Spicula)

  • Die großen Strongyliden (Strongylus vulgaris, Strongylus equinus, Strongylus edentatus) sind in Deutschland sehr selten geworden.

  • Im Gegensatz zu den großen Strongyliden führen die kleinen Strongyliden keine Körperwanderung durch (je nach Art 6,5–11 Monate), sondern die Larven verbleiben nur relativ kurz in der Dickdarm- oder Blinddarmwand (histotrope Phase).

  • Anthelminthika haben nur eine begrenzte Wirkung auf die hypobiotischen Larven.

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