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Kleine Hunderassen, wie der Zwergspitz, sind häufige Zahnpatienten in der Tierarztpraxis.
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Kleine Hunderassen, wie der Zwergspitz, sind häufige Zahnpatienten in der Tierarztpraxis.

Inhaltsverzeichnis

Zahnmedizin

Mundgerüch(t)e: Dem Welpen auf den Zahn gefühlt

Um das Thema Zähne kursieren einige Mythen. Fakt ist, dass bei jungen Hunden rechtzeitiges Handeln wichtig für die Zahngesundheit ist.

Von Dr. med. vet. Cathrin Zehetmeier

Für die Kommunikation mit Besitzern ist ein gutes Grundwissen über die häufigsten Zahnerkrankungen beim Hundewelpen sehr wertvoll. Gerade bei Jungtieren sind Tierbesitzer schnell verunsichert, wenn es zu Problemen mit oder an den Zähnen kommt. In der täglichen Praxis stellt eine gute Beratung insbesondere auch durch die Tiermedizinischen Fachangestellten einen wesentlichen Baustein dar, wenn es darum geht, den Besitzer bereits am Telefon oder im persönlichen Kontakt von einem Gang zum Tierarzt – in diesem Fall zum Zahnspezialisten – zu überzeugen. Beim Jungtier ist dies besonders wichtig, um Spätfolgen zu vermeiden.

Das Hundegebiss

Hunde haben ein für Fleischfresser charakteristisches Gebiss. Es dient dem Ergreifen, Töten, Halten und Zerreißen von Beutetieren und Nahrung, um sie dann hinunterzuschlingen. Das Gebiss besteht aus unterschiedlichen Zahntypen, die – je nach Lage und Gestalt (siehe Abb. 1) – verschiedene Funktionen erfüllen:

  • Die Incisivi (Schneidezähne) dienen der Fellpflege und zum Abnagen des Fleisches vom Knochen.
  • Mit den Canini (Fangzähne/Eckzähne) wird die Beute gefangen und getötet. Zudem werden sie zur Verteidigung genutzt.
  • Die Prämolaren (vordere Backenzähne) nutzen Hunde zum Tragen der Beute. Die Fleischmahlzeit wird damit zerkleinert und zerschnitten.
  • Als Reißzähne werden der obere vierte Prämolare (P4) und der untere erste Molare (M1) bezeichnet. Sie bilden die sogenannte Brechschere. Damit können Hunde große Fleischstücke herausreißen und Knochen oder sehr große und harte Beutestücke zerbrechen.
  • Beutestücke werden mit den hinteren Molaren (hintere Backenzähne) zermahlen.

Im Alter von drei bis vier Wochen brechen beim Welpen die ersten Milchzähne durch (siehe Tab. 1), die sich zum Teil in ihrer Größe und Anzahl von den bleibenden Zähnen unterscheiden (siehe Kasten Zahnformeln). Zur Erfassung des Zahnstatus werden die Zähne im Zuge der tierärztlichen Untersuchung dokumentiert. Dies folgt entweder dem Schema nach Triadan (siehe Schritt für Schritt – Zahndokumentation im Hunde- und Kat­zengebiss) oder nach den Zahntypen, die dann jeweils pro Quadrant eine fortlaufende Nummer nach dem Anfangsbuchstaben des Zahntyps erhalten (z. B. rechts oben I1 = rechts oben Incisivus 1; siehe Abb. 1).

Zahnanatomie

Um die Zusammenhänge besser verstehen zu können, benötigen wir einen kleinen Exkurs in die anatomischen Grundlagen des Zahnes (siehe Abb. 2). Ein Zahn besteht aus Krone, Zahnhals und Wurzel. Die Krone ist mit Schmelz überzogen, der nur während der Zahnentwicklung – also vor dem Zahndurchbruch – von sogenannten Ameloblasten (schmelzbildende Zellen) gebaut wird. Diese sind an der Außenseite der Kronen angeordnet und scheiden den Schmelz nach innen ab (siehe Abb. 3). Sobald der Zahn durchbricht, sterben die Ameloblasten ab. Wenn die gesamte Krone durchgebrochen ist, ist keine weitere Schmelzbildung mehr möglich.

