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Allergische Erkrankung bei Hund und Katze

Häufiger als gedacht: die Flohallergie

Die Flohallergie, auch Flohspeichelallergie oder Flohallergische Dermatitis, wird durch Flohspeichel beim Flohbiss ausgelöst. Es handelt sich um die häufigste allergische Erkrankung bei Hund und Katze.

Von Dr. med. vet. Birgitta Nahrgang

Die häufigste Flohart, die Hunde und Katzen befällt, ist der Katzenfloh (Ctenocephalides felis). Der gesamte Entwicklungszyklus bis zum Schlupf adulter (erwachsener) Flöhe dauert drei Wochen bis zu einem Jahr. Die Eiablage beginnt 24 Stunden nach der Blutaufnahme am Wirt. Der weibliche Floh kann bis zu 100 Tage lang pro Tag 20–50 Eier legen. Auf dem Wirt abgelegte Eier fallen dann zu Boden. In der Umgebung entwickeln sich im Folgenden drei Larvenstadien. Das letzte Larvenstadium verpuppt sich und daraus schlüpft wieder ein adulter Floh. Insbesondere im Hinblick auf die Therapie ist der Entwicklungszyklus einzubeziehen.

Entstehung und Entwicklung einer Flohallergie

Nicht jedes Tier entwickelt eine Flohallergie. Tiere, die an einer anderen Allergie wie z. B. Atopie (Allergie auf Umweltallergene wie Pollen und Hausstaubmilben) leiden, haben eine erhöhte Krankheitsneigung. Schätzungsweise entwickeln 80 % aller atopischen Hunde eine Flohallergie, wenn sie immer wieder über einen längeren Zeitraum Flöhen ausgesetzt sind. Auslöser der Flohallergie sind Proteine aus dem Flohspeichel, die in die Epidermis und Dermis gelangen.

Je häufiger ein Tier Flöhen ausgesetzt ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es eine Flohallergie entwickelt. Je größer die individuelle Überempfindlichkeit, desto häufiger kommt es auch zu einer allergischen Reaktion auf Flohbisse. Nicht allergische Tiere werden durch einen Flohbiss kaum gestört. Allenfalls kommt es zu einer kurzen Hautreaktion. Bei einem flohallergischen Hund hingegen reicht schon ein Flohbiss für eine deutliche allergische Reaktion in Form von Juckreiz aus.

Klinisches Bild

Das häufigste Symptom einer Flohallergie ist starker Juckreiz. Das charakteristische Verteilungsmuster betrifft die kaudale (hintere, schwanzwärts gerichtete) Körperhälfte:

  • Rückenende,
  • Rute,
  • Kaudalfläche der Hintergliedmaßen.

Als Primärläsion finden sich kleine, rote, juckende Papeln (kleine, gerötete Erhabenheiten der Haut). Durch Kratzen und Beißen kommt es zu weiteren Hautveränderungen wie Rötungen, Haarlosigkeit und Hot Spots. Unter einem Hot Spot versteht man eine „über Nacht“ entstehende, nässende und oft sehr schmerzhafte Läsion.

Diagnose

Entscheidende Hinweise geben der Vorbericht und das klinische Bild:

  • Hat das Tier Freilauf?
  • Hat das Tier Kontakt zu anderen Tieren?
  • Wie ist das Verteilungsmuster?
  • Wird ein Flohpräparat verabreicht? Wird es regelmäßig verabreicht?

Das Auffinden von Flöhen bzw. Flohkot auf dem Tier ist beweisend für Flohbefall, ansonsten ist nach indirekten Hinweisen zu suchen. Dabei ist das Hauptaugenmerk – wie bereits erwähnt – auf die Rückenlinie des Tieres zu richten.