Die weiter innen liegende Schicht ist das sogenannte Dentin (Zahnbein), das unter der Krone und auch im gesamten Wurzelbereich vorhanden ist. An der Grenzschicht zwischen Dentin und Pulpa (Zahnmark, das Nerven und Blutgefäße beherbergt) findet man die sogenannten Odontoblasten (Dentin bildende Zellen). Solange ein Zahn lebt, bilden sie Dentin und scheiden es nach außen ab – im Idealfall ein ganzes Hundeleben lang. Infolgedessen wird die Dentinschicht immer dicker und die Pulpa immer dünner (siehe Abb. 4).

Die Milchzahnfraktur

„Der Milchzahn ist abgebrochen – egal, der fällt doch sowieso aus.“ Solche und ähnliche Sätze hört man in der Praxis immer wieder. Doch ganz so einfach ist es eben nicht.

Bei einer Fraktur (Bruch) des Milchzahnes (siehe Abb. 5) kommt es zu einer Eröffnung der Pulpa. Darüber können nun Keime in die Pulpa eindringen und eine Entzündung (Pulpitis) mit nachfolgender Pulpennekrose (Absterben des Pulpa-Gewebes) hervorrufen. Diese Vorgänge passieren genauso im Wurzelbereich des Milchzahnes und können sich bis in den Alveolarknochen hineinziehen. Diese Ausbreitung der Entzündung geschieht über Gefäßkanäle im Bereich der Wurzelspitze des Milchzahnes, über welche – wie bei allen Zähnen – der Zahn aus dem Alveolarknochen über Blutgefäße versorgt wird (ein sogenanntes apikales Delta). Nun entsteht aber in der direkten Umgebung der Milchzahnwurzel schon der bleibende Zahn, der dort, je nach Alter, gerade seinen Schmelzmantel fertigstellt und/oder seine Wurzel konstruiert und die Dentinwand erstellt.

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Abb. 5: Frakturierter Milchcaninus mit Fistelöffnung im linken Oberkiefer
Foto: Cathrin Zehetmeier
Abb. 5: Frakturierter Milchcaninus mit Fistelöffnung im linken Oberkiefer

Folglich kann durch die sich ausbreitende Entzündung und Nekrose ein irreparabler Schaden am bleibenden Zahn entstehen, weil die Ameloblasten und/oder die Odontoblasten teilweise, im schlimmsten Fall sogar vollständig, absterben können. Je nach Ausmaß kann ein kleinerer oder auch ein deutlich größerer Schaden bei der Schmelzbildung entstehen, man spricht von einem Schmelzdefekt. Es kann auch zu weiteren Entwicklungsstörungen der bleibenden Zähne kommen wie

  • Dentinschäden,
  • Wurzelanomalien (z. B. ein Knick),
  • Missbildungen des ganzen Zahnes,
  • Störungen im Zahndurchbruch,
  • Stellungsanomalien der bleibenden Zähne.

Darüber hinaus wird durch die Pulpitis oder die einsetzende Pulpennekrose des Milchzahnes der physiologische Ablauf des Zahnwechsels (siehe Tab. 1) gestört. In diesem Fall unterbleibt die physiologische Resorption der Milchzahnwurzel, da die beteiligten Zellen durch die Entzündung in ihrer Funktion gestört sind. Der Milchzahn kann infolgedessen nicht korrekt ausfallen. Somit ist auch aus diesem Grund eine spätere Stellungsanomalie des bleibenden Zahnes möglich: Der bleibende Zahn kann nicht an dem für ihn vorbestimmten Platz durchbrechen, weil dieser noch vom frakturierten Milchzahn „besetzt“ ist.

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Entzündliche Zahnveränderungen (wie eine Pulpitis) sind darüber hinaus schmerzhaft, was wir unseren Hunden ersparen wollen. Häufig sehen wir im fortgeschrittenen Stadium einer Milchzahnfraktur sogar Fistelkanäle (siehe Abb. 5), die bei unterlassener oder zu später Extraktion entstehen. Ein Fistelkanal ist eine Art röhrenartiger Gewebegang, durch welchen sich entzündliches Sekret, das von der Zahnwurzel ausgeht, seinen Weg durch den Alveolarknochen und das Zahnfleisch oder die Mundschleimhaut hindurch in die Maulhöhle bahnt.

Aus diesen Gründen sollte bei einer Milchzahnfraktur zeitnah die Extraktion des Zahnes erfolgen, um für den bleibenden Zahn optimale Voraussetzungen sowohl in seiner Beschaffenheit und Form als auch seiner Position zu schaffen.

Ein prä- und postoperatives Röntgenbild (siehe Abb. 6a und b) verschafft einen Überblick über das Entwicklungsstadium sowohl des Milchzahnes als auch der benachbarten bleibenden Zähne. Nur so lässt sich eine sorgfältige, den bleibenden Zahn schonende Extraktion ohne den Verbleib von Wurzelresten durchführen.

Zahnfraktur des bleibenden Zahnes

Die Wurzelspitze (Apex) hat beim jungen, bleibenden Zahn eine lochartige Form, durch welches die Blutgefäße und Nerven in den Zahn ein- und austreten. Somit wird eine Kommunikation der Pulpa mit dem umliegenden Alveolarknochen möglich. Dieses „Loch“ schließt sich erst im Alter von ca. sieben bis elf Monaten. Dann spricht man von einem apikalen Delta. Dieses besteht nicht mehr aus einer großen Öffnung, sondern aus zehn bis 20 mikroskopisch kleinen Mikrokanälchen, durch welche die Blutgefäß- und Nervenpassage verläuft.

Darüber hinaus sind bei Wurzelschluss die Dentinwände noch sehr dünn und verdicken sich erst im Laufe eines Zahnlebens immer weiter. Infolgedessen wird die Pulpahöhle immer enger.

Wenn nun ein bleibender Zahn mit noch offenem Apex (bei jungen Tieren) frakturiert und die Pulpa eröffnet ist, kann dieser Zahn nicht mit einer konventionellen Wurzelbehandlung, sondern nur durch eine Vitalamputation gerettet und erhalten werden. Bei einer Wurzelbehandlung eines Zahnes mit weit geöffnetem Apex läuft man Gefahr, dass das zahnmedizinische Füllmaterial durch den Apex hindurch in den umliegenden Alveolarknochen gelangt.

Wie bei der Milchzahnfraktur kommt es auch bei der Fraktur des jungen Zahnes zu einem Eindringen von Bakterien in die Pulpa. Häufig sind strategisch wichtige Zähne, wie der Caninus, betroffen. Um eine ausgeprägte Schädigung der Pulpa zu vermeiden, sollte die Versorgung des Zahnes daher sehr zeitnah nach der Fraktur erfolgen. Die beste Prognose für ein Überleben der Pulpa hat man, wenn der Zahn binnen 24 Stunden versorgt wird. Bei einer Versorgung nach 48 Stunden sinkt die Prognose, den Zahn am Leben zu erhalten, beträchtlich! Zahnfrakturen junger bleibender Zähne sind immer als Notfall einzustufen und sollten schnellstmöglich tiermedizinisch versorgt werden, um den Zahn erhalten zu können.

Um die Therapie planen und die Vitalamputation (sofern die Befunde eine Indikation dahingehend stellen) korrekt durchführen zu können, geben Röntgenbilder in Narkose Auskunft über Entwicklungs- und Gesundheitszustand des Zahnes. Eine Vitalamputation muss in Narkose unter den bestmöglichen sterilen Bedingungen durchgeführt werden. Dabei wird ein kleiner Teil der bereits infizierten Pulpa entfernt und der Zahn mit speziellen Füllmaterialien in mehreren Schichten verschlossen.