Therapie

Zur Therapie gehört ein schnelles Abtöten adulter Flöhe durch ein Adultizid. Hierfür sind zahlreiche Wirkstoffe erhältlich, die als Spot on, Halsband oder Tablette verabreicht werden. Zur Linderung des Juckreizes kann über einen Zeitraum von ca. einer Woche zusätzlich ein Kortisonpräparat gegeben werden. Liegt als Folge der juckreizbedingten Selbsttraumatisierung bereits auch eine bakterielle Sekundärinfektion vor, ist der Einsatz eines topischen oder systemischen Antibiotikums sinnvoll.

Zur erfolgreichen Behandlung einer Flohallergie ist die vollständige Elimination der Flohpopulation erforderlich. Daher ist unbedingt eine Umgebungsbehandlung zur Abtötung sämtlicher Entwicklungsstadien in den Therapieplan einzubeziehen.

Dabei ist wichtig zu wissen: 1–5 % Der Flohpopulation befinden sich auf dem Tier, 95–99 % der Flohpopulation halten sich in der Umgebung auf. Das zeigt, welche Bedeutung der Umgebungsbehandlung zukommt.

Flohlarven verhalten sich negativ phototrop und positiv geotrop, das bedeutet: nach unten und ins Dunkle, weg von Licht, Oberflächen und Wärme. Die Umgebungsbehandlung sollte demnach nicht auf Oberflächen stattfinden. Von daher sind Fogger, d. h. Raumvernebler, die Oberflächen benetzen, wenig geeignet. Sprays hingegen kann man unter Teppichläufer, in Parkettritzen, auf und unter Polstermöbel und in dunkle Ecken sprühen. Diese Information sollte dem Besitzer mit auf den Weg gegeben werden.

Neben den Adultiziden gibt es sogenannte Insektenwachstumshemmer, die die Entwicklung einer neuen Flohpopulation aus den Floheiern bzw. -larven verhindern.

Insektenwachstumshemmer werden in zwei Gruppen unterteilt:

  1. Juvenilhormonanaloga (z. B. Methopren, Pyriproxifen) beeinflussen die hormonell gesteuerte Reifung von Flohentwicklungsstadien. Sie sind nicht tödlich für erwachsene Flöhe, sondern verhindern die Häutung und Verpuppung der Larven, d. h. der Floh wird nicht adult.
  2. Chitinsynthesehemmer (z. B. Lufeneron), die zur oralen oder parenteralen Anwendung am Tier dienen. Sie haben keine adultizide Wirkung, sind also auch nicht tödlich für erwachsene Flöhe, sondern verhindern, dass es zu einer Weiterentwicklung der Larvenstadien kommt. Der Flohpanzer besteht aus Chitin. Durch den Chitinsynthesehemmer wird die Entstehung eines Flohskelettes und damit eine neue Flohpopulation in der Umgebung verhindert. Man kann sagen, dass der Floh unfruchtbar wird, da sich aus den Eiern keine adulten Flöhe mehr entwickeln können.

Idealerweise werden – besonders in einem Mehrtierhaushalt – Insektenwachstumshemmer und Adultizide in Kombination verabreicht. Auch eine mechanische Reinigung mittels gründlichen Staubsaugens mit anschließender Entsorgung des Staubsaugerbeutels hilft, den Flohbestand zu reduzieren.

Prophylaxe

Da es jederzeit zu einem Neubefall mit Flöhen kommen kann, muss für jeden Patienten ein individuelles Flohbehandlungsprogramm zusammengestellt werden. Dazu gehört auf jeden Fall ganzjährig ein Adultizid.

Bei rezidivierendem Flohbefall oder bei Tieren mit Flohallergie gehört zusätzlich eine Hemmung der Weiterentwicklung mittels Insektenwachstumshemmer dazu. Der Insektenwachstumshemmer ist hierbei immer als Ergänzung zum Adultizid und der Umgebungsbehandlung zu sehen. Er hilft langfristig, die Etablierung einer Flohpopulation in der Umgebung des Tieres zu verhindern.

Über die Autorin

Dr. med. vet. Birgitta Nahrgang trägt die Zusatzbezeichnung Dermatologie und praktiziert in eigener Praxis in Köln. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte sind Ohrenheilkunde und Allergologie.

Kontakt: www.koelntierarzt.de

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