Unabhängig von der Ausgangslage sind immer röntgenologische Verlaufskontrollen in Narkose notwendig, um evtl. auftretende pathologische Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Nur so hat der Zahn bestmögliche Chancen, erhalten zu werden.

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Zahnwechselstörungen, Zahn- und Kieferfehlstellungen

Je frühzeitiger eine Zahnwechselstörung, eine Zahn- und/oder Kieferfehlstellung erkannt werden, umso größer sind die Chancen, Schmerzen zu verhindern. Generell sieht man solche Veränderungen vorwiegend bei Hunden und nur sehr selten bei Katzen.

Es werden uns immer wieder junge Patienten vorgestellt, die ein Problem mit dem Zahnwechsel oder mit Fehlstellungen ihres Kiefers und/oder ihrer Zähne haben. Wenn wir bei einigen dieser Patienten zu einer Therapie oder Operation in Narkose raten, dann kommt es manchmal vor, dass der Besitzer bei der TFA den Termin für die Operation wieder absagt, mit der Begründung: „Der Züchter hat gesagt, das verwächst sich.“ Solche Aussagen sind sehr pauschal. Im Zweifelsfall sollte immer der Rat eines zahnmedizinisch geschulten Tierarztes eingeholt werden.

Persistierende Milchzähne

Wie bereits bei den Milchzahnfrakturen erwähnt, kann es vorkommen, dass ein Milchzahn (am häufigsten der Milchcaninus) nicht ausfällt. Als persistierend bezeichnet man einen Milchzahn, der immer noch an seinem Platz ist, wenn der bleibende Zahn bereits durchbricht oder durchgebrochen ist (siehe Abb. 7). Der physiologische Zeitpunkt des korrekten Zahnwechsels ist somit deutlich überschritten. Kleine Rassen werden uns deutlich häufiger mit persistierenden Milchzähnen vorgestellt als größere Hunderassen (siehe Titelbild). Wir sehen persistierende Milchzähne aber auch bei manchen Rassen gehäuft, z. B. beim Tibet Terrier. Eine genetische Komponente muss in Fällen der Milchzahnpersistenz zumindest vermutet werden.

Die bleibenden Canini brechen im Unterkiefer lingual (also Richtung Zunge) und die des Oberkiefers mesial (vor) dem Milchcaninus durch. Bei einer Persistenz (Verbleiben) der Milchzähne kann es zur Zahnfehlstellung der bleibenden Zähne und evtl. zu Problemen der Verzahnung (sog. Okklusion, also der Position der Zähne des Oberkiefers zu denen des Unterkiefers) kommen, weil der bleibende Zahn nicht an seinem festgelegten Platz durchbrechen kann. Er liegt dann entweder zu weit lingual (zungenwärts) oder zu weit mesial (zu weit vorne; siehe Abb. 8).

Die bleibenden Unterkiefercanini können dann z. B. im Gaumen einbeißen, was sehr schmerzhaft ist (siehe unten „Woran erkennt man Zahnprobleme beim (Jung-)Hund?“). Ein weiteres Problem bei einem Einbeißen im Milchgebiss (siehe Abb. 9) kann sein, dass das genetisch festgelegte Kieferwachstum meistens nicht voll ausgeschöpft wird, weil sich der Unterkiefer sozusagen im Oberkiefer festhakt und kein unabhängiges Wachstum der Kiefer mehr möglich ist. Dies erhöht die Gefahr, dass es im bleibenden Gebiss zu einer Verkürzung des Unterkiefers kommt.

Darüber hinaus entstehen häufig Gingivitis (Entzündung des Zahnfleisches) oder im fortgeschrittenen Stadium auch Parodontitis (Entzündung von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat), weil zwischen dem persistierenden Milchzahn und dem bleibenden Zahn enge Schmutznischen (siehe Abb. 7) entstehen. Somit besteht die Gefahr, dass der bleibende Zahn erkrankt.

Sollte eine Okklusionsstörung drohen (oder sogar schon vorhanden sein), ist eine sehr baldige Extraktion des persistierenden Milchzahnes in Narkose notwendig. Ebenso sollte bei der Gefahr einer Parodontalerkrankung (Gingivitis, Parodontitis) eine Extraktion erfolgen.

Ein prä- und postoperatives Röntgenbild ist auch hier notwendig, um die Wurzellänge, -position, -form und das Stadium der evtl. vorhandenen Resorption der Wurzel zu kennen. Nur so kann eine den bleibenden Zahn schonende und vollständige Extraktion des persistierenden Zahnes erfolgen.

Woran erkennt man Zahnprobleme beim (Jung-)Hund?
  • Viele Hunde, egal ob jung oder erwachsen, zeigen trotz ausgeprägter Zahnprobleme meistens keine Schmerzen.
  • Indizien können evtl. ein Wechsel von Weich- auf Hartfutter (oder umgekehrt) oder das plötzliche Meiden von Kauartikeln sein.
  • Bei Maulgeruch sollte immer ein zahnmedizinisch geschulter Tierarzt aufgesucht werden.
  • Zahnpatienten verhalten sich nach der Behandlung (aufgrund der nun fehlenden Schmerzen) häufig anders (z. B. langsameres Fressen statt Schlingen, deutlicheres Kauen, besseres Allgemeinbefinden, zunehmende Kontaktfreude). Erst dann wird dem Besitzer der vorher erlebte, aber nicht gezeigte Schmerz seines Hundes bewusst.

Zahn- und Kieferfehlstellung

Grundsätzlich sollte es selbstverständlich sein, dass die Korrektur einer Fehlstellung nur aus medizinischen und nicht aus kosmetischen Gründen erfolgen sollte. Man unterscheidet zwischen einer dentoalveolären Malokklusion und einer basoskelettalen Malokklusion.

Bei der dentoalveolären Malokklusion finden wir einzelne fehlgestellte Zähne bei physiologischen Kieferverhältnissen (Länge und Relation zueinander). Sie gelten in der Regel als nicht erblich, wenn man die Fehlstellung(en) eindeutig einem Zahntrauma zuordnen kann und sie nicht gehäuft in Zuchtlinien auftreten.

Von einer basoskelettalen Malokklusion spricht man, wenn Ober- und Unterkiefer in einem Missverhältnis zueinander stehen und es infolgedessen zu Okklusionsstörungen kommt. Sie werden in der Regel als erblich fixiert eingestuft, es sei denn, sie lassen sich eindeutig einem Trauma zuordnen.

Eine der häufigsten Fehlstellungen ist der Steil- oder Engstand (siehe Abb. 10a–c) der Unterkiefercanini mit einem traumatischen und schmerzhaften Einbiss der Unterkiefercanini in den Gaumen. Je nach Ausprägung kommt es zu geringen entzündlichen Impressionen, zu entzündlichen tieferen Schleimhauttaschen bis hin zu tiefen Impressionsverletzungen im Gaumendach mit einer oronasalen Fistel.

Sofern diese Fehlstellung bereits bei den Milchcanini auftritt, resultiert daraus eine Störung im Wachstum von Ober- und Unterkiefer, welches normalerweise unabhängig voneinander stattfindet. Denn nun verhaken sich Ober- und Unterkiefer mit den fehlstehenden Milchcanini (Interlock genannt). Das genetisch determinierte Längenwachstum der Kiefer kann somit nicht voll ausgenutzt werden.

Im Falle einer drohenden oder bereits eingesetzten Traumatisierung des Zahnfleisches, des Gaumens oder anderer Strukturen sollte eine Therapie erfolgen. Im Milchgebiss sollte eine Extraktion der traumatisierenden Milchcanini durchgeführt werden. Im bleibenden Gebiss sollte eine kieferorthopädische Korrektur (KFO) der Canini zumindest in Erwägung gezogen werden. Da jede KFO-Maßnahme ihr eigenes – für die jeweilige Situation angepasstes – Konzept hat, muss sie für den jeweiligen Hund eine geeignete Therapie darstellen und sollte auch mit dem Besitzer genau besprochen werden. Sollte eine KFO, aus welchen Gründen auch immer, nicht infrage kommen, sollten eine Kürzung der Canini und die Versorgung dieser mit einer Vitalamputation oder eine Extraktion der das Trauma verursachenden Zähne erfolgen.

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Prävention und Prophylaxe

Mit ein paar Maßnahmen gelingt es häufig, Zahnprobleme zu vermeiden oder rechtzeitig zu erkennen. Den Routineuntersuchungen beim – idealerweise zahnmedizinisch geschulten – Tierarzt kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Sie dienen der Früherkennung von persistierenden Milchzähnen, fehlenden, frakturierten oder fehlgestellten Zähnen und der Entstehung von Plaque, Zahnstein und Gingivitis. Das Welpengebiss sollte zu bestimmten Zeitpunkten untersucht werden:

  • im Alter von sechs Wochen, wenn nahezu alle Milchzähne durchgebrochen sind bzw. spätestens, wenn der Welpe vom Züchter oder Vorbesitzer übernommen wird
  • zur Zeit des Durchbruchs der bleibenden Zähne im Alter von 18–20 Lebenswochen
  • bei ausgewachsenen Hunden mindestens einmal im Jahr durch einen auf Zahnheilkunde spezialisierten Tierarzt

Welpen sollten bereits frühzeitig und spielerisch an das tägliche Zähneputzen gewöhnt werden. Damit kann vor allem Zahnstein und den damit einhergehenden Folgen vorgebeugt werden. Zudem können durch den regelmäßigen Zahncheck seitens des Besitzers andere Zahnprobleme bisweilen schneller erkannt werden.

Welpen und junge Hunde haben ein angeborenes Kaubedürfnis. Damit die fragileren Milchzähne beim Benagen und Bekauen nicht abbrechen, sollten die angebotenen Kauartikel nicht zu hart sein. Als Richtlinie gilt, dass sie mit dem Fingernagel gut eindrückbar oder tendenziell noch weicher sein sollten. Für Welpen ausgewiesene Kauartikel, die das VOHC-Siegel (Veterinary Oral Health Council) aufweisen, gelten als geeignet. Bei Zerrspielen werden vor allem die Canini beansprucht. Zum Schutz der (Milch-)Canini sollte darauf, vor allem zur Zeit des Durchbruchs der bleibenden Zähne, verzichtet werden.

Fazit

Je frühzeitiger Abweichungen von der normalen Zahn- und Kieferentwicklung erkannt und ernst genommen werden, umso besser können sie – falls notwendig – erfolgreich therapiert werden. Nur so lassen sich Schmerzen und evtl. später im bleibenden Gebiss auftretende Komplikationen oder auch häufig deutlich aufwendigere Therapien vermeiden.

Bei diesen Sprüchen aufgepasst!

  • „Der Milchzahn fällt doch eh aus.“
  • „Das verwächst sich.“
  • „Mein Hund frisst und kaut – also hat er sicher keine Schmerzen.“

So bleiben Welpen- und Hundezähne gesund

  • regelmäßige Tierarztbesuche zur Früherkennung von Zahnproblemen
  • einmal täglich Zähneputzen mit Beginn im Welpenalter
  • den Härtegrad von Kauartikeln dem Alter anpassen
  • Zerrspiele zur Zeit des Zahndurchbruchs möglichst vermeiden

Über die Autorin

Cathrin Zehetmeier ist Fachtierärztin für Zahnheilkunde der Kleintiere. In ihrer eigenen Praxis und ambulant im Auftrag anderer Tierarztpraxen behandelt sie seit fast 20 Jahren Hunde- und Katzenzähne.

Kontakt zur Autorin: info@dentacat.de

